DER SPIEGEL

INTERNETDarwin für alle

Mit einem beispiellosen Projekt wird die Arbeit des Naturforschers Charles Darwin (1809 bis 1882) gewürdigt: Sämtliche Werke des Begründers der modernen Evolutionstheorie sind jetzt im Internet frei zugänglich (darwinonline.org.uk). Darunter befinden sich zahlreiche bislang kaum bekannte Notizen und Aufzeichnungen - etwa der erste gekritzelte Entwurf seiner Evolutionstheorie aus dem Jahre 1842, Berichte von der Reise auf dem Forschungsschiff "Beagle" - sowie bisher nicht publizierte Manuskripte. Zehntausende Seiten haben die Verantwortlichen der Cambridge University Library für diese Internet-Präsenz zur Verfügung gestellt. "Die Publikationen waren für die Öffentlichkeit immer greifbar - aber auf seine Privatunterlagen hatten bislang nur Gelehrte Zugriff", sagt John van Wyhe, Chef des Projekts. Zudem findet sich in der Fülle der Sammlung allerlei Skurriles, etwa das Kochbuch von Darwins Ehefrau Emma. Auch der Forscher selbst fühlte sich offenbar berufen, ein Rezept für die Zubereitung von Reis aufzuschreiben. Abseits dieser häuslichen Harmlosigkeiten geben einige Dokumente Einblick in manchen Konflikt der Eheleute Darwin. Ob nicht die Eigenschaft des Wissenschaftlers, nichts für wahr zu halten, was nicht bewiesen werden könne, ihn zu sehr in seinem christlichen Glauben erschüttere, fragte etwa Emma in einer besorgten Notiz an ihren Charles.

DER SPIEGEL 17/2008
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