DER SPIEGEL

JapanDas Mangakapital

Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich verhilft dem französischen Ökonomen Thomas Piketty zu überraschendem Kultstatus in Japan. Pikettys Thesen über die Ursachen ökonomischer Ungleichheit sind nicht nur in der japanischen Übersetzung seines 728-Seiten-Wälzers "Das Kapital im 21. Jahrhundert" ein Bestseller, sondern jetzt auch leicht konsumierbar als Manga erhältlich.
In dem jüngsten Comic der Reihe "Durch Manga verstehen" kämpft die junge Angestellte einer fast bankrotten Anzeigenagentur um ihre berufliche Existenz. Die bekannte Mangazeichnerin Kariko Koyama kommt den Realitäten des Landes darin inzwischen ziemlich nahe: Durchschnittsverdiener leiden unter niedrigen Löhnen, die frühere Sicherheit eines auf Lebenszeit garantierten Arbeitsplatzes gibt es immer weniger.
Die meisten Japaner zählen sich noch zur Mittelschicht, fürchten aber den Abstieg. Mehr als ein Drittel der Arbeitskräfte jobbt bereits mit vergleichsweise schlecht bezahlten Zeitverträgen oder in Teilzeit.
Seit zwei Jahren versucht Regierungschef Shinzo Abe, durch eine besonders lockere Geldpolitik die Wirtschaft zu beleben. Doch der dadurch entfachte Aktienboom begünstigt vor allem eine Minderheit vermögender Landsleute.
Von Ww

DER SPIEGEL 33/2015
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