DER SPIEGEL

SÜDPAZIFIKNeuordnung des Hinterhofs

Auf den Salomonen sind vorigen Donnerstag erste Mitglieder einer multinationalen Friedenstruppe eingetroffen. Sie wollen die ethnischen Unruhen beenden und vor allem Rebellenführer Harold Keke ausschalten, der die Insel Guadalcanal, wo auch die Hauptstadt Honiara liegt, teilweise kontrolliert. Ministerpräsident Allan Kemakeza flüchtete zwei Tage vor Eintreffen des australischen Kriegsschiffs HMAS "Manoora" aus Angst vor einer Entführung zeitweilig auf See. Im Rahmen der Operation "Helpem Fren" ("Freundschaftshilfe") werden insgesamt 2225 Soldaten und Polizisten eingesetzt - als Speerspitze 1745 Australier sowie Einsatzkräfte aus Fidschi, Tonga, Samoa, Papua-Neuguinea und Neuseeland. Die salomonische Regierung bat die Interventionsmächte explizit um Hilfe, und das Parlament verabschiedete eigens ein Gesetz, das dem Kommando Immunität garantiert. Der größte Militäreinsatz im Südpazifik seit dem Zweiten Weltkrieg läutet eine neue Ära ein, zumal Australiens Premier John Howard durch jüngste Umfragen in seinem Dominanzstreben bestätigt wird. 59 Prozent seiner Landsleute stimmen der Interventionspolitik zu. Die Regierung in Canberra, die sich als südpazifische Ordnungsmacht sieht, lanciert bereits Pläne für eine Neuordnung ihres Hinterhofs. Der Vorschlag, Regierungsdienste kleiner Staaten Kosten sparend zusammenzulegen, soll beim nächsten Pazifik-Forum in Auckland vom 12. bis 19. August eine zentrale Rolle spielen.

DER SPIEGEL 31/2003
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