DER SPIEGEL

PersonalienSie hat genug

•  Noch nie saßen so viele Frauen im französischen Parlament wie heute. Seit vergangenem Jahr stellen sie 224 der insgesamt 577 Abgeordneten, ein Rekord. Das reicht aber offenbar immer noch nicht aus, um Sexismus in der Politik einzudämmen. Die Umweltstaatssekretärin Brune Poirson, 35, muss sich nun schon zum zweiten Mal über das Machogehabe mancher Parlamentarier ärgern. Poirson ist typisch für die neue Politikergeneration der Bewegung "La République en Marche" des Präsidenten Emmanuel Macron: Sie ist in Washington geboren, in Südfrankreich aufgewachsen und hat eine internationale Karriere in London, Boston und Neu-Delhi vorzuweisen. Bei den Parlamentswahlen gewann sie als völlig unbekannte Kandidatin gegen den Front National. In der Nationalversammlung muss sie natürlich mit der Kritik der Opposition umgehen, doch manche vergreifen sich dabei in der Ausdrucksweise. Im Februar hatten sich Republikaner bei einer ihrer Reden demonstrativ die Ohren zugehalten. Vor Kurzem rief dann noch der sozialistische Abgeordnete Christian Hutin dazwischen, als sie die Vorgängerregierung kritisierte: "Ce n'est pas vrai, ma poule!" (etwa: "Falsch, mein Schätzchen!"). Hutin musste sich anschließend bei ihr entschuldigen. Mit Sexismus habe das nichts zu tun, verteidigte er sich: "Das sage ich doch zu jedem, ob Junge oder Mädchen." Poirson hat jedenfalls endgültig genug; sie fand das erniedrigend und sei keinesfalls "sein Schätzchen". In Zukunft wolle sie sich so etwas nicht mehr bieten lassen.
Von PE

DER SPIEGEL 25/2018
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