Sport

Pressestimmen zur Formel 1 in Japan

"100 Meter als Dilettanten"

Sebastian Vettel wurde überholt, Charles Leclerc verursachte einen Unfall. Für Ferrari war das Rennen direkt nach dem Start schon gelaufen. In Italien verzweifeln die Medien an der Scuderia.

Charles Coates/Getty Images

Charles Leclerc "muss die erste schlechte Note der Saison einstecken"

Montag, 14.10.2019   10:13 Uhr

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "In Suzuka schreibt Mercedes Geschichte, eine Geschichte, die ganz aus Silber ist. Applaus für dieses außerordentliche Team unter der Leitung von Toto Wolff. Vettel verschwendet seine Poleposition. Mercedes ist stark, doch Ferrari hat ihm das Leben leicht gemacht."

Corriere dello Sport: "Bottas ist der beste Pilot in Suzuka. In Japan zeigt er Killerinstinkt von Anfang an. Er ist der einzige, der in der Lage ist, Hamilton im Rennen um den Titel noch Konkurrenz zu machen. Die Ferrari-Piloten werfen das positive Qualifying mit einem Start voller Fehler weg. Aber die Ferrari-Techniker haben Wunder bewirkt. Sie haben einen Boliden mit unberechenbarem Verhalten in eine gefährliche Waffe verwandelt, die leicht die Poleposition erobern kann."

La Repubblica: "Harakiri Ferrari. Leclerc muss die erste schlechte Note der Saison einstecken, was beweist, dass auch dieses junge Talent ein Mensch ist."

Corriere della Sera: "Ferrari ruiniert alles, Mercedes steckt den Titel ein. Es ist, als hätte Ferrari ein erfolgreiches Los mit eigenen Händen zerrissen. Der Mangel an Klarheit bei Leclerc überrascht: Technisches Kapital ist von den Piloten verschwendet worden. 100 Meter als Dilettanten löschen bei Ferrari das Licht aus."

La Stampa: "Mercedes bestätigt sich als Herr der Hybrid-Ära. Das Team hat einen Berg bestiegen und mit zwölf Titeln in sechs Jahren Ferraris Rekord übertroffen. Leclerc hat seinen schlechtesten Tag seit dem Wechsel zu Ferrari erlebt, während Vettel nach seiner fantastischen Pole einen schrecklichen Start hinlegte. Wie vor einem Jahr muss Ferrari um seine ungenutzten Gelegenheiten trauern. Binotto fordert ein perfektes Team, man hofft, dass es dazu im nächsten Jahr kommt."

ENGLAND

Telegraph: "Lewis Hamilton fürchtet, dass er auf seine sechste Weltmeisterschaft warten muss, nachdem er Mercedes vorgeworfen hat, ihm den Sieg in Japan genommen zu haben. Die Chancen des Briten, die Meisterschaft ein drittes Jahr in Folge in Mexiko-Stadt zu gewinnen, wären in der Tat größer gewesen, wenn nicht eine fragwürdige Strategieentscheidung getroffen worden wäre - eine, die Hamilton im Funk mit dem Wort 'verdammt' quittierte."

Sun: "Hamilton kann zwar in zwei Wochen eine sechste Krone in Mexiko erringen, wenn er 14 Punkte mehr sammelt als Bottas. Aber obwohl Mercedes den sechsten Fahrer- und Herstellertitel in Folge sicher hat, war der Brite über die strategischen Entscheidungen seines Teams in Suzuka sichtlich verärgert."

Mail: "Süß und sauer. Hamilton zwang sich, so gut wie es seine grüblerische Stimmung zuließ, zu einem Lächeln, als 'We Are The Champions' geschmettert wurde. Hut ab vor Mercedes, das zum sechsten Mal in Folge den Konstrukteurstitel gewonnen hat. Aber der Moment des kollektiven Ruhms wurde getrübt durch die lauten Zweifel des Mercedes-Stars an der Strategie, die ihn den möglichen Sieg beim Großen Preis von Japan kostete. Er verbrachte das Rennen damit, Fragen zur zweifelhaften Taktik zu stellen, und dachte immer noch darüber nach, als die Motoren schon abgestellt waren und die Champagnerkorken knallten."

