DER SPIEGEL

KUWEITRechtlose Beduinen

Minenopfer im Grenzgebiet zum Irak rücken eine bislang weitgehend unbeachtete Bevölkerungsgruppe in den Blickpunkt der Behörden. Es sind einige tausend Beduinen, die sowohl vom Irak als auch von Kuweit als Staatenlose ausgegrenzt, aber diesseits und jenseits der Grenze geduldet wurden. Früher verdingten sich die Halbnomaden bei Baufirmen und den Hafenverwaltungen in Kuweit und Basra als Gastarbeiter, inzwischen leben sie vorwiegend von Schafzucht und Schmuggel. Seit Kuweits Besetzung durch den Irak und dem anschließenden Golfkrieg hat sich ihre Situation verschlechtert. Für die "bidun dschansija" ("ohne Staatsbürgerschaft") ist der zuvor problemlose Grenzübertritt durch neue Befestigungsanlagen inzwischen stark eingeschränkt. Weder in Kuweit noch im Irak dürfen sie Wohnraum mieten. Sie dürfen nicht Auto fahren, und Bidun-Kinder können auch keine öffentlichen Schulen besuchen. Jetzt besitzen die meisten von ihnen Pässe, afghanische, iranische oder libanesische - druckfrisch und gefälscht. Damit werden sie auf einmal gleich doppelt interessant. Al-Qaida-Terrorkommandos werben um die Beduinen als Nachwuchs. Die Regierung Kuweits dagegen möchte die Staatenlosen aus Angst vor Anschlägen am liebsten einbürgern - und zwar möglichst viele und möglichst schnell.

DER SPIEGEL 25/2007
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