DER SPIEGEL

Kleine Helfer

KLEINE HELFER

Minipferde kommen in der Therapie und als Blindenführer zum Einsatz.
Natürlich sind sie unglaublich niedlich mit ihrer Stupsnase, den großen braunen Augen und dem buschigen Schopf. Wie ein geschrumpftes Shetlandpony wirken die hübschesten Exemplare des American Miniature Horse, wie die Rasse heißt. Zum Knuddeln.
Schlau sind sie außerdem. Katy Smith aus dem britischen Northallerton sagt, ihr Minipferd Monet könne putzen, es hole mit den Zähnen den Lappen aus einer Schüssel und wische damit die Küchenarbeitsflächen. Okay, das Ergebnis sei eine ziemliche Sauerei, "aber er hat die Idee kapiert". Smith hat noch andere XXS-Pferde, die können mit den Zähnen Kleidungsstücke aus der Waschmaschine zerren (wenn auch leider nicht aufhängen) und eine Scheibe Brot in den Toaster stecken (wer auch immer die dann essen will).
Die Minipferde sollen aber gar nicht lernen, den Haushalt zu führen, sondern sie sind Entertainment für Menschen in Pflegeheimen. Für Monets kleinen Kumpel Digby gibt es sogar noch höhere Ziele: Katy Smith macht mit ihm eine Ausbildung zum Blindenführpferd. In den USA sind seit knapp 20 Jahren sogenannte Guide Horses im Einsatz: Cuddles, Ellie, Panda oder Twinkie heißen sie, und sie bringen Kinder zur Schule oder Erwachsene zur Arbeit. Der Vorteil gegenüber Blindenhunden: Sie leben dreimal so lang.
Ansonsten hat so ein Minipferd eigentlich nur Nachteile: Es darf nicht mit ins Restaurant, nicht ins Flugzeug, es ist nicht wirklich stubenrein und muss bei längeren Ausflügen Windeln tragen und außerdem Gummischuhe, weil sonst die Hufe leiden. Es sollte nicht im Haus schlafen, sondern im Stall; tagsüber ist es im Garten besser untergebracht als in der Küche. Weil Pferde Herdentiere sind, braucht es Freunde, also andere Pferde. Und nicht zu vergessen: Pferde fressen 18 Stunden am Tag. Da muss es vor dem Arbeitsplatz also eine Weide geben.
In Deutschland werden Minipferde nur in der Therapie eingesetzt, beispielsweise von der Psychotherapeutin Christiane Schuler im schwäbischen Lauterbach. Minipferde seien clever, sagt auch sie: Sie könnten lernen, Aufzug zu fahren, und seien hilfreich bei der Trauerbegleitung kleiner Kinder. Dass sie lange leben, ist für Schuler kein Argument, die Minis zu Blindenführern auszubilden: "Da könnte man ja auch eine Schildkröte nehmen."
Die ist allerdings nicht ganz so niedlich.
CATERS / BULLS

SPIEGEL WISSEN 5/2017
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