Mirror: "Lewis Hamilton macht Mercedes mit überpiepten Beschimpfungen Vorwürfe nach dem Scheitern beim Großen Preis von Japan. Hamilton warf Mercedes vor, ihm den Sieg verwehrt zu haben, bevor er mit seinem Team auf das sechste WM-Doppel in Folge anstieß."

SPANIEN

Marca: "Bottas klaut Ferrari beim Start die Brieftasche. Vettel wird Zweiter, weil er den Start vergeigt. Er hielt bis zum Ende den Angriffen Hamiltons stand, das muss man ihm hoch anrechnen. Für Vettel ist momentan jeder Sieg über Leclerc wichtiger als alles andere."

Sport: "Der Taifun in Suzuka war Bottas bei einem weiteren Debakel von Ferrari. Vettel blieb beim Start stecken. Leclerc baut einen Unfall gegen Verstappen, es war nicht sein Tag. Für Lewis Hamilton läuft trotzdem alles nach Plan, in Mexiko könnte er sich zum Weltmeister krönen. Kein Doppelsieg für Ferrari, am Ende wurde es ein Sandwich für Vettel, flankiert von den beiden Silberpfeilen. Der Kampf zwischen Sebastian und Lewis war spektakulär."

El Mundo Deportivo: "Bottas kann sich bei Ferrari bedanken. Wie kann einem Sebastian Vettel nur so etwas beim Start passieren? Er hat sich mit dem verkorksten Start selber um den Sieg gebracht. Es machte Spaß, sich Vettel und Hamilton in den letzten Runden anzuschauen. Für Hamilton ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann er den sechsten WM-Titel einfährt."

FRANKREICH

L'Equipe: "Ein weiterer Titel für die Firma mit den sechs Sternen. Mercedes gewann mit Bottas den sechsten Konstrukteurstitel in Folge, nachdem Ferrari erneut den roten Teppich ausgerollt hatte. Diesmal wegen seiner Piloten."

SCHWEIZ

NZZ: "Mercedes siegt mit einem sechsten Sinn. Wie schnell sich im Großen Preis von Japan auch die sportlichen Wetteraussichten ändern können, musste Sebastian Vettel feststellen: Erst brach der Ferrari-Fahrer den Fluch der Qualifikationsniederlagen gegen den Teamkollegen Charles Leclerc durch seine zweite Poleposition des Jahres, dann legte er einen klassischen Fehlstart hin - und machte Mercedes zum sechsten Mal in Folge zum Konstrukteursweltmeister."

ÖSTERREICH

Kronen Zeitung: "Dem Regenbad vom Samstag folgte die Champagnerdusche für Mercedes in Suzuka! Sieg für Valtteri Bottas, Platz drei für Lewis Hamilton - damit steht fest, dass die Silberpfeile als erstes Team der Formel-1-Geschichte sechsmal in Serie beide WM-Titel gewonnen haben. Teamchef Wolff: 'Das ist für Niki!'"

Zusammengestellt vom sid

insgesamt 11 Beiträge
stefan.seis 14.10.2019
1. So sympathisch ich Sebastian Vettel finde...
er ist halt leider kein Michael Schumacher. Und das ist weniger ein Problem fahrerischen Talents, wie die tolle Pole zeigte, sondern ein Problem des schwachen Nervenkostüms, wie der Fehler am Start belegt, der ihn wieder einmal [...]
er ist halt leider kein Michael Schumacher. Und das ist weniger ein Problem fahrerischen Talents, wie die tolle Pole zeigte, sondern ein Problem des schwachen Nervenkostüms, wie der Fehler am Start belegt, der ihn wieder einmal einen Sieg kostete. Wo Schumacher eiskalt zuschlug, manchmal am Rande des Erlaubten und auch darüber hinaus, spielen Vettel immer öfter die Nerven einen Streich. Gegen Mercedes und Hamilton kann man sich solche Aussetzer nicht leisten, deswegen Glückwunsch an beide zum verdienten Meistertitel, auch wenn die Fahrerwertung theoretisch noch offen ist.
Erika.Mustermann@spon.de 14.10.2019
2.
Sehe ich anders. Vettel war, wie Schumacher zu Beginn, eine Abwechslung unter den Fahrern. Sympathisch, freundlich und immer gut gelaunt. Beide wurde mit dem Erfolg zusehends egoistischer, unsportlicher und grob [...]
Zitat von stefan.seiser ist halt leider kein Michael Schumacher. Und das ist weniger ein Problem fahrerischen Talents, wie die tolle Pole zeigte, sondern ein Problem des schwachen Nervenkostüms, wie der Fehler am Start belegt, der ihn wieder einmal einen Sieg kostete. Wo Schumacher eiskalt zuschlug, manchmal am Rande des Erlaubten und auch darüber hinaus, spielen Vettel immer öfter die Nerven einen Streich. Gegen Mercedes und Hamilton kann man sich solche Aussetzer nicht leisten, deswegen Glückwunsch an beide zum verdienten Meistertitel, auch wenn die Fahrerwertung theoretisch noch offen ist.
Sehe ich anders. Vettel war, wie Schumacher zu Beginn, eine Abwechslung unter den Fahrern. Sympathisch, freundlich und immer gut gelaunt. Beide wurde mit dem Erfolg zusehends egoistischer, unsportlicher und grob unsympathisch. Aber während Schumacher damit verbissener kämpfte - wurde Vettel zum ständig jammernden Nervenbündel.
Intelligenz? Wo? 14.10.2019
3. Auch nur die halbe Wahrheit
Ja Schumacher war eine Ausnahme, und ja er hat immer sehr verbissen gekämpft, später auch sehr oft in Grauzonen. Aber Fehler hat auch Schumacher zu genüge gemacht, und das nicht nur am Anfang seiner Karriere. Ja Vettel [...]
Zitat von Erika.Mustermann@spon.deSehe ich anders. Vettel war, wie Schumacher zu Beginn, eine Abwechslung unter den Fahrern. Sympathisch, freundlich und immer gut gelaunt. Beide wurde mit dem Erfolg zusehends egoistischer, unsportlicher und grob unsympathisch. Aber während Schumacher damit verbissener kämpfte - wurde Vettel zum ständig jammernden Nervenbündel.
Ja Schumacher war eine Ausnahme, und ja er hat immer sehr verbissen gekämpft, später auch sehr oft in Grauzonen. Aber Fehler hat auch Schumacher zu genüge gemacht, und das nicht nur am Anfang seiner Karriere. Ja Vettel zeigt in den letzten 2-3 Jahren das er nicht dieser Eiskalte Killer ist den sich die Leute zusammen geträumt haben. Aber ob er objektive betrachtet tatsächlich so schlecht ist wie er hier in den Kommentaren und von den Journalisten geredet wird. Das darf sehr bezweifelt werden. Ferrari war die hälfte der Saison nicht konkurenzfähig. Und jetzt da sie ein Auto haben mit dem sie auf allen Strecken die Chance haben zu gewinnen, ist die Saison trotzdem schon gelaufen. Wären wir gerade beim 5ten Rennen und nicht beim 17ten wäre das ganze wenigstens noch von belang. Die Saison 2019 war schon vor der Sommerpause entschieden, das Ferrari jetzt ein paar rennen gewinnen konnte is nett. Bringt aber nichts, wenn sie zum start nächstes Jahr nicht direkt so ein Auto hinstellen, kann Vettel oder Leclerc so gut oder schlecht sein wie sie wollen. Da erging es auch Schumacher damals nicht anders. Außerdem, er hat Platz 2 gegen Hamilton verteidigt, ein paar Runden lang. Hätte er da den Wagen in den Sand gesetzt, könnte ich sogar noch verstehen das die Leute zweifeln das er es noch in sich hat. Aber wegen eines kleinen fehlers am start, der leider sehr teuer war? Shit happens, würde Vettel sich darüber so viele gedanken machen wie es hier viele tun, hätte er keine Zeit mehr Rennen zu fahren
mhuz 14.10.2019
4.
Unter Schumacher, gab es Zeiten, da stand das Auto an der Box und die Reifen fehlten, Massa mußte vor der Ziellinie abbremsen, damit Schumacher siegen konnten und Villeneuve fuhr er ins Auto. Ein Verstappen kann noch so gut [...]
Unter Schumacher, gab es Zeiten, da stand das Auto an der Box und die Reifen fehlten, Massa mußte vor der Ziellinie abbremsen, damit Schumacher siegen konnten und Villeneuve fuhr er ins Auto. Ein Verstappen kann noch so gut Autofahren, wenn er nicht mal ein schnelleres Auto bekommt, wird er nie Weltmeister. In einem Rennen gibt es mindestens 15 Fahrer, die hätten Siegen können, wenn sie ein Mercedes gehabt hätten. Für die Spannung in der Formel 1 hat der Richtige gewonnen. 14 Punkte kann Bottas mit einem Mercedes noch gut einholen .
Erika.Mustermann@spon.de 14.10.2019
5.
Die Serie der Fehler begann aber im Spätsommer 2018 - und war sicher nicht auf der Seite Ferraris zu suchen. Die Letzten sind erst wenige Wochen her ... In den einschlägigen Foren (und natürlich der ital. Press) waren die [...]
Zitat von Intelligenz? Wo?Ja Schumacher war eine Ausnahme, und ja er hat immer sehr verbissen gekämpft, später auch sehr oft in Grauzonen. Aber Fehler hat auch Schumacher zu genüge gemacht, und das nicht nur am Anfang seiner Karriere. Ja Vettel zeigt in den letzten 2-3 Jahren das er nicht dieser Eiskalte Killer ist den sich die Leute zusammen geträumt haben. Aber ob er objektive betrachtet tatsächlich so schlecht ist wie er hier in den Kommentaren und von den Journalisten geredet wird. Das darf sehr bezweifelt werden. Ferrari war die hälfte der Saison nicht konkurenzfähig. Und jetzt da sie ein Auto haben mit dem sie auf allen Strecken die Chance haben zu gewinnen, ist die Saison trotzdem schon gelaufen. Wären wir gerade beim 5ten Rennen und nicht beim 17ten wäre das ganze wenigstens noch von belang. Die Saison 2019 war schon vor der Sommerpause entschieden, das Ferrari jetzt ein paar rennen gewinnen konnte is nett. Bringt aber nichts, wenn sie zum start nächstes Jahr nicht direkt so ein Auto hinstellen, kann Vettel oder Leclerc so gut oder schlecht sein wie sie wollen. Da erging es auch Schumacher damals nicht anders. Außerdem, er hat Platz 2 gegen Hamilton verteidigt, ein paar Runden lang. Hätte er da den Wagen in den Sand gesetzt, könnte ich sogar noch verstehen das die Leute zweifeln das er es noch in sich hat. Aber wegen eines kleinen fehlers am start, der leider sehr teuer war? Shit happens, würde Vettel sich darüber so viele gedanken machen wie es hier viele tun, hätte er keine Zeit mehr Rennen zu fahren
Die Serie der Fehler begann aber im Spätsommer 2018 - und war sicher nicht auf der Seite Ferraris zu suchen. Die Letzten sind erst wenige Wochen her ... In den einschlägigen Foren (und natürlich der ital. Press) waren die Reaktionen eindeutig: Kritik und zum Teil bitterböser Spott.

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