DER SPIEGEL

GESTORBENWES CRAVEN, 76

Er wurde reich, indem er Menschen Albträume bereitete. Der amerikanische Drehbuchautor und Regisseur erfand unter anderen Freddy Krueger, den Kindermörder mit dem verbrannten Gesicht, der in einem ganzen Zyklus von "Nightmare on Elm Street"-Filmen zu einer Ikone der Popkultur wurde. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwamm bei Craven in Strömen von Blut; immer wieder beschäftigte er sich mit der allgegenwärtigen Aggressivität in der US-Gesellschaft und der Eskalation von Gewalt. Craven, der vor seiner Kinokarriere Psychologie und Philosophie studiert hatte, war ein hochintelligenter Gesprächspartner und ein listiger Filmemacher. Mitten im Mainstream schuf er ziemlich subversive Werke. Sein Regiedebüt "Das letzte Haus links" (1972) war so etwas wie ein brutales Remake von Ingmar Bergmans Drama "Die Jungfrauenquelle", und natürlich ließ Craven darin nicht nur das Wasser sprudeln. Er zeigte präzise, maliziös und verstörend, zu welchen Taten die Rachsucht auch ganz normale amerikanische Mittelstandsbürger treiben kann. Cravens Horrorfilme waren oft bittere Sozialsatiren. In seiner "Scream"-Kinoserie, die zwischen 1996 und 2011 über eine halbe Milliarde Dollar einspielte, waren Humor und Horror nicht einmal mehr mit dem schärfsten Skalpell zu trennen. Wes Craven starb am 30. August in Los Angeles.
Von Lob

DER SPIEGEL 37/2015
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