Sport

Ferrari-Streitigkeiten in Russland

Wir müssen reden

Sebastian Vettel ist in Sotschi durch einen Defekt ausgeschieden. Bis dahin hat er gezeigt, dass er schneller sein kann als sein Teamrivale Charles Leclerc. Ferrari muss klären, wie sie mit der Rivalität umgehen.

Angela Baldo/ ZUMA Wire/ DPA

Sebastian Vettel tritt ab. Im Hintergrund sein defekter Ferrari

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Sonntag, 29.09.2019   18:49 Uhr

Szene des Rennens: Runde 28, der rote Ferrari mit der Nummer fünf rollte langsam in die Auslaufzone des Sochi Autodroms. Sebastian Vettel stieg aus seinem Auto. Der Große Preis von Russland war damit beendet für Vettel - der bis dahin ziemlich viele gute Chancen gehabt hatte: Darauf, die ewige Mercedes-Dominanz auf der Strecke zu brechen. Darauf, das Rennen zu gewinnen. Darauf, den vierten Ferrari-Erfolg in Serie einzufahren. Und vor allem darauf bis zur Ziellinie zu zeigen, dass er seinem viel gelobten Konkurrenten, Teamkollege Charles Leclerc, sportlich etwas entgegenzusetzen hat.

Das Ergebnis: Und dann gewann Lewis Hamilton. Zum fünften Mal auf der Strecke, die erst seit 2014 im Rennkalender steht. Den technischen Defekt an Vettels Ferrari und die anschließende Safety-Car-Phase nutzte Mercedes, um sich nach drei nicht gewonnenen Rennen in Folge mit einem Doppelsieg zurückzumelden. Hier geht es zum Rennbericht.

Furiose erste Rennhälfte: Vom Start weg sah es gut aus für Ferrari. Vettel überholte beim Erlöschen der Ampeln erst den Briten im Mercedes und dann seinen Teamkollegen. Auch beim fliegenden Start nach einer kurzen Safety-Car-Phase in Runde vier behauptete er sich gegen Leclerc und hatte als Erster im Feld 15 Runden später bereits rund vier Sekunden Vorsprung auf den Monegassen. Wenig später wurde klar, dass Leclerc Vettel beim Start via Team-Order Windschatten geben sollte, um Hamilton überholen zu können. Führe Vettel auch an Leclerc vorbei, sollte es wenig später einen Rücktausch geben, doch den verweigerte Vettel. Er fuhr die schnellsten Zeiten und der Abstand von Hamilton auf Leclerc sei zu gering. Ferrari verschob den Platztausch.

Teaminterne Rivalität: Taktik und Technik, das waren in dieser Saison schon häufig die Gründe, durch die die Scuderia Punkte verloren hat. Nun kam erneut die Rivalität beider Fahrer hinzu. Leclerc fühlte sich abermals benachteiligt, nachdem sich Ferrari in Singapur für Vettel entschieden hatte. Doch der steht weiterhin unter Zugzwang und muss seine Position teamintern verteidigen. Durch zahlreiche schnellste Runden in Russland hatte er gute Argumente dafür. Bis er sein Auto auf Anweisung des Teams abstellte.

AFP/Dimitar DILKOFF

Schwer zu sagen, ob sich Lewis Hamilton (links) vor Freude oder Anstrengung die Hand vor's Gesicht hält. Charles Leclercs Mimik ist einfacher zu deuten: "Schade für das Team, das zweite Auto nicht hier zu haben", sagte er

Wir müssen reden: Die Erklärung von Teamchef Mattia Binotto zur Absprache nach dem Rennen wirkte kryptisch: "Wir haben ihm gesagt, er soll die Position bitte zurückgeben, aber er war da gerade schneller. Wir haben dann gesehen, dass die beiden gleich schnell waren, und haben ihn vorne gelassen." Ob es ohne technischen Defekt zum Doppelsieg gereicht hätte, ist Spekulation. Gezeigt haben die Funksprüche, dass Vettel sich gegenüber Leclerc behaupten kann und will und dass der Rennstall klären muss, wie er den Zwist beizulegen gedenkt. Beide Fahrer sagten nach dem Rennen, sie wollten alles weitere "intern regeln".

Kuschel-Dominator: Nach so viel Zwist und Enttäuschung wollen wir Ihnen einen Blick in harmonischere Gefilde nicht vorenthalten. Schauen wir zu Mercedes. Hamilton sagte nach dem Rennen: "Ein unglaublicher Job des ganzen Teams (…) Besonders, wenn wir schauen, wie schnell Ferrari war. Da dranzubleiben war schwierig." In Sotschi ist Mercedes ohnehin nicht zu schlagen, seine WM-Führung konnte der Weltmeister auch weiter ausbauen, da kann man schon mal eine Matrjoschka-Puppe beschmusen:

Team des Tages (abseits von Mercedes): Fahrer des Tages gemäß offiziellem F1-Voting? Sebastian Vettel. Team des Tages? Klar, die Doppelsieger und Dauergewinner in Russland, Mercedes. Für eine überzeugende Leistung sorgten aber auch die Red-Bull-Fahrer Max Verstappen und Alexander Albon. Der Niederländer fuhr von Platz neun (auf den er wegen eines Motorwechsels strafversetzt worden war) auf Rang vier vor. Einen noch größeren Sprung machte Teamkollege Albon. Der 23-Jährige musste nach einem Crash im Qualifying aus der Boxengasse starten und beendete das Rennen auf Platz fünf.

