Sport

DFB-Sieg gegen Südafrika

Kopfsache

Alle Spiele gewonnen, Achtelfinale geschafft: Fürs DFB-Team läuft es bei der WM nach Plan. Doch für Alexandra Popp? Die Kapitänin kämpft und führt - doch ausgerechnet im Strafraum hapert es.

Eric Gaillard/ REUTERS

DFB-Stürmerin Alexandra Popp bejubelt ihren Treffer zum 3:0 - ihren ersten bei dieser WM, per Kopf erzielt

Aus Montpellier berichtet
Dienstag, 18.06.2019   07:53 Uhr

Alexandra Popp war die Erleichterung ganz besonders anzumerken. Nach ihrem Tor zum 3:0 gegen Südafrika breitete die Kapitänin erst die Arme aus, lief in Richtung Seitenlinie und imitierte dann mit ihren Fingern einen Telefonhörer. "Das war für meine Familie und Freunde", sagte Popp nach dem 4:0-Erfolg, der dem DFB-Team den WM-Gruppensieg sicherte. "Es war ein bisschen wie bei E.T., ich wollte nach Hause telefonieren."

Der Außerirdische in dem Film-Klassiker von Steven Spielberg hatte Sehnsucht nach seiner Heimat. Die dürfte sich bei Popp in Grenzen halten. Deutschland steht im Achtelfinale, auf die wirklich schwierigen Gegner wie Titelverteidiger USA oder Gastgeber Frankreich kann das DFB-Team erst im Finale treffen. Und so könnte die WM-Reise für Popp und ihre Teamkolleginnen noch etwas länger dauern.

Dafür spricht nicht nur die günstige Auslosung, sondern auch die Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft, die erneut ohne Dzsenifer Marozsán auskommen musste. Südafrika war zwar das schwächste Team in der Gruppe B, aber die deutschen Spielerinnen schafften es erstmals bei dieser Weltmeisterschaft, die taktischen Vorgaben von Martina Voss-Tecklenburg umzusetzen. Zumindest phasenweise.

"Wir haben schöne Ballstafetten gehabt", sagte die Bundestrainerin. "Gerade beim dritten Tor hat sich gezeigt, wie leicht Fußball sein kann." Gegen China und Spanien waren unzählige Flanken aus dem Halbfeld in den Strafraum gesegelt, diesmal blieb der Ball am Boden und es war mehr Tiefe im Spiel. Bei besagtem 3:0 wurde Giulia Gwinn von Sara Däbritz geschickt, die Rechtsverteidigerin drang bis kurz vor die Grundlinie und flankte auf Popp, die dank ihrer körperlichen Überlegenheit wuchtig einköpfte (40. Minute).

Dann misslingen selbst leichte Zuspiele

Bis dahin war es nicht die Weltmeisterschaft der Alexandra Popp gewesen. Die Stürmerin steht unmittelbar vor ihrem 100. Länderspiel, sie erzielte dabei 47 Treffer. Doch in Frankreich wollte es mit dem Torschießen zunächst nicht klappen. Gegen China hing sie als alleinige Spitze in der Luft, gegen Spanien bereitete sie immerhin das Siegtor von Däbritz vor und gegen Südafrika schoss Popp freistehend aus fünf Metern über das leere Tor (16.). "Sie sieht sich als Stürmerin in der Verantwortung, Tore zu erzielen", sagte Voss-Tecklenburg.

Wenn Popp keine Tore erzielt, fällt es ihr schwer zu überzeugen. Die 28-Jährige ist keine Dribblerin. Sie wirkt bisweilen schwerfällig, das Spiel kann schon mal an ihr vorbeilaufen. Ohne offensive Erfolgserlebnisse misslingen Popp teilweise leichte Zuspiele. Kopfsache. Umso wichtiger war der Treffer, denn Voss-Tecklenburg wird auch in den kommenden Spielen nicht freiwillig auf ihre Kapitänin verzichten.

