DER SPIEGEL

PersonalienHoneckers Tagebücher

Die DDR ist tot, aber Erich Honecker lebt weiter: Er betreibt jetzt eine Seite bei Facebook. Der ehemalige SED-Chef, lange der mächtigste Politiker der DDR und 1994 im Exil in Chile verstorben, kommentiert im Netz die Weltlage und wirbt für ein neues Buch: "Hier ist alles Banane – Erich Honeckers geheime Tagebücher 1994 – 2015" (Ullstein Verlag). Im Buch schreibt der angebliche Honecker über seine Frau Margot (" ... hat sich bei einem Internethändler einen sogenannten Thermomix bestellt") oder Donald Trump ("Trotz seines obszönen Reichtums macht er auf Margot und mich einen sehr vernünftigen Eindruck"). Man ahnt es: Das Ganze ist natürlich eine Satire, ausgedacht von Ralf Heimann, einem Journalisten aus Münster, und dem Literaturagenten Daniel Wichmann. Aber nicht alle scheinen ihren Humor zu teilen. "Dies ist doch alles gefakt ... Siehe Hitler-Tagebücher", kommentierte ein erboster Leser, der im Netz auf eine Anzeige zum Buch gestoßen war; ein anderer zweifelte den Wahrheitsgehalt vor allem wegen Honeckers Lebensdaten an: "1912 geboren und krebskrank ... Und soll trotzdem 103 Jahre alt geworden sein." Wie bei Facebook üblich, vergriffen sich einige Kommentatoren im Ton ("diese Deppen", "Wixer"). Autor Heimann musste schließlich klarstellen, dass es sich um "ein Unterhaltungsbuch" handele und Honecker "die Tagebücher nicht geschrieben" habe: "Wir hatten gedacht, es wäre für jeden auf den ersten Blick zu erkennen."
Von Mwo

DER SPIEGEL 38/2016
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