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Pressestimmen zum Großen Preis von Russland

"Ferraris Zusammenbruch"

"Offener Krieg zwischen Vettel und Leclerc": Nach dem Formel-1-Rennen in Sotschi urteilen viele Pressevertreter hart über Ferrari. Der Überblick.

Mark Thompson / Getty Images

Charles Leclerc (links), Sebastian Vettel: "giftige Stimmung".

Montag, 30.09.2019   15:19 Uhr

Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Russland gewonnen und steht damit dicht vor seinem sechsten WM-Titel. Viel wurde in Sotschi über Ferrari diskutiert: Sebastian Vettel schied mit einem technischen Defekt aus, zuvor hatte er sich geweigert, Teamkollege Charles Leclerc vorbeiziehen zu lassen - so, wie es offenbar vorher besprochen war.

Hier sind die internationalen Pressestimmen zum Rennen.

GROSSBRITANNIEN:

Telegraph: "Hamilton hätte niemals zum Konkurrenzfeld für einen Sieg in Sotschi gehören sollen. Doch dann warf die taumelnde Scuderia den sicheren ersten Doppelsieg weg, und nach dem Ausscheiden Vettels rutschte Leclerc vom ersten auf den dritten Rang. Während der Brite seinen neunten Sieg in diesem Jahr feierte (...), versuchte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto, eine Fahrerkrise zu meistern, die wegen einer seltsamen, am Vorabend des Rennens getroffenen Abmachung entstanden war."

Guardian: "Hamilton profitiert von Ferraris Zusammenbruch in Sotschi. Faszinierend und aufschlussreich bot der Große Preis von Russland ein Drama im Stile Tschechows, das alle Stärken und Schwächen der Formel 1 aufzeigte."

ITALIEN:

La Stampa: "Mercedes dominierte im Großen Preis von Russland wie immer in den bisher ausgetragenen Ausgaben, doch diesmal schienen die Ferraris für die Hälfte des Rennens unschlagbar zu sein."

Gazzetta dello Sport: "Nicht nur die Niederlage macht Ferraris Sonntag in Sotschi so bitter. Das Hauptproblem, das Maranello dringend lösen muss, ist die Beziehung zwischen seinen beiden Piloten."

Corriere dello Sport: "Offener Krieg zwischen Vettel und Leclerc! Ferrari hatte in Sotschi auf einen erneuten Doppelsieg gehofft, den jedoch Mercedes feiert. Auf die zunehmende Arroganz des jungen Leclerc reagiert der 'alte' Vettel mit stolzem Perfektionismus. Leclerc hat volles Recht, um den Sieg zu kämpfen - so wie Vettel das Recht hat, nach dem fünften WM-Titel zu jagen. Weniger begreiflich ist, dass Maranello seine Linie nicht durchsetzt und einen Streit zwischen den Piloten nicht verhindern kann."

Tuttosport: "Giftige Stimmung bei Ferrari. Das Auto ist schnell, doch Maranello zahlt einen hohen Preis für die Divergenzen zwischen beiden Piloten. Teamchef Mattia Binotto muss endlich eine klare Strategie bestimmen."

Corriere della Sera: "Nach dem Streit bricht Vettels Motor zusammen. So verschenkt Ferrari den Sieg. Maranello hat Probleme mit der Zuverlässigkeit des Autos, mit der Strategie und im Umgang mit den beiden Piloten. Wenn das Verhältnis zwischen Vettel und Leclerc bereits so angespannt ist, wenn es nicht um den WM-Titel geht, was wird nächstes Jahr passieren, sollte Ferrari die Führung übernehmen?"

La Repubblica: "Ferrari verschwendet sich selbst. Vettel schafft einen tollen Start und nutzt das Teamabkommen zu seinen Gunsten, solange er kann. Er beweist dabei, das Tempo und die Aggressivität eines wahren Champions zu haben. Für Binotto ist es ein Luxus, zwei kämpferische Piloten zu haben. Doch manchmal führt diese Situation nicht zu den erhofften Resultaten."

