DER SPIEGEL

EVOLUTIONStreit ums Pfauenrad

Er gilt als Ikone der Evolutionsbiologen: der Pfau. Charles Darwin hatte am bunten Pfauenrad seine Theorie der sexuellen Selektion abgeleitet. Doch nun gibt es Streit darum. Denn die japanische Biologin Mariko Takahashi behauptet, dass für Pfauenweibchen bei der Partnerwahl gar nicht die Pracht des Federwerks den Ausschlag gibt. Sieben Jahre lang hat sie 268 erfolgreiche Paarungen beobachtet und keinen Zusammenhang finden können. Ihre Veröffentlichung in "Animal Behaviour" empört nun eingefleischte Darwin-Anhänger, allen voran die britischen, die Kritik an dem Begründer der modernen Evolutionslehre gewöhnlich für so etwas wie Blasphemie halten. "Die Autoren vergessen, dass es in der Vergangenheit drei Studien gegeben hat, die einen Zusammenhang finden konnten", schäumt Marion Petrie von der University of Newcastle in der Zeitschrift "New Scientist". Takahashi kontert, dass nicht etwa das männliche Sexualhormon Testosteron, sondern vielmehr der Mangel an Östrogenen das Wachstum der imposanten Federschleppe befördere: Diese Tatsache werde bislang beständig ignoriert.

DER SPIEGEL 14/2008
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