DER SPIEGEL

StahlfusionBlockierte Pläne

Die weit fortgeschrittenen Verhandlungen über eine Fusion ihrer europäischen Stahlsparten zwischen ThyssenKrupp und dem indischen Mischkonzern Tata liegen nach der Brexit-Abstimmung der Briten auf Eis. Grund: Für die geplante Zusammenarbeit brauchen die Konzerne die Unterstützung der britischen Regierung. Der Plan von Tata und ThyssenKrupp sieht nämlich vor, nur noch moderne und wettbewerbsfähige Stahlstandorte in Europa zu betreiben. Dazu gehören vor allem die Werke in den Niederlanden und in Deutschland. Zahlreiche alte und marode britische Stahlhütten sollten hingegen verkleinert oder geschlossen werden. Dadurch sollten Überkapazitäten vom Markt genommen und der Preisdruck auf die gesamte Branche vermindert werden. Allerdings ist eine Schließung der Stahlhütten auf der Insel ohne Unterstützung der Regierung kaum möglich. Auf den Werken lasten Pensionsverpflichtungen von geschätzt 17 Milliarden Euro. Der amtierende Premierminister David Cameron hatte den Konzernen Unterstützung signalisiert. Wie ein möglicher Nachfolger auf die Abbaupläne reagiert, ist nun offen. Einige Brexit-Befürworter hatten in den vergangene Wochen sogar eine Verstaatlichung und damit den Fortbestand der maroden britischen Stahlunternehmen angeregt.
Von Fdo

DER SPIEGEL 27/2016
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