DER SPIEGEL

STARS„Dick, lesbisch, laut „

TV-Komikerin Hella von Sinnen, 52, über ihre Auszeichnung beim Deutschen Comedypreis
SPIEGEL: Vorige Woche wurden Sie für Ihr Lebenswerk geehrt. Kommt das nicht ein bisschen früh?
Sinnen: Ich stehe voll im Saft, bin aber so von mir eingenommen, dass ich sage: Ja, meine vergangenen 25 Jahre Fernsehschaffen sind bereits ein Lebenswerk!
SPIEGEL: Finden Sie es nicht befremdlich, in einer Reihe mit früheren Comedy-Ehrenpreisträgern wie Loriot oder Rudi Carrell zu stehen?
Sinnen: Ist das geil, oder ist das geil? Ich bin der jüngste Ehrenpreisträger - und der erste weibliche. Es ist höchste Zeit, dass da auch mal Frauen an der Reihe sind, denn das Fernsehgeschäft ist immer noch ein Patriarchat. Das sehen Sie schon daran, dass offenbar niemand darüber nachdenkt, der wunderbaren Barbara Schöneberger "Wetten, dass …?" anzubieten. Die einzige Frau, die in Deutschland eine Samstagabend-Show moderiert, ist Carmen Nebel im Zentrum der Finsternis - ZDF. Wie traurig!
SPIEGEL: Bekannt wurden Sie einst durch die RTL-Show "Alles Nichts Oder?!" als Co-Moderatorin von Hugo Egon Balder. Was verdanken Sie ihm?
Sinnen: Er hatte 1988 den Mut zu sagen: Ich nehme diese dicke, lesbische, laute Person an meine Seite.
SPIEGEL: Warum haben Sie beim Comedypreis dann nur sich selbst gedankt?
Sinnen: Das hatte Zeitgründe. Wir wollten alle Pipi machen und hatten furchtbaren Bierdurst.

DER SPIEGEL 43/2011
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