SCHWEIZ

Blick: "Die Taktik-Füchse von Maranello haben sich viel überlegt, um die Mercedes-Dominanz in Russland (fünf Siege) zu durchbrechen. Doch Ferrari schneidet sich ins eigene Fleisch! Hamilton feiert in Sotschi seinen 82. GP-Triumph."

SPANIEN:

Marca: "Nicht zufrieden mit dem Spott in Singapur, hat Ferrari in Sotschi noch einen obendrauf gesetzt und einen leichten Sieg Charles Leclercs verschenkt, weil (der Rennstall) erneut eine Strategie spielte, die ebenso offen wie ineffektiv ist. Die Führung von Mattia Binotto konnte heute nicht schädlicher sein für seine Fahrer, besonders für Leclerc, der etwas anderes verdient. Was Disziplin und Verantwortung betrifft, erteilt der Monegasse 50-Jährigen Lektionen."

Marca: "Debakel für Ferrari, Sieg für Hamilton. Leclerc fällt den Strategiespielchen zum Opfer. Ferrari verschenkt in Sotschi einen leichten Sieg. Es ist schwer, das Unerklärliche zu erklären. Vettels Motor geht baden, damit war Ferraris Plan dahin. Hamilton ist mit seinem Sieg fast schon Weltmeister."

As: "Hamilton nimmt Ferraris Plan nach Vettels Panne auseinander. Die Normalität in der Formel 1 ist auf die unnormalste Art und Weise zurück. Dieses Rennen hätte eigentlich Leclerc gewinnen müssen. Die Panne Vettels kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und am ungünstigsten Ort. Es wurde am Ende ein Drama für Ferrari, eigentlich hatten sie alles in der Hand."

Sport: "Hamilton wird zum Alliierten der Glücksgöttin, der sechste WM-Titel ist zum Greifen nah. Vettel schenkt dem Engländer den Sieg. Vettel erklärte Leclerc den Krieg, als er sich nicht vom Monegassen überholen lassen wollte."

Mundo Deportivo: "Welch ein Drama in Sotschi! Hamilton wird zum Nutznießer des Ferrari-Desasters. Vettel schadete anfänglich seinem Rennstallkollegen Leclerc, als er die Befehle nicht befolgte und dann noch einmal, als er das Rennen aufgeben musste. Vettel ganz alleine zerstörte den möglichen vierten Sieg in Folge seines Teams. Wäre alles so passiert, wie man es erwarten konnte, hätte Hamilton niemals das Rennen gewonnen."

ÖSTERREICH

Kronen Zeitung: "Neuer Ferrari-Krach zwischen Vettel und Leclerc. Youngster Leclerc warf Kollegen Vettel nach dem Rennen vor, sich nicht an seinen Teil der Strategie-Abmachung gehalten zu haben - der Deutsche konterte knallhart. Dabei hatten die beiden gerade erst das Kriegsbeil begraben."

FRANKREICH

L'Equipe: "Die Scuderia Ferrari erlebt in Sotschi ihr Beresina. In Russland hätte Ferrari einen Doppelsieg feiern können, aber das Team verhedderte sich in seinen Anweisungen an Vettel und Leclerc."

