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So gesehenZum IQ-Test, bitte!

Trumps schöne Idee zur Lösung von Machtkämpfen
US-Präsident Donald Trump hat seinen Außenminister Rex Tillerson zum Duell herausgefordert. In einem Interview verlangte er von Tillerson, sich einem Vergleich ihrer IQ-Tests zu stellen. Es spricht für Trumps Sportsgeist, dass er selbst in jenen Disziplinen den Zweikampf sucht, bei denen die Buchmacher ihn nicht gerade vorn sehen. Gerüchte, wonach er nicht wisse, was ein IQ-Test sei (wie bei den Phänomenen Pressefreiheit, Belgien, Klimawandel oder Unesco), bestätigten sich nicht.
Tillerson dürfte als leichter Favorit ins große IQ-Duell gehen. Er hatte Trump als "fucking moron" bezeichnet, als verfickten Trottel beziehungsweise verdammten Hohlkopf, je nach Übersetzung, was zumindest von einer gewissen Grundintelligenz zeugt. Andererseits dient er Trump bereits seit neun Monaten freiwillig als Außenminister.
Trump hingegen erklärte schon im Mai 2013 auf Twitter: "Sorry, ihr Loser und Hater, aber mein IQ ist einer der höchsten!" Das kann natürlich ein Bluff sein, schließlich prahlte er auch mal: "Ich habe die besten Wörter", was nachweislich nicht stimmte. Doch egal wer am Ende gewinnt: Wir sollten Trumps Idee aufgreifen. Viel zu lange wurde der IQ-Test als friedliches Mittel zur Lösung von Machtkämpfen unterschätzt, gerade in Deutschland. Noch vor Beginn der Koalitionsverhandlungen, sollten Horst Seehofer und Markus Söder daher ihr notariell beglaubigtes Testergebnis beim parteiinternen Schiedsgericht vorlegen.
Von Markus Feldenkirchen

DER SPIEGEL 42/2017
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