DER SPIEGEL

OZEANIENWarnung vor Gegenwehr

Zweimal bereits wandten sich die Salomonen, der aus 922 Inseln bestehende Südseestaat, wegen einer Eingreiftruppe vergeblich an die Uno. Nun sollen die Nachbarländer unter australischer Führung etwa 2000 Soldaten und Polizisten entsenden, um den seit 1998 von sozialen und ethnischen Unruhen erschütterten Archipel endlich zu befrieden. Die Zustimmung des Parlaments in der Hauptstadt Honiara diese Woche ist nur noch Formsache. Ministerpräsident Allan Kemakeza selbst hatte am 5. Juni in Canberra um Hilfe gebeten; 16 Pazifikstaaten beschlossen jetzt, die anarchischen Zustände für die 500 000 Inselbewohner zu beenden. Der für Ende Juli vorgesehene Militäreinsatz, an dem sich Australien mit 1700 und Neuseeland mit 230 Mann beteiligen wollen, wäre der größte in der Region seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Australiens Premier John Howard rechtfertigt sein Eingreifen mit dem Argument, die Inselgruppe sei womöglich ein Hafen für "Drogenhändler, Geldwäscher und Terroristen". Dabei verunsichert das Land derzeit vor allem ein einzelner Warlord namens Harold Keke, der sich mit seinen Getreuen auf der Hauptinsel Guadalcanal verschanzt hat. Keke werden mindestens 50 Morde und zahlreiche Entführungen zur Last gelegt. Seine Leute brannten Dörfer nieder und beschossen die Residenz des Premiers. Als einziger Milizenführer weigerte Keke sich, einen Waffenstillstand zu unterzeichnen. Australiens Regierung kommt das Hilfsbegehren sehr gelegen. Howard möchte im Südpazifik nur zu gern als Ordnungsmacht auftreten. "Gegenwehr ist Selbstmord", warnte sein Außenminister Alexander Downer die Aufständischen. Um die einstigen "Inseln des Glücks" politisch und wirtschaftlich auf Vordermann zu bringen, veranschlagt das regierungsnahe Institut für Strategische Studien rund zehn Jahre und eine halbe Milliarde Euro.

DER SPIEGEL 28/2003
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