Was die Bundestrainerin an Popp schätzt, ist ihre Vielseitigkeit. Gegen Spanien wechselte sie in der Schlussphase ins defensive Mittelfeld, um dort mit ihrer körperbetonten Zweikampfführung für Entlastung zu sorgen. Und auch gegen Südafrika blieb Popp nicht stur im Angriff. Mal ließ sie sich fallen, mal tauchte sie im linken Mittelfeld auf - in der Offensive tauschten die Spielerinnen häufig ihre Positionen. "Wir haben diese Wechsel bewusst eingefordert", sagte Voss-Tecklenburg, die damit Südafrikas gegnerorientierte Deckung im Zentrum vor Probleme stellen wollte. Was auch gelang.

Flexibilität bleibt ein zentraler Faktor in der Spielidee der 51-Jährigen. "Das passiert teilweise in der Eigenverantwortung der Spielerinnen", sagte Voss-Tecklenburg, ergänzte aber direkt: "Ich möchte Popp zu 70 Prozent in der Spitze sehen." In der zweiten Hälfte gegen Südafrika ging diese Rechnung nicht auf. Popp ließ sich trotz der klaren Führung wieder ins Mittelfeld zurückfallen, ehe die Bundestrainerin in der 81. Minute mit einer Ansage von der Seitenlinie aus eingriff und Popp zurück in den Sturm schickte. So ganz scheint die Verunsicherung noch nicht gewichen.

Gegen wen Deutschland im Achtelfinale am 22. Juni in Grenoble (17.30 Uhr; Liveticker SPIEGEL ONLINE) spielen wird, steht noch nicht fest. Popp ist das ohnehin egal. "Wenn wir es schaffen, den Gegner laufen zu lassen, mit wenig Kontakten spielen und ein hohes Spieltempo zeigen, sind wir schwer zu schlagen." Um Spiele gegen Topgegner aber auch zu gewinnen, dafür wird es wohl eine Alexandra Popp in Bestform brauchen.

Südafrika - Deutschland 0:4 (0:3)
0:1 Leupolz (14.)
0:2 Däbritz (29.)
0:3 Popp (40.)
0:4 Magull (58.)
Südafrika: Dlamini - Ramalepe, van Wyk, Matlou, Vilakazi - Biyana (89. Smeda), Jane, Makhabane - Mthandi (46. Mulaudzi), Fulutudilu (46. Kgatlana), Ndimeni
Deutschland: Schult - Gwinn, Doorsoun, Hegering, Schweers (46. Simon) - Leupolz, Magull - Huth (59. Dallmann), Däbritz - Popp, Bühl (66. Schüller)
Schiedsrichterin: Braz (Portugal)
Gelbe Karten: Ramalepe, Vilakazi, Mulaudzi / Magull
Zuschauer: 15.502
Schiedsrichterin: Braz (Portugal)

insgesamt 10 Beiträge
vera gehlkiel 18.06.2019
1.
Für mich äußerst beeindruckend ist die Art, wie sich nach Maroszans Verletzung vor allem die höchst begabte Sara Daebritz mental freigespielt hat. Variabilität, Kondition, Antizipieren auf Weltspitzenniveau, und technisch [...]
Für mich äußerst beeindruckend ist die Art, wie sich nach Maroszans Verletzung vor allem die höchst begabte Sara Daebritz mental freigespielt hat. Variabilität, Kondition, Antizipieren auf Weltspitzenniveau, und technisch alleroberste Sahne war sie ja schon, seit ich sie kenne. Popp als klassische "Wandspielerin" profitiert maximal von der sie umgebenden Flexibilität, und umgekehrt. Wer dann netzt, ist grundsätzlich Nebensache. Echt Klasse Teambuilding von Voss Tecklenburg, soweit absehbar. Der Ueberdruck im direkten Schlagschatten von Silvia Neid, der eine Steffi Jones noch komplett gelähmt zu haben