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So gesehenMännersachen

CSU-Designer Seehofer präsentierte seine Herrenkollektion.
• Diese Woche sorgte ein Foto für Irritationen, auf dem neun Herren in einer Reihe stehen. Vor allem die Modewelt reagierte entsetzt. Das Bild entstand, als Stardesigner Horst Seehofer die erste Kollektion seines Hauptstadt-Labels "Alt-Moabit" vorstellte. Sein kriselndes Modehaus CSU will mit dem Showroom im Regierungsviertel neue Märkte erschließen. Denn zu selten greifen Kunden nach Dirndl und Trachtenjanker, den Klassikern des Hauses. Doch die neue CSU-Linie überzeugt nicht. Zu sehr atmet sie den Stil der Fünfzigerjahre: dunkles schweres Tuch, altbackene Schnitte. Andere Häuser wagen dieses Frühjahr Experimente, nutzen bunte Farben oder Federn.
Derweil verzichtet die CSU in dieser Saison konsequent auf eine Damenkollektion, setzt ganz auf eine uninspirierte Herrenlinie. Bei Seehofer, der dank seiner schlichten Strickmuster zum Chefdesigner aufstieg, mag das nicht verwundern. Ärgerlich ist es dennoch. "Damenmode kann der einfach nicht", lästert die Konkurrenz. "Herrenmode aber auch nicht." Die Zeiten, in denen Seehofers Assistent Alessandro Dobrindt (Spitzname: "kleines Karo") für Stammkundinnen "Ladies After Work Parties" schmiss, sind vorbei.
Besonders tragisch: Dem Altmeister verrutschen die Maße. Auf den ersten Bildern dominieren überlange Ärmel, unförmige Hosenbeine und zum Platzen gespannte Sakkos. Hier rächt sich Seehofers Marotte, Kollektionen auf den eigenen Leib zu schneidern und bei Schauen statt Models eigene Leute auf den Laufsteg zu schicken. Über kurz oder lang dürfte der wirtschaftliche Druck ihn zwingen, solche Traditionen aufzugeben. Vielleicht eines Tages sogar sein modisches Credo: "Die Tennissocke gehört zu Deutschland!"
Von Melanie Amann

DER SPIEGEL 14/2018
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