DER SPIEGEL

IRANBeben in Teheran

Präsident Mahmud Ahmadinedschad gerät wegen seines antiwestlichen Kurses intern unter Druck. Nachdem Ende vorvergangener Woche sein Atomunterhändler Ali Laridschani zurückgetreten war, häuften sich Hinweise auf heftige Auseinandersetzungen in seinem Machtapparat. Mit Mühe zerstreute er das Gerücht, Außenminister Manutschehr Mottaki werde als nächstes Kabinettsmitglied abdanken. Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei ließ den Präsidenten angeblich herbeizitieren, um ihn zu rügen. Ahmadinedschad klagte über einen "Psycho-Krieg" gegen ihn. Der zurückgetretene Laridschani soll mehrfach versucht haben, den Präsidenten im Streit um die Urananreicherung für die Angebote der internationalen Gemeinschaft zu gewinnen, zuletzt beim Staatsbesuch Wladimir Putins in Teheran. Nun erwägt Laridschani angeblich, bei den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2009 für die gemäßigten Konservativen gegen Ahmadinedschad zu kandidieren. Auch im Parlament stößt dieser zunehmend auf Kritik. Mehr als die Hälfte der Volksvertreter dankte Laridschani in einem offenen Brief für seine konstruktive Arbeit. Die Politiker fürchten, bei den Parlamentswahlen Anfang 2008 für den außenpolitischen Krawallkurs Ahmadinedschads abgestraft zu werden. Erst am Donnerstag verschärften die USA - zum Verdruss der Europäer - im Alleingang die Sanktionen gegen Teheran: Eine Eliteeinheit der Revolutionswächter, deren Mitglieder auch im Irak aufgegriffen wurden, erklärte Washington zur Terrorgruppe, iranische Devisen bei US-Banken sollen eingefroren werden. Unter Hinweis auf "unvorhergesehene Gründe" brach Ahmadinedschad vergangenen Dienstag eine Armenienreise ab. Wie sehr der religiöse Führer dem Präsidenten inzwischen misstraut, zeigte sich auch bei den Nukleargesprächen mit dem EU-Chefdiplomaten Javier Solana in Rom. Dem neuen Unterhändler und engen Ahmadinedschad-Vertrauten Said Dschalili hatte Chamenei einen Aufpasser zur Seite gestellt - seinen neuen Atom-Beauftragten Laridschani.

DER SPIEGEL 44/2007
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