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PersonalienVolte der Geschichte

Der ehemalige Kremlchef Michail Gorbatschow, 85, der die Reisefreiheit für die Russen auf den Weg brachte, bekommt auf seine alten Tage Reiseverbot – dafür hat der ukrainische Parlamentsabgeordnete Anton Geraschtschenko gesorgt. Der Berater des Innenministers hatte sich an den ukrainischen Geheimdienst gewandt. Der gab am Donnerstag Geraschtschenkos Bitte statt: Gorbatschow darf fünf Jahre lang nicht mehr das Land betreten, "im Interesse der Sicherheit der Ukraine". Die EU forderte Geraschtschenko auch gleich auf, den früheren sowjetischen Staatschef nicht mehr einreisen zu lassen.
Anlass für die Demarche ist ein Satz, der in einem Interview mit der britischen "Sunday Times" fiel. Gefragt nach der russischen Annexion der Krim antwortete Gorbatschow, er hätte an Putins Stelle genauso gehandelt. Es war einer der seltenen Momente, in denen Gorbatschow sich solidarisch mit Putin zeigte. "Wir hatten immer eine normale Beziehung zueinander", sagt der ehemalige Generalsekretär im selben Interview über seine Verbindung zu Putin. "Jetzt würde ich sie nicht mehr normal nennen, denn nun gibt es überhaupt keine Kontakte mehr zwischen uns." Auf Geraschtschenkos Forderung reagierte Gorbatschow gelassen: "Gut, dann fahre ich künftig nicht mehr dorthin."
Von Cne

DER SPIEGEL 22/2016
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