DER SPIEGEL

FERNSEHEN„In mir ist kein Gott“

Sie bekam den Friedensnobelpreis, sie schritt an der Seite des Papstes, sie wurde wie eine Heilige verehrt. Doch die aus Albanien stammende Mutter Teresa, die 1997 in Kalkutta starb und deren 100. Geburtstag am Donnerstag dieser Woche ansteht, litt unter schweren Glaubensanfechtungen. Unter dem Titel "Mutter Teresa - Heilige der Dunkelheit" geht der Film von Maria Magdalena Koller (Sonntag, 10.15 Uhr, ZDF) der Frage nach, warum die rastlose Nonne ihrem geistlichen Begleiter, dem Jesuitenpater Joseph Neuner, Sätze schrieb wie: "In mir ist kein Gott" und "Er will mich nicht". Um es gleich zu sagen: Das Rätsel löst die Autorin nicht. Eine zur Klärung hinzugezogene Psychiaterin deutet den vor der Öffentlichkeit geheimgehaltenen zeitweiligen Glaubensverlust als Burn-out-Phänomen. Anderen Beobachtern fällt Mutter Teresas starke Fixierung auf das Leiden auf, das für die moderne Heilige den einzigen Weg zu Jesus darstellt. So wären ihre inneren Nöte die zusätzliches Leiden schaffende Selbstbestrafung einer extrem Frommen. Wie auch immer - dem Film gelingt es, die historischen Bilder mit den Auftritten der Missionarin an der Elendsfront neu zu sehen, als einen Akt ebenso unheimlicher wie grandioser irdischer Selbstdisziplin.

DER SPIEGEL 34/2010
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