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Formel-1-Pressestimmen nach Monza

"Leclerc schickt Vettel in Rente"

Bei Ferrari scheint der Machtwechsel vollzogen: Nach dem Sieg von Charles Leclerc in Monza feiert die internationale Presse den Monegassen. Sebastian Vettel wird "ein Rennen zum Vergessen" bescheinigt.

DANIEL DAL ZENNARO/EPA-EFE/REX

Sebastian Vettel ist nur noch die Nummer zwei bei Ferrari

Montag, 09.09.2019   12:56 Uhr

Charles Leclerc hat Ferrari beim Großen Preis von Italien den ersten Heimsieg seit 2010 beschert. Wie schon in der Vorwoche im belgischen Spa-Francorchamps siegte der Monegasse vor zwei Mercedes: Valtteri Bottas belegte den zweiten Platz, der WM-Führende Lewis Hamilton komplettierte das Podium als Dritter. Sebastian Vettel erreichte nach einem Fahrfehler und einer Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe nur Platz 13.

Die Pressestimmen:

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Ein riesiges rotes Herz schlägt unter der Tribüne, betrunken vor Glück. Es feiert ein wahnsinniges Rennen, mit dem Ferrari nach neun Jahren Abwesenheit den Champagner im eigenen Wohnzimmer wieder entkorkt. Es bebt für einen heldenhaften Jungen, Charles Leclerc, der in ein Imperium eintritt und sich gegen den silbernen Tiger behauptet, seinen Klauen mit dem frechen Geschick wie Mogli aus dem Dschungelbuch entkommt."

La Stampa: "Der Schwan wurde zum hässlichen Entlein. Vettel hält sich über Wasser, jedes Mal bei Saisonbeginn wittert er die Chance, es zu schaffen: Die Erfolge seines Mentors Michael Schumacher zu erreichen. Die Ankunft des jungen Leclerc hat diese Pläne zerstört."

Corriere della Sera: "Wenn sein süßer Blick, sein zartes Gesicht, durch den Helm verborgen ist, verwandelt er sich, er wird zu einem Monster. Rücksichtslos im Einsatz seiner eigenen Waffen: Stärke, Intelligenz, Entschlossenheit. Charles Leclerc hat sich selbst und einer roten Masse - verrückt vor Freude - eine unvergessliche Feier geschenkt."

Corriere dello Sport: "Leclerc entflammt Monza mit einem Ferrari-Sieg! Ferrari hatte in Monza seit 2010, damals mit Fernando Alonso, nicht mehr gesiegt. Für Sebastian Vettel war es dagegen ein Rennen zum Vergessen."

La Repubblica: "Neun Jahre danach gewinnt Ferrari wieder in Monza. Mit 21 Jahren ist Leclerc der jüngste Sieger in der Geschichte Maranellos und wiederholt seinen Erfolg von der Vorwoche, und dies in seiner ersten Saison am Steuer des Cavallino."

Andrej Isakovic/AFP

Charles Leclerc ist der neue Liebling der Tifosi

SPANIEN

Marca: "Leclerc schickt Vettel mit einem prächtigen Sieg in Monza in Rente. Er ließ damit die Emotionen in Monza explodieren, das seit dem Erfolg von (Fernando) Alonso im Jahre 2010 keinen roten Sieg mehr hatte feiern können. Vettel erlebte nach seinem x-ten nicht erzwungenen Fehler einen weiteren Unglückstag."

Mundo Deportivo: "Ein Giganten-Sieg Leclercs gegen Mercedes in Monza. Wenn jemand noch daran zweifeln sollte, dass der Monegasse das Zeug zum Weltmeister hat und er der derzeitige Ferrari-Anführer ist, sollte er sich den Großen Preis von Italien noch einmal anschauen. Da gibt es nichts mehr zu reden. Spektakulär. Unglaublich."

