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Ferrari-Pilot Vettel

Auf dem Weg zur Nummer zwei

Sebastian Vettel wird kein Weltmeister. Das steht nicht erst seit dem Debakel in Silverstone fest. Der Unfall mit Verstappen zeigt vielmehr: Teamkollege Charles Leclerc ist mittlerweile der bessere Ferrari-Pilot.

VALDRIN XHEMAJ/EPA-EFE/REX

Sebastian Vettel

Von
Montag, 15.07.2019   06:41 Uhr

Mit 32 Jahren gehört man in der Formel 1 sicher nicht zum alten Eisen. Das beweist der 34-jährige Lewis Hamilton, der exzellente Chancen hat, im Dezember zum sechsten Mal Weltmeister zu werden. Michael Schumacher war bei seinem letzten Titel 35 Jahre alt, der älteste Champion war 1957 Juan Manuel Fangio (46). Sebastian Vettel ist seit wenigen Tagen 32 Jahre alt - wie ein potenzieller Weltmeister fährt der Ferrari-Pilot nicht mehr.

Der Große Preis von Großbritannien in Silverstone war der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, die Anfang März bei den Testfahrten in Barcelona so verheißungsvoll begonnen hatte. Vettel ging als vermeintlicher Favorit in die Saison. Doch nun, nach zehn Rennen, wartet der Deutsche immer noch auf seinen ersten Sieg.

Nach einem missglückten Qualifying, das er nur auf Platz sechs beendet hatte, wurde Vettel auf der traditionsreichen Rennstrecke in Mittelengland zunächst vom Glück begünstigt. Ferrari holte ihn während einer Safety-Car-Phase zum Reifenwechsel, was Vettel den dritten Platz einbrachte. Ein Podiumsplatz wäre möglich gewesen, doch als Red-Bull-Pilot Max Verstappen in der 38. Runde vorbeizog, verschätzte sich Vettel beim Gegenmanöver völlig und fuhr ins Heck des Niederländers. Ein klarer Fahrfehler, der Vettels Frontflügel zerstörte und ihm bei Hamiltons Sieg letztlich den 16. Platz einbrachte.

Leclerc begeistert im Duell mit Verstappen

Fahrfehler passieren den besten Piloten, doch diese Szene war symptomatisch für die Entwicklung von Vettel - und das sich verschiebende Kräfteverhältnis bei Ferrari. Teamkollege Charles Leclerc zeigte in den Duellen mit Verstappen, wie aufregend, spektakulär und fair die Formel 1 auch in Zeiten der totalen Mercedes-Dominanz noch sein kann.

Die beiden Jungstars fuhren mehrere Runden Rad an Rad, setzten zu Überholmanövern an, konterten und waren trotzdem stets darauf bedacht, dem Kontrahenten genügend Platz zu lassen. "Zwei junge Fahrer duellieren sich so", sagte Sky-Experte Ralf Schumacher während des Rennens, "und mit Sebastian kriegt es einer der Alten nicht hin." Leclerc fuhr am Ende auf den dritten Platz und liegt in der WM-Wertung nur noch drei Punkte hinter Vettel.

"Es war mein Fehler", sagte die offizielle Nummer eins von Ferrari über den Unfall mit Verstappen. Vettel entschuldigte sich direkt nach dem Rennen bei seinem Team via Boxenfunk und ging noch im Parc fermé zu Verstappen, um die Schuld einzugestehen. Diese Erkenntnis nach Fehlern zeigte Vettel in der Vergangenheit nicht immer, aber diesmal war die Lage zu eindeutig. Ferrari kann unter normalen Bedingungen nicht mit Mercedes mithalten, aber Vettel und die Scuderia leisten sich insgesamt zu viele Fehler.