mon/dpa/sid

insgesamt 95 Beiträge
go-west 30.09.2019
1. Früher gab es einen Top-Fahrer
und einen Wasserträger. Vettel hat mit Sicherheit immer die erste Rolle für sich in Anspruch genommen. Leider will Leclerc offensichtlich nicht den Wasserträger spielen und sah sich aufgrund der schwachen Phasen Vettels [...]
und einen Wasserträger. Vettel hat mit Sicherheit immer die erste Rolle für sich in Anspruch genommen. Leider will Leclerc offensichtlich nicht den Wasserträger spielen und sah sich aufgrund der schwachen Phasen Vettels ermutigt. Ferrari tut gut daran, in Zukunft bei der Verpflichtung der Fahrer die jeweilige Rolle klar zu definieren. Es wird nun wohl einer von beiden gehen müssen.
hollowman08 30.09.2019
2. Die spanischen Kollegen
habens am besten erfasst : Marca: "Nicht zufrieden mit dem Spott in Singapur, hat Ferrari in Sotschi noch einen obendrauf gesetzt und einen leichten Sieg Charles Leclercs verschenkt " "Debakel für Ferrari, [...]
habens am besten erfasst : Marca: "Nicht zufrieden mit dem Spott in Singapur, hat Ferrari in Sotschi noch einen obendrauf gesetzt und einen leichten Sieg Charles Leclercs verschenkt " "Debakel für Ferrari, Sieg für Hamilton. Leclerc fällt den Strategiespielchen zum Opfer." AS :"Dieses Rennen hätte eigentlich Leclerc gewinnen müssen. " Mundo Deportivo : "Vettel schadete anfänglich seinem Rennstallkollegen Leclerc, als er die Befehle nicht befolgte und dann noch einmal, als er das Rennen aufgeben musste. Vettel ganz alleine zerstörte den möglichen vierten Sieg in Folge seines Teams." Diese ganze Taktik spielchen hätten nicht sein müssen. Man hätte LeClerc von der Spitze des Rennens aus sein Rennen fahren lassen sollen und ihm alleine überlassen sollen wann er aus der Spitzenposition heraus als erster seinen Boxenstop machen will.
mantrid 30.09.2019
3. Verdiente Demütigung
Das Leclec Hamilton und später auch Bottas nicht Paroli bieten konnte, ist Vettel nicht anzulasten. Vettel hat Leclerc zu keinem Zeitpunkt des Rennens behindert. Leclerc konnte Vettel nur mit immer größer werdenden Abstand [...]
Das Leclec Hamilton und später auch Bottas nicht Paroli bieten konnte, ist Vettel nicht anzulasten. Vettel hat Leclerc zu keinem Zeitpunkt des Rennens behindert. Leclerc konnte Vettel nur mit immer größer werdenden Abstand folgen. Wieso sollte ihn Vettel vorbeilassen, was ihm mindesten 5 Sekunden gekostet hätte? Ich konnte mir die Schadenfreude nicht verkneifen, als die beiden Mercedes einen Doppelsieg einfuhren. Diese Demütigung hatte sich das Ferrari-Management redlich verdient. An Vettels Stelle würde ich den Vertrag gemütlich aussitzen und an keine Stallorder mehr halten.
Örzi 30.09.2019
4. Der Zenit scheint überschritten
Ich glaube Sebastian Vettels große Zeit ist vorüber. Ferrari hat ihm kein Glück gebracht. Jetzt wo das Auto endlich Konkurrenz fähig ist, hat er einen Teampartner der ihm überlegen zu sein scheint. Das wird man auch bei [...]
Ich glaube Sebastian Vettels große Zeit ist vorüber. Ferrari hat ihm kein Glück gebracht. Jetzt wo das Auto endlich Konkurrenz fähig ist, hat er einen Teampartner der ihm überlegen zu sein scheint. Das wird man auch bei Ferrari erkannt haben und Sebastian wird zurückgestuft werden. Wenn er nach seinem Wechsel von Red Bull ein Cockpit bei Mercedes erhalten hätte, wäre er vielleicht ein zweiter Schumi geworden. Diese Rolle übernimmt nun Lewis Hamilton. Ansonsten ist die Formel 1 immer uninteressanter geworden. Fast alle Rennen 1. und 2. Mercedes, dann zwei Ferrari und dann die beiden Red Bull. Mit kleinen Differenzen. Ich schaue mir meistens nur noch den Start an und schalte erst wieder kurz vor der Zielankunft ein.
brandmauerwest77 30.09.2019
5. Ist
diese immer langweiligere Formel 1+2 Show überhaupt noch zeitgemäß angesichts der Diskussionen um die Klimakrise? Verantwortung und Nachhaltigkeit sieht irgendwie anders aus.
diese immer langweiligere Formel 1+2 Show überhaupt noch zeitgemäß angesichts der Diskussionen um die Klimakrise? Verantwortung und Nachhaltigkeit sieht irgendwie anders aus.
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