Sport

Formel 1

Hamilton siegt mit Vettels Hilfe in Russland

Sebastian Vettel sah die Zielflagge in Russland nicht - und doch war er einer der Hauptdarsteller: Er brach eine Absprache mit Teamkollege Leclerc und ermöglichte Lewis Hamilton mit seinem Ausfall den Sieg.

Maxim Shemetov/REUTERS

Lewis Hamilton feierte den ersten Sieg seit der Sommerpause

Sonntag, 29.09.2019   14:47 Uhr

Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Russland in Sotschi gewonnen. Der Brite baute seine Führung in der WM-Wertung aus, Hamilton (322 Punkte) liegt 73 Punkte vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas (249), der den zweiten Platz eroberte. Die großen Verlierer waren die beiden Ferrari-Piloten: Charles Leclerc ging nach seiner Poleposition als Favorit ins Rennen, musste sich aber auch dank Sebastian Vettel mit Platz drei begnügen. Vettel schied nach 28 Runden aus - und hatte großen Einfluss auf den Ausgang des Rennens.

Nach dem Qualifying mit den Plätzen eins und drei für Leclerc und Vettel hatte sich Ferrari folgende Strategie überlegt: Der Youngster gibt seinem deutschen Teamkollegen Windschatten, um an Hamilton vorbeizukommen. Sollte Vettel auch Leclerc überholen, gab es die Absprache, dass es in der frühen Rennphase einen Rücktausch geben solle. Der Plan ging auf, Vettel ging in Führung - hielt sich dann aber nicht an die Vereinbarung.

In der sechsten Runde sagte Leclercs Renningenieur über den Boxenfunk, Vettel werde den Monegassen in der nächsten Runde vorbeilassen. Doch Vettels Antwort kam prompt: Er befürchte einen Zeitverlust gegenüber dem Drittplatzierten Hamilton und forderte den etwa 1,4 Sekunden hinter ihm fahrenden Leclerc auf, näher heranzukommen. Ferrari schwenkte auf Vettels Linie um, versprach Leclerc aber einen späteren Tausch.

ZURAB KURTSIKIDZE/EPA-EFE/REX

Nach dem Start sah es für Vettel (l.) und Leclerc noch gut aus

Dazu kam es tatsächlich, allerdings im Zuge der ersten Boxenstopps. Leclerc wechselte seine Reifen in der 23. Runde, Vettel kam vier Runden später in die Box und Leclerc blieb knapp vor dem Deutschen - neuer Führender war nach dem Doppelwechsel Hamilton. Für Vettel war das Rennen dann eine Runde später komplett vorbei, wegen technischer Probleme musste er seinen Wagen in einer Auslaufzone parken und ging eine Woche nach seinem ersten Saisonsieg in Singapur leer aus.

Wegen Vettels und Robert Kubicas (Williams) Ausfällen führte das Safety Car das Rennen für einige Runden an. Hamilton und Bottas profitierten von der Safety-Car-Phase, denn sie hatten schnell die Reifen getauscht. Das tat etwas später auch Leclerc, der wieder auf die weichste Mischung wechselte und dafür auf den zweiten Platz verzichtete. Nach der erneuten Freigabe des Rennens hing Leclerc hinter Bottas fest, Hamilton konnte sich lösen und fuhr einem am Ende ungefährdeten Sieg entgegen.

Für Ferrari endete eine Siegesserie von drei Rennen in Spa-Francorchamps, Monza und Singapur - und Hamilton ist dem sechsten WM-Titel wieder einen großen Schritt nähergekommen. Bottas hat einmal mehr gezeigt, dass er keine Konkurrenz für seinen Teamkollegen ist und Leclerc sowie Vettel liegen mit 215 und 194 WM-Punkten bereits zu weit zurück.

krä

insgesamt 126 Beiträge
baggi66 29.09.2019
1. Eine Farce
von Ferrari. Vettel macht das was ich auch gemacht hätte. Auto abstellen und als Sieger, moralisch, aus dem Auto springen. Ich würde verstehen wenn er diese Saison gar nicht mehr fährt. Das ist Mobbing Par excellence.
von Ferrari. Vettel macht das was ich auch gemacht hätte. Auto abstellen und als Sieger, moralisch, aus dem Auto springen. Ich würde verstehen wenn er diese Saison gar nicht mehr fährt. Das ist Mobbing Par excellence.
Erika.Mustermann@spon.de 29.09.2019
2. Deutliche Worte
Deutliche Worte zu M.K. Vettel, bei den Moderatoren von ESPN kopiert? ;-) Ab heute wird jemand einen neuen Arbeitgeber suchen ...
Deutliche Worte zu M.K. Vettel, bei den Moderatoren von ESPN kopiert? ;-) Ab heute wird jemand einen neuen Arbeitgeber suchen ...
Freiheit für Europa 29.09.2019
3. Vettel hat es Ferrari heimgezahlt - mit Gegensabotage
Endlich hat sich Vettel meinen vollsten Respekt verdient - er ist ein würdiger Nachfolger von Schumi. Was Ferrari sich geleistet hat, ist unerhört - ich werde mir nun keinen Ferrrari kaufen. Basta.
Endlich hat sich Vettel meinen vollsten Respekt verdient - er ist ein würdiger Nachfolger von Schumi. Was Ferrari sich geleistet hat, ist unerhört - ich werde mir nun keinen Ferrrari kaufen. Basta.
mhuz 29.09.2019
4.
So ist das Leben - vor drei Rennen, hätte Leclerc Vettel den Windschatten geben sollen und hat es nicht getan. Man hat so das Gefühl, dass Vettel heimlich aber unheimlich alles wieder zurückzahlt. Das Leclerc nicht gewonnen [...]
So ist das Leben - vor drei Rennen, hätte Leclerc Vettel den Windschatten geben sollen und hat es nicht getan. Man hat so das Gefühl, dass Vettel heimlich aber unheimlich alles wieder zurückzahlt. Das Leclerc nicht gewonnen hat, wird er jetzt nicht Schade finden, nach dem er es nicht dürfte. Ob Ferrari damit einverstanden, dass Leclerc immer die Abmachungen so offen im Funk preis gibt ?
der_westfale 29.09.2019
5. Absprache von Vettel nicht eingehalten?
Woher will SPON wissen, dass sich Vettel nicht an die Absprache gehalten hat? Man weiß doch gar nicht, wie die Absprache genau war. Vielleicht war ja auch vereinbart, dass die Plätze nur dann getauscht werden, wenn der Abstand [...]
Woher will SPON wissen, dass sich Vettel nicht an die Absprache gehalten hat? Man weiß doch gar nicht, wie die Absprache genau war. Vielleicht war ja auch vereinbart, dass die Plätze nur dann getauscht werden, wenn der Abstand kleiner als x ist. Und selbst wenn das nicht so gewesen wäre, kann ich Vettel trotzdem verstehen, dass er seinen Platz nicht hergegeben hat, denn sonst hätte er wohl 3-4 Sekunden auf Hamilton verloren. Das Rennen hat mal wieder gezeigt, dass nicht immer der Fahrer gewinnt, der das schnellste Auto hat.

Verwandte Themen

Formel-1-Datenbank

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP