DER SPIEGEL

FunktionäreSchamlos

 Bislang unbekannte Dokumente belegen: Der DFB hat über Jahre sowohl den Manager als auch den Finanzberater von Franz Beckenbauer bezahlt.
Marcus Höfl ist kein Mann für alltägliche Fälle. Wer die Website seiner MHM-Group besucht, den versucht der gelernte Kommunikationswirt mit einem großspurig-holprigen Satz zu ködern: "Wir vermitteln nicht, sondern wir gestalten."
Worauf der Sportvermarkter Höfl sein Selbstbewusstsein offenbar stützt, wird Sekunden später klar. Auf der Homepage schiebt sich Franz Beckenbauer ins Bild, der Fußballkaiser, den Höfl seit 15 Jahren vertritt und der den Netzauftritt der MHM-Group dominiert wie der FC Bayern München die Bundesliga. Eher kurz sieht man eine weitere Klientin Höfls: seine Ehefrau, die Skilegende Maria Höfl-Riesch, bevor der Kaiser wieder alles überstrahlt: im Bayern-Dress, mit Meisterschale und Siegerblick.
Seit 2003 ist Marcus Höfl an Beckenbauers Seite. Zunächst als Assistent, später als Manager einer Lichtgestalt, die unantastbar war und dafür gesorgt hat, dass auch seine Entourage von der Sonne seiner Erfolge gewärmt wird.
Wie schamlos Beckenbauer dabei vorging, zeigen bislang unbekannte Abrechnungsunterlagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Sie belegen, in welchem Maße der Kaiser den DFB finanziell ausgenommen hat – als Präsident des Organisationskomitees (OK) für die WM 2006 und als Mitglied des Exekutivkomitees des Weltfußballverbands Fifa.
Im Herbst 2016 hatte der SPIEGEL enthüllt, dass Beckenbauer, von dem es bis dahin geheißen hatte, er habe ehrenamtlich für das WM-OK gearbeitet, für seine Tätigkeit üppig entlohnt worden war: mit 5,5 Millionen Euro, Geld eines Sponsors, das offiziell für die WM-Kasse bestimmt war.
Wie aus den Dokumenten nun hervorgeht, haben der DFB und sein WM-OK auch Beckenbauers Privatmanager Höfl und seinen Finanzberater Wilfried Krebs über Jahre freigehalten – mit hohen sechsstelligen Summen für Arbeiten, die mit dem DFB oder der WM wohl wenig bis nichts zu tun hatten.
Den Papieren zufolge erhielt Krebs in den Jahren 2003 bis 2006 insgesamt 546 000 Euro vom WM-OK – als "pauschale Abgeltung der Personalkosten und Büroinfrastrukturkosten". Angeblich habe OK-Präsident Beckenbauer "administrative Unterstützung" an "seinem Wohnort in Kitzbühel" gebraucht, wie es in den Unterlagen heißt.
Doch das war allem Anschein nach eine Mogelpackung. Krebs selbst hatte in seinem dem DFB übersandten Vertragsentwurf eine umfassende Wirtschafts- und Rechtsberatung für Beckenbauer als Zahlungsgrund genannt – und damit Leistungen, die von OK-Mitarbeitern erbracht werden konnten.
Konfrontiert mit diesen Zahlungen, gibt sich die aktuelle DFB-Spitze ahnungslos: Man wisse nicht, "auf welcher Grundlage die Summe damals berechnet wurde". Gleiches gelte "für die Formulierungsfindung des Vertragsgegenstands". Im Klartext: Auch wenn die OK-Funktionäre damals gemauschelt haben – ist uns das heute ziemlich egal.
Ebenso anrüchig ist der Vertrag, den der DFB im März 2007 mit Beckenbauers Manager Höfl schloss. Für die "Unterstützung" Franz Beckenbauers "als Mitglied des FIFA Exekutiv Komitees" garantierte der Verband dessen privatem Berater ein "monatliches Pauschalhonorar von 10 000 Euro", plus 25 000 Euro für die "Erstausstattung des Büros".
Ein Privileg, das Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach, Beckenbauers Nachfolger im Exekutivkomitee der Fifa, nicht hatten, wie der DFB einräumt: "Mit Blick auf ihre internationalen Ämter" hätten beide nur "Unterstützung durch jeweils einen hauptamtlich in der DFB-Administration angestellten Mitarbeiter" gehabt. Die Frage, warum es beim Duo Beckenbauer/Höfl anders lief, ließ der DFB unbeantwortet.
Mehr als 400 000 Euro hat Höfl, dem Vertrag zufolge, bis zu Beckenbauers Abschied aus dem Exekutivkomitee im März 2011 kassiert. Allzu viel arbeiten musste er dafür offenbar nicht: Zu seinen Pflichten zählten die "Veranlassung der Vorbereitung von Entscheidungsunterlagen" oder die "Beschaffung von Sitzungsunterlagen".
Wie großzügig die DFB-Spitze war, wenn es galt, Beckenbauer zu charmieren, zeigt ein weiteres Beispiel aus dem Jahr 2006. Obwohl der Kaiser für sein Wirken im WM-OK üppig entlohnt worden war, überwies der DFB noch einmal rund 600 000 Euro an die Franz-Beckenbauer-Stiftung – als Prämie "für acht Jahre ehrenamtliches Wirken im Sinne der WM", wie es in den Unterlagen heißt.
* Mit Höfls Ehefrau Maria Höfl-Riesch bei einer After-Golf-Party im September 2014 in Going bei Kitzbühel.
Von Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt

DER SPIEGEL 19/2018
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