Vettel fehlt das Vertrauen ins Auto

Auffällig ist, dass Vettel zum dritten Mal in Folge hinter Leclerc ins Ziel gekommen ist. Nach dem aberkannten Sieg von Montréal hat Ferrari begonnen, das Auto umzubauen und die Neuerungen passen deutlich besser zum Fahrstil des Monegassen. Zu Beginn der Saison kämpften beide Piloten mit einer Untersteuerung der Boliden. Ferrari entschied sich deshalb, mehr Gewicht auf die Vorderachse zu legen, was das Heck des SF90 unruhiger werden ließ. Für Leclerc ist das kein Problem, Vettel beklagte nach dem Qualifying in Silverstone dagegen fehlendes Vertrauen in sein Auto.

Offiziell bleibt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bei der vor der Saison festgelegten Rangfolge seiner Fahrer. Sollte es in Rennen zu engen Situationen kommen, "hat Sebastian Prioriät", sagte der Italiener vor dem Grand Prix in England. Diese Priorität änderte er auch nach Vettels Nullnummer nicht. "Sebastian ist ein Profi, der sich gut einschätzen kann, auch seine Fehler", sagte Binotto. "Wir müssen es schaffen, ihm ein Auto mit einer Abstimmung hinzustellen, die zu ihm passt."

Ob er damit die kommenden Rennen am Hockenheimring (28. Juli) und in Budapest (4. August) meinte, oder ob Ferrari womöglich schon den Blick Richtung kommende Saison richtet, ist unklar. Vettels Vertrag läuft noch bis 2020. Er will unbedingt mit Ferrari Weltmeister werden - im Moment muss er erst mal wieder seinen Teamkollegen schlagen.

