DER SPIEGEL

KINOPlüsch, Pailletten und Pornos

Der Film "Liberace - Zu viel des Guten ist wundervoll" (Kinostart 3. Oktober) zeigt dem Zuschauer schillernde Szenen einer Schwulen-Ehe aus der Zeit, bevor es sie gab. Regisseur Steven Soderbergh erzählt von dem Liebesleben des Pianisten Wladzio Valentino Liberace, in den Siebzigern einer der bestbezahlten Entertainer der USA. Er begann auf dem Höhepunkt seines Ruhms eine langjährige Beziehung mit einem 40 Jahre jüngeren Hundetrainer - unter den Augen einer Öffentlichkeit, die hinschaute und doch nicht verstand. Michael Douglas und Matt Damon machen daraus einen großartigen schauspielerischen Pas de deux, eine Mischung aus Duett und Duell, sie lieben und schlagen sich durch eine Welt aus Plüsch, Pailletten und Pornos. Die beiden ziehen den Zuschauer in ein Psychodrama hinein, das so amüsant wie berührend ist und körperlich schmerzt, wenn Liberace anfängt, das Gesicht seines Geliebten nach seinen Vorstellungen umoperieren zu lassen. Douglas gibt als sanfter und herrschsüchtiger, flamboyanter und verzweifelter Titelheld eine der besten Darstellungen seines Lebens. Der Film ist übrigens keine Hollywood-Produktion, die Studios fanden ihn "zu schwul". Stattdessen holte sich Soderbergh das Geld beim Qualitätsfernsehsender HBO.

DER SPIEGEL 55/2013
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