Schumacher-Vergleich mal anders: Erst gestern hatten die Tifosi Leclerc bejubelt, dem es nach 19 Jahren erstmal seit Michael Schumacher wieder gelang, vier Polepositions in Folge für Ferrari zu erfahren. In Russland ist eine weitere Bestmarke des Rekordweltmeisters gefallen. Hamilton ist nun der Fahrer, mit den meisten Formel-1-Grand-Prix, in denen er mindestens eine Runde geführt hat:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Textversion hieß es, es sei offen, ob Leclerc im Rennverlauf wieder an Vettel herangefahren wäre. Tatsächlich hatte er Vettel zu diesem Zeitpunkt bereits überholt.

insgesamt 69 Beiträge
Nonvaio01 29.09.2019
1. ja intern
werden die das Klaeren.
werden die das Klaeren.
noalk 29.09.2019
2. Kann mir das jemand erklären?
Dass Vettel sein Fahrzeug neben der Strecke abstellte, führte zu einer Safety-Car-Phase. Vettel gab nach dem Rennen an, wegen Batterieproblemen habe das Auto ca. 160 PS Leistung verloren. Warum ist er nicht mit den paar weniger [...]
Dass Vettel sein Fahrzeug neben der Strecke abstellte, führte zu einer Safety-Car-Phase. Vettel gab nach dem Rennen an, wegen Batterieproblemen habe das Auto ca. 160 PS Leistung verloren. Warum ist er nicht mit den paar weniger PS dennoch bis zur Box gefahren?
jesse01 29.09.2019
3. war nicht so gedacht mit Leclerc
das hat Ferrari so nicht beabsichtigt. ursprünglich sollte Leclerc ein Jahr als Rookie von Vettel lernen, der unbestritten Nr. 1 ist. nun ist Leclerc aber schneller als Vettel, was niemand mehr bestreiten kann. somit hat Ferrari [...]
das hat Ferrari so nicht beabsichtigt. ursprünglich sollte Leclerc ein Jahr als Rookie von Vettel lernen, der unbestritten Nr. 1 ist. nun ist Leclerc aber schneller als Vettel, was niemand mehr bestreiten kann. somit hat Ferrari ein Problem, was so nie erwartet wurde. jetzt hat man das Problem keine eindeutige Nr. 1 zu haben, und es kommt zu solchen Missverständnisen in der Strategie, denn natürlich ist immer einer unzufrieden. und eine klare nr1 kann und will Ferrari nicht festlegen. wie denn auch, ohne die Fahrer zu verprellen, gerade bei Leclerc s Leistungen mit vier Poles. ganz schwierig für Ferrari. Mercedes freut sich, denn da hat bottas als gleichschneller Fahrer im Vergleich zu Hamilton dennoch nichts zu melden !
Freiheit für Europa 29.09.2019
4. Vettel hat zurecht zurücksabotiert
Was Ferrari sich heute gegen Vettel geleistet hat, ist allerhand. Ich wette, Vettel wird auch in Zukunft nach Benachteiligungen den Wagen sabotieren oder gegen die Wand fahren, nur um Ferrari so sehr zu schaden, daß sie viele, [...]
Was Ferrari sich heute gegen Vettel geleistet hat, ist allerhand. Ich wette, Vettel wird auch in Zukunft nach Benachteiligungen den Wagen sabotieren oder gegen die Wand fahren, nur um Ferrari so sehr zu schaden, daß sie viele, viele Millionen verlieren, indem sie nicht einmal mehr zweiter in der Teammeisterschaft werden.
s.l.bln 29.09.2019
5. Ferrari hat gefunkt...
...daß er es abstellen soll. Das war nicht seine Entscheidung.Falls es nicht aus Sicherheitsgründen nötig war, war das eine ziemlich fatale Entscheidung.
Zitat von jesse01das hat Ferrari so nicht beabsichtigt. ursprünglich sollte Leclerc ein Jahr als Rookie von Vettel lernen, der unbestritten Nr. 1 ist. nun ist Leclerc aber schneller als Vettel, was niemand mehr bestreiten kann. somit hat Ferrari ein Problem, was so nie erwartet wurde. jetzt hat man das Problem keine eindeutige Nr. 1 zu haben, und es kommt zu solchen Missverständnisen in der Strategie, denn natürlich ist immer einer unzufrieden. und eine klare nr1 kann und will Ferrari nicht festlegen. wie denn auch, ohne die Fahrer zu verprellen, gerade bei Leclerc s Leistungen mit vier Poles. ganz schwierig für Ferrari. Mercedes freut sich, denn da hat bottas als gleichschneller Fahrer im Vergleich zu Hamilton dennoch nichts zu melden !
...daß er es abstellen soll. Das war nicht seine Entscheidung.Falls es nicht aus Sicherheitsgründen nötig war, war das eine ziemlich fatale Entscheidung.

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