insgesamt 56 Beiträge
leftwing 15.07.2019
1. wie immer
läufts mal schlecht, wird auf den fahrer eingetroschen, läufts gut, jubeln alle. stellt dem sepp ein ordentliches auto hin und er fährt wieder allen um die ohren. wenn zwischen 2. und 3. platz am ende 20 sekunden abstand sind, [...]
läufts mal schlecht, wird auf den fahrer eingetroschen, läufts gut, jubeln alle. stellt dem sepp ein ordentliches auto hin und er fährt wieder allen um die ohren. wenn zwischen 2. und 3. platz am ende 20 sekunden abstand sind, dann ist diese formel 1 völlig uninteressant, das endergebniss seit jahren vorbestimmt. wenn ein team diese formel 1 so dominitiert, kann man sie auch abschaffen.
joke61 15.07.2019
2. Ja, stimmt!
Vettel fährt im Moment unter seinen Möglichkeiten. Wobei der Druck natürlich dementsprechend hoch ist. Von Vettel erwartet Ferrari Siege, mit einem nicht konkurenzfähigen Boliden. Also geht er auch öfter ins Risiko. Leclerc [...]
Vettel fährt im Moment unter seinen Möglichkeiten. Wobei der Druck natürlich dementsprechend hoch ist. Von Vettel erwartet Ferrari Siege, mit einem nicht konkurenzfähigen Boliden. Also geht er auch öfter ins Risiko. Leclerc kann das ganze lockerer angehen. Wobei es hier bei den so gelobten Zweikämpfen mit Verstappen auch zu Berührungen kam, die glücklicherweise und nicht wegen des fahrerischen Könnens nicht zu einem Unfall bzw. Ausfall egführt haben. Also was soll der Schmarn? Das mit Hamlton zu vergleichen, zeigt die Kurzsichtigkeit der Medien. Hamelten führt mit einem haushoch überlegenem Auto! In Österreich konnte man sehen, dass auch Hamilton Feher macht, wenn das Fahrzeug mal nicht das schnellste ist. Da fuhr er ziemlich oft neben der Strecke und musste auch nichts verteidigen, da er ja punktemäßig weit vor allen anderen liegt. Ansonsten hätte er Vettel sicher nicht ohne Gegenwehr überholen lassen! Und gestern, wurde Ihm der Sieg aus publicity Gründen überlassen! Sonst hätte man Bottas nicht so früh reingeholt und nochmal auf gelbe Reifen gesetzt. Auch ohne Safetycar hatte Bottas von da an keine Chance mehr, weil er nochmal zu Reifenwechsel musste! Also bitte auch fair dieses Rennen beurteilen und Hamilton nicht zum Formel 1 Gott ausrufen! Eher sollte man Ferrari direkt angreifen, weil Sie nicht in der Lage sind ein Auto zur Verfügung zu stellen, was auch nur ansatzweise konkurenzfähig ist und jetzt auch noch von RedBull überholt wird. Die nächsten die vorbeiziehen, sind sicherlich Maclaren!
Pless1 15.07.2019
3.
Man muss Vettel trotz seiner Titel richtig einschätzen. Ein absoluter Spitzenfahrer war er nie - er war nur zur richtigen Zeit im herausragenden Auto, als er bei Red Bull fuhr. Mit dem besten Material voraus zu sein ist relativ [...]
Man muss Vettel trotz seiner Titel richtig einschätzen. Ein absoluter Spitzenfahrer war er nie - er war nur zur richtigen Zeit im herausragenden Auto, als er bei Red Bull fuhr. Mit dem besten Material voraus zu sein ist relativ einfach, nun, unter hohem Druck, reicht sein unbestrittenes Talent nicht aus, er macht viele Fehler und sucht seine Rolle noch. Vielleicht hat ihm die Klatsche von Silverstone gefehlt, um nun eine Reaktion zu zeigen anstatt mit den Umständen zu hadern.
tommit 15.07.2019
4. Seb hat immer mal wieder
so einen impulsiven Moment... und versaut sich regelm. das Ergebnis.. Dennoch ist die Formel 1 für dieses Jahr mal wieder gelaufen... da können die Moderatoren noch so viel vom Himmel schwafeln. Ich meine es geht um ihre [...]
so einen impulsiven Moment... und versaut sich regelm. das Ergebnis.. Dennoch ist die Formel 1 für dieses Jahr mal wieder gelaufen... da können die Moderatoren noch so viel vom Himmel schwafeln. Ich meine es geht um ihre Gehälter.. wer wil das verübeln.. Leclercs Überholvorgang war viel überlegter und geschickter... Manchmal muss man eben auch Geduld haben damit sich Gelegenheiten ergeben. Auf WIedersehen in der Saison 2020
bhang 15.07.2019
5. [Zitat]Mit 32 Jahren gehört man in der Formel 1 sicher nicht zum alten
Eisen. Das beweist der 34-jährige Lewis Hamilton, der exzellente Chancen hat, im Dezember zum sechsten Mal Weltmeister zu werden. Michael Schumacher war bei seinem letzten Titel 35 Jahre alt, der älteste Champion war 1957 Juan [...]
Eisen. Das beweist der 34-jährige Lewis Hamilton, der exzellente Chancen hat, im Dezember zum sechsten Mal Weltmeister zu werden. Michael Schumacher war bei seinem letzten Titel 35 Jahre alt, der älteste Champion war 1957 Juan Manuel Fangio (46).[/Zitat] Das bewiesen in der einigermaßen jüngeren Vergangenheit 1996, 1993, 1992 auch Dhill, Prost und Mansell mit jeweils 36, 38, 39 Jahren (und Dhill war auch kein besserer Fahrer als Vettel). Der Unterschied im Alter ist, zu welcher Kategorie von Fahrer man gehört: ob man mit Ende 30 gegen den Teamkollegen abschmiert oder nicht. Mansell, Prost im Alter von 38 oder 39 stellten die Teamkollegen in den Schatten. Coulthard und Dhill mit 38 oder 39 nicht. Alonso z.B. würde zur ersteren Gruppe gehören und sagen wir mal mit demnächst 39 Jahren gegen Leclerc als Teamkollegen mindestens mithalten, wenn nicht sogar locker in den Schatten stellen. Räikkönen gehört eher zur letzteren Gruppe und würde gegen Leclerc geradezu untergehen (Giovinazzi ist zu schlecht als Teamkollege).

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