DER SPIEGEL

ZeitgeschichteHoneckers Lüge

Das Bundesarchiv veröffentlicht unbekannte Dokumente zum berüchtigten Gipfel zwischen Kanzler Helmut Schmidt und DDR-Chef Erich Honecker 1981 in Güstrow ("Dokumente zur Deutschlandpolitik", De Gruyter). Tausende Stasileute hatten damals die Kleinstadt besetzt und sollten der Bonner Delegation samt Journalisten vorgaukeln, sie seien Güstrower. Das misslang allerdings. Man habe "die offene Präsenz offensichtlich etwas zu hoch angesetzt", notierte ein Stasimann selbstkritisch. Leider hätten westliche Journalisten seine Leute an den "Verpflegungsbeuteln in der Hand" erkannt. Auch sei es "wenig dienlich" gewesen, dass Einzelne Hochrufe auf Honecker vorgebracht hätten. Dieser rechtfertigte den grotesken Einsatz von insgesamt 12 000 Stasimitarbeitern mit Verweis auf das Bundeskanzleramt. Schmidts Staatsminister Gunter Huonker habe gewarnt, "auf den Bundeskanzler sei ein Attentat geplant". Tatsächlich hatte Huonker einen Emissär der DDR aber nur gefragt, ob Ostberlin Informationen aus dem Südjemen über Terroristen besorgen könne, die sich dort aufhielten. Helmut Schmidt hatte vorab sogar ausdrücklich gebeten, zu seiner Sicherheit "keine überhöhten Maßnahmen" in Güstrow zu ergreifen.
Von Klw

DER SPIEGEL 46/2016
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