GROSSBRITANNIEN

The Telegraph: "Leclerc tritt in die Fußstapfen von Alberto Ascari, John Surtees, Michael Schumacher und Fernando Alonso und ist nun der elfte Ferrari-Pilot, der hier gewonnen hat - und das gleich beim ersten Versuch. Die Tifosi haben einen neuen Helden."

The Guardian: "Für Charles Leclerc, der beim Großen Preis von Italien triumphierte, ist es der zweite Sieg, der ihm sicherlich ein Leben lang im Gedächtnis bleiben wird. Die Freude des 21-Jährigen stand ihm ins - noch jungenhafte - Gesicht geschrieben, als er vor einem roten Meer auf dem Podium stand. Die Tifosi feierten mit Farbe, Lärm und, wie man sagen muss, etwas Erleichterung."

ÖSTERREICH

Kronen-Zeitung: "Ferrari-Party!"

Die Presse: "Leclerc erobert die Herzen der Tifosi mit Vollgas. Charles Leclerc schreibt mit dem Gewinn des Monza-GP ein Erfolgskapitel für Ferrari, das Sebastian Vettel für die Scuderia nie vergönnt war."

cev/dpa

insgesamt 18 Beiträge
Stoepse 09.09.2019
1. Vettel, trete noch in Ehren ab.
Die nächste Saison wird nur noch ein Spiessrutenlaufen. Du hat den unbedarften "Biss" der Jugend verloren.
Die nächste Saison wird nur noch ein Spiessrutenlaufen. Du hat den unbedarften "Biss" der Jugend verloren.
Humanfaktor 09.09.2019
2. Wird er nicht können...
... das wäre das Eingeständnis, zu dem er selbst nicht bereit ist. Nico Rosberg war da cooler und klüger, wie sich zeigt. Nichts kann ihm seinen Nimbus als abgetretener Weltmeister nehmen. Vettel dagegen verliert von Rennen zu [...]
... das wäre das Eingeständnis, zu dem er selbst nicht bereit ist. Nico Rosberg war da cooler und klüger, wie sich zeigt. Nichts kann ihm seinen Nimbus als abgetretener Weltmeister nehmen. Vettel dagegen verliert von Rennen zu Rennen immer mehr von dem, was er sich über Jahre aufgebaut hat. Im Grunde ist es tragisch.
tobih 09.09.2019
3. und was...
...wenn Vettel eben noch nicht genug hat und vielleicht noch Spaß empfindet bei dem was er macht? Warum können Sportler nicht für sich selbst entscheiden, wann es genug ist? Vettel wird sicherlich genau so nicht abtreten [...]
...wenn Vettel eben noch nicht genug hat und vielleicht noch Spaß empfindet bei dem was er macht? Warum können Sportler nicht für sich selbst entscheiden, wann es genug ist? Vettel wird sicherlich genau so nicht abtreten wollen. Leclerc hat jetzt genau 2 Rennen Vettel dominiert, davor sah er teilweise aus wie ein Schuljunge (Hockenheim, Spielberg): bei diesen beiden Rennen konnte er glänzen, wobei der Monzasieg nicht ganz astrein und mit einer doch fragwürdigen Fahrweise errungen ist. Ich lehne mich aus dem Fenster: bei Saisonende wird Vettel vor Leclerc platziert sein, eben weil er bei Rennen, wo der Ferrari nicht so gut geht, abgeklärter fährt als Leclerc
Referendumm 09.09.2019
4. Vettel
Vettel ist und bleibt das, was er ist: Der 4-fach Glücks-WM durch Neweys Gnaden. Von Ricciardo noch bei seinem eigenen Siegerteam x-fach förmlich verprügelt, ist er bei Ferrari nur noch der Schatten seiner selbst. Die [...]
Vettel ist und bleibt das, was er ist: Der 4-fach Glücks-WM durch Neweys Gnaden. Von Ricciardo noch bei seinem eigenen Siegerteam x-fach förmlich verprügelt, ist er bei Ferrari nur noch der Schatten seiner selbst. Die Anzahl der Fehler seit über einem Jahr ist schon beinahe Legende. Dreher en gros, Verbremser mit Auffahrunfall, als Führender mal kurz und völlig ungefährdet durch irgendwelche Nachfolger / Konkurrenten seine Karre ins Kiesbett versenkt und so weiter und so fort dilettiert der Seb. sich durch die letzten F1-Jahre. Ach, der braucht ein stabiles Heck? Jou mei, Leclerc ist es egal. Und hatte er nicht Jahre Zeit gehabt, bei den Roten dafür zu sorgen, dass er das Auto bekommt, welches er braucht? Wenn ein Alonso PRO RUNDE x-mal seinen Fahrstil ändern kann (darüber staunte einer seiner Teamkollegen einmal), dann kann das ein immerhin Vierfach-WM nicht? Er ist und bleibt das, was er ist: Ein mäßiger F1-Fahrer, der von den wahren Champions wie Alonso, Hamilton oder jetzt eben Leclerc finster in den Schatten gestellt wird. Seine Rente ist mehr als überfällig.
kohle+reibach 09.09.2019
5. Einmal durchatmen
Ich bin immer froh über Foristen, die mit immensen öffentlichen und teaminternen Druck bei ihrer Arbeit souverän umgehen können und auch ein übermotorisiertes Auto ständig im Grenzbereich bewegen. Solchen [...]
Zitat von ReferendummVettel ist und bleibt das, was er ist: Der 4-fach Glücks-WM durch Neweys Gnaden. Von Ricciardo noch bei seinem eigenen Siegerteam x-fach förmlich verprügelt, ist er bei Ferrari nur noch der Schatten seiner selbst. Die Anzahl der Fehler seit über einem Jahr ist schon beinahe Legende. Dreher en gros, Verbremser mit Auffahrunfall, als Führender mal kurz und völlig ungefährdet durch irgendwelche Nachfolger / Konkurrenten seine Karre ins Kiesbett versenkt und so weiter und so fort dilettiert der Seb. sich durch die letzten F1-Jahre. Ach, der braucht ein stabiles Heck? Jou mei, Leclerc ist es egal. Und hatte er nicht Jahre Zeit gehabt, bei den Roten dafür zu sorgen, dass er das Auto bekommt, welches er braucht? Wenn ein Alonso PRO RUNDE x-mal seinen Fahrstil ändern kann (darüber staunte einer seiner Teamkollegen einmal), dann kann das ein immerhin Vierfach-WM nicht? Er ist und bleibt das, was er ist: Ein mäßiger F1-Fahrer, der von den wahren Champions wie Alonso, Hamilton oder jetzt eben Leclerc finster in den Schatten gestellt wird. Seine Rente ist mehr als überfällig.
Ich bin immer froh über Foristen, die mit immensen öffentlichen und teaminternen Druck bei ihrer Arbeit souverän umgehen können und auch ein übermotorisiertes Auto ständig im Grenzbereich bewegen. Solchen Kommentatoren sei es auch gestattet, hier so einen Beitrag zu schreiben. Ernst nehmen kann man ihn allerdings nicht. Zum Thema: Ja, beim Seb läuft es nicht wirklich gut. Die nassforsche Jugend macht ihm das Leben schwer. Aber auch ein Leclerc wird nicht nächstes Jahr F1 Weltmeister, dazu fehlt die Erfahrung und Cleverness. Sonst wäre der Kollege Verstappen (auch ein "Überflieger") es schon längst. Nur die wenigsten Fahrer haben überhaupt eine Chance auf den Thron, denn dazu gehört mehr als ein paar schnelle Runden zu drehen. Dazu gehört Abstimmungs- und Weiterentwicklungsarbeit, so wie es ein Michael Schumacher konnte. Der Wagen wird nur so gut, wie die Infos des Fahrers für die Ingenieure sind. Vielleicht profitiert Leclerc ja gerade von der Vorarbeit eines Vettel? Die Zeit wird es zeigen. Abschreiben würde ich ihn nicht.

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