DER SPIEGEL

Formel 1„Es braucht Zeit“

Grand-Prix-Pilot Nico Hülkenberg, 28, über den Plan, den Kopf der Fahrer besser zu schützen
SPIEGEL: Ursprünglich sollten die Formel-1-Autos ab nächstem Jahr mit einem zusätzlichen Cockpitschutz ausgerüstet werden. Nun wird die Einführung verschoben. Bedauern Sie das?
Hülkenberg: Nein, ich halte die aktuelle Lösung nicht für ausgereift. Die Entscheidung, vorerst darauf zu verzichten, ist richtig. Es braucht mehr Zeit für die Entwicklung.
SPIEGEL: Favorisiert wird ein Bügel, der sogenannte Halo. Er sieht klobig aus. Wie finden Sie ihn?
Hülkenberg: Er gefällt mir nicht, das habe ich bereits Anfang der Saison gesagt. Ich bin überzeugt, dass mit etwas mehr Vorlauf eine optisch – und technisch – bessere Lösung präsentiert wird.
SPIEGEL: Traditionell haben Formel-Rennwagen ein offenes Cockpit. Zerstört solch ein Bügel die Charakteristik der Formel 1?
Hülkenberg: Ich bin ein Freund des offenen Cockpits. Das macht für mich einen Teil der Attraktivität und Faszination aus. Bei allen dringend notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und deren konsequenter Weiterentwicklung müssen wir aufpassen, dass wir dem Sport nicht seine Einzigartigkeit nehmen. Hier gilt es, eine kluge Balance zu finden.
SPIEGEL: Muss der Schutz für den Kopf überhaupt verbessert werden?
Hülkenberg: Die Formel 1 hat bewiesen, dass sie Maßstäbe bei der Sicherheit setzt. Allerdings bleibt der Kopf bei Kollisionen und vorbeifliegenden Fremdkörpern höheren Risiken ausgesetzt als andere Körperteile. Wir müssen diese Risiken auf jeden Fall weiter reduzieren.
Von Hac

DER SPIEGEL 32/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung