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Großer Preis von Aserbaidschan

Reifenlotto statt Straßenschluchtenchaos

Der schnelle und enge Stadtkurs in Aserbaidschan ist prädestiniert für Unfälle und unklare Rennverläufe. Eigentlich. In dieser Formel-1-Saison entschied die Strategie das Rennen - und die Dominanz von Mercedes.

Getty Images

Sebastian Vettel beim Boxenstopp in Baku

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Sonntag, 28.04.2019   18:07 Uhr

Der Crash des Rennens: Nach den chaotischen Szenen im vergangenen Jahr, dem fliegenden Gullydeckel im freien Training und der Kollision von Charles Leclers Ferrari mit der Fahrbahnbegrenzung im Qualifying musste man in den engen Kurven von Baku mit dem schlimmsten rechnen - aber es blieb vergleichsweise harmlos. Für den einzigen Aufreger sorgte Daniel Ricciardo. Der Renault-Fahrer verbremste sich in der Kurve, musste in die Notfallgasse fahren und drängte den neben ihm fahrenden Daniil Kvyat im Toro Rosso ab. Aber nicht nur das, beim Rückwärtsfahren rammte er das Auto des Russen. "Ich habe vielleicht ein bisschen Panik bekommen", erklärte Ricciardo, der das Rennen nicht beenden konnte.

Startaufstellung (Top Ten): Bottas - Hamilton - Vettel - Verstappen - Pérez - Kvyat - Norris - Leclerc - Sainz - Ricciardo

Das Ergebnis: Startplatz eins in Baku sei nicht so wichtig, wurde vor dem Rennen prognostiziert, schließlich hat in dieser Saison noch kein Fahrer, der von der Pole gestartet war, am Ende auch gewonnen. Valtteri Bottas interessierte das nicht, der Finne feierte einen Start-Ziel-Sieg vor Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton. Sebastian Vettel wurde Dritter vor Max Verstappen. Hier geht's zum Rennbericht.

Die Startphase: Die Mercedes-Piloten lieferten sich nach dem Start ein Duell um die Führung, Bottas behauptete sich gegen Hamilton, der ihn in den ersten Kurven innen zu überholen versuchte. Vettel verteidigte seinen dritten Platz, hatte in Runde drei aber bereits zwei Sekunden auf Hamilton verloren. Leclerc, der nach seinem Unfall im Qualifying von Platz acht und als einziger auf den härteren Medium-Reifen losfuhr, verlor beim Start zunächst zwei Positionen.

Die Aufholjagd des Charles Leclerc: Der junge Monegasse begann ab Runde vier, sich beharrlich nach vorne vorzuarbeiten: In Runde zehn kassierte er Verstappen und fuhr auf Rang vier, bevor er an seinem vor ihm fahrenden Teamkollegen vorbeigezogen wäre, holte Ferrari Vettel früh in die Box (Runde elf). Nach den Stopps der beiden Mercedes führte Leclerc das Feld an. Zwischenzeitlich hatte der Monegasse mehr als zehn Sekunden Vorsprung auf Bottas. Alle Fahrer der Spitzengruppe hatten zu diesem Zeitpunkt alle schon die Box besucht.

ZURAB KURTSIKIDZE/EPA-EFE/REX

Charles Leclerc während des Rennens auf dem Baku City Circuit

Das Durchreichen des Charles Leclerc: Wenig später schien der Zenit von Leclercs Reifen verbraucht. Er schaffte keine 1,46er-Rundenzeiten mehr, im Gegensatz zu den Mercedes, die den Vorsprung des Ferrari kontinuierlich abbauten. In Runde 31 war dieser vollends aufgebraucht, Bottas und Hamilton passierten den Ferrari, auch Teamkollege Vettel fuhr vorbei. Erst in der 35. von 51 Runden holte die Scuderia Leclerc in die Box. Er kam er auf Platz sechs hinter Pierre Gasly wieder auf die Strecke.

In Zeiten der Haltbarkeit: Sah es durch die frühen Stopps zunächst so aus, als würden sowohl Vettel als auch die Mercedes ein zweites Mal in die Box fahren, um die Reifen zu wechseln, war am Ende Leclerc der einzige Fahrer der beiden Top-Teams, der zwei mal wechselte. Die virtuelle Safety-Car-Phase nach dem Ausfall von Gasly (Runde 40) mag zur Schonung der Pneus beigetragen haben. Leclerc holte sich kurz vor Schluss frische Reifen, um sich die schnellste Rennrunde und den dafür vorgegebenen Extrapunkt zu sichern. Gaslys Ausscheiden bescherte ihm zudem den fünften Platz. Trostpreise.

Gullydeckel und Luftballons: In Aserbaidschan hat man Probleme mit Gegenständen auf der Fahrbahn. Nach dem sich gelösten Gullydeckel aus dem Qualifying sorgten gelb-schwarze Luftballons während des Rennens für Erheiterung in den sozialen Medien:

Die WM-Wertung: Sieht auf den ersten sechs Plätzen genauso aus wie das Rennergebnis in Baku. Bottas führt nach seinem zweiten Saisonsieg mit einem Punkt vor Hamilton (86 Punkte). Danach folgen Vettel (52), Verstappen (51) und Leclerc (47). Mercedes liegt nach dem vierten Doppelsieg im vierten Rennen in der Teamwertung bereits mit 74 Punkten Vorsprung vor der Scuderia.

insgesamt 8 Beiträge
vhn 28.04.2019
1. Startaufstellung vs Zieldurchfahrt
Fällt was auf? Nein? Genau. Mir auch nicht (zumindest auf den vorderen Plätzen). Formel langweilig. Gähn...
Fällt was auf? Nein? Genau. Mir auch nicht (zumindest auf den vorderen Plätzen). Formel langweilig. Gähn...
inge-p.1 28.04.2019
2.
So spannend wird wohl diese Saison wohl auch nicht. Entweder gewinnt Mercedes oder es gewinnt Mercedes. Spannender aber sind die hier erscheinenden Wiederbelebungsartikel, die immerwieder Vettel als Favoriten sehen, obwohl er [...]
So spannend wird wohl diese Saison wohl auch nicht. Entweder gewinnt Mercedes oder es gewinnt Mercedes. Spannender aber sind die hier erscheinenden Wiederbelebungsartikel, die immerwieder Vettel als Favoriten sehen, obwohl er sich immermehr in der Belanglosigkeit fährt.
descartes 28.04.2019
3.
Naja, etwas weniger oberflächlich betrachtet hat Leclerc, durch seinen Unfall im Qualifying, Vettels Rennen gestern bereits beerdigt, indem er ihn dadurch zwang sich auf rot zu qualifizieren. Andernfalls hätte er zumindest [...]
Zitat von inge-p.1So spannend wird wohl diese Saison wohl auch nicht. Entweder gewinnt Mercedes oder es gewinnt Mercedes. Spannender aber sind die hier erscheinenden Wiederbelebungsartikel, die immerwieder Vettel als Favoriten sehen, obwohl er sich immermehr in der Belanglosigkeit fährt.
Naja, etwas weniger oberflächlich betrachtet hat Leclerc, durch seinen Unfall im Qualifying, Vettels Rennen gestern bereits beerdigt, indem er ihn dadurch zwang sich auf rot zu qualifizieren. Andernfalls hätte er zumindest wohl eine bessere Chance im Rennen gehabt.
TS_Alien 28.04.2019
4.
Sportlich ist die F1 tot. Wenn eine Rennserie so etwas wie DRS nötig hat, dann sind die Autos falsch konstruiert. Im Motorsport möchte man die typischen Überholmanöver sehen, bei denen z.B. der Überholte anschließend kontern [...]
Sportlich ist die F1 tot. Wenn eine Rennserie so etwas wie DRS nötig hat, dann sind die Autos falsch konstruiert. Im Motorsport möchte man die typischen Überholmanöver sehen, bei denen z.B. der Überholte anschließend kontern kann. Mit DRS ist das nicht möglich. Auch sind die F1-Autos mittlerweile viel zu unterschiedlich in ihren Leistungen. Im Moment kann nur noch ein Team gewinnen. Alle anderen fahren hinterher. Ich schaue mir nur noch den Start an. Danach kann man sich das Gekurve der fahrenden Werbebanden sparen.
wi_hartmann@t-online.de 28.04.2019
5. Fade und langweilig
Diese noch unter Sport geführte Veranstaltung hat mit Sport im eigentlichen Sinn nichts gemein. Eine Serie für gelangweilte Scheichs und Despoten. Für RTL wird sich bald die Frage, ob nicht sie, sondern die Veranstalter [...]
Diese noch unter Sport geführte Veranstaltung hat mit Sport im eigentlichen Sinn nichts gemein. Eine Serie für gelangweilte Scheichs und Despoten. Für RTL wird sich bald die Frage, ob nicht sie, sondern die Veranstalter dieser Show für die Übertragung bezahlen sollen. Die eingeblendeten Werbespots, sagen eher dass man deren Produkte nicht kaufen sollte.

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