DER SPIEGEL

Zu schön, um wahr zu sein

Im Jahr 1610 veröffentlichte der italienische Forscher Galileo Galilei seine Schrift "Sternenbote" mit etlichen die Wissenschaft auf den Kopf stellenden Erkenntnissen über den Mond. 550 Exemplare wurden gedruckt. Im Jahr 2005 erwarb ein New Yorker Antiquar eine Version, die sich auf spektakuläre Weise von allen überlieferten Fassungen unterscheidet. Sie enthält Ansichten vom Mond, die – so schien es – Galilei selbst getuscht hatte. Eine Forschergruppe um den Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp erklärte Buch und Bilder jedenfalls zu Originalen. Bredekamp hatte viel zu Galilei als Künstler publiziert. Von Galilei gibt es ähnliche Skizzen, doch solche von Hand geschaffenen Illustrationen nun innerhalb einer bahnbrechenden Abhandlung vorzufinden schien fast zu schön, um wahr zu sein. Es bestätigte Bredekamps These über die Nähe von Kunst und wissenschaftlicher Erkenntnis. Auch vieles andere an dem Fund wirkte überzeugend. Die Schrift ist zusammengebunden mit anderen Schriften Galileis, sie besitzt den Stempel der Bibliothek seines Förderers Federico Cesi. Doch der Stempel wurde gefälscht, ebenso wie der Rest des Buches. Hergestellt wurde es unter anderem in Argentinien und mithilfe von billigen Fotopolymerplatten. Bredekamps Team bekannte sich zu seinen Irrtümern und machte sie in einem Buch sogar öffentlich. In Frankreich erscheint nun eine Publikation zu dem Fall von dem Historiker Nick Wilding, der die Fälschung entlarvt hat.

DER SPIEGEL 24/2015
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