DER SPIEGEL

OZEANIENAustralien als Feuerwehr

Der eine Premierminister, der Fidschianer Mahendra Chaudhry, 57, gilt offiziell als abgesetzt; der andere, der Salomone Bartholomew Ulufa'alu, 55, war zwar am vergangenen Dienstag auf Druck von Rebellen zurückgetreten, amtierte aber weiter - zumindest bis sich sein Parlament zur Machtfrage geäußert hat. Die blutigen Putschversuche auf den Fidschi-Inseln und den Salomonen sind die Fortsetzung eines politischen Flächenbrandes, der in Indonesien und auf den Philippinen begann und immer größere Bereiche der Region erfasst. In beiden pazifischen Inselstaaten geht es auch um ethnische Konflikte: auf Fidschi zwischen eingeborenen Melanesiern und indischstämmigen Bürgern, die zuletzt mit Chaudhry sogar den Regierungschef stellten, auf den Salomonen zwischen Bewohnern zweier Inseln. Auslöser sind ungeklärte Landrechte und wirtschaftliche Engpässe in den ehemals britisch verwalteten Gebieten. Das Mittel der Putschisten ist der Abu-Sayyaf-Guerrilla auf den Philippinen abgeschaut: spektakuläre Geiselnahme, wobei es diesmal die Premiers persönlich traf. Vor allem Australien ist Nutznießer der instabilen Lage; es kann sich weiter als regionale Ordnungsmacht profilieren, zumal salomonische Melanesier gleich nach Ausbruch der Unruhen um ausländische Intervention baten. Eine pazifische Friedenstruppe, deren Mitglieder aus verschiedenen Staaten der Region stammen und die vorwiegend von Canberra finanziert wird, existiert bereits seit vorigem Jahr, wenngleich sie noch nicht sehr schlagkräftig ist.

DER SPIEGEL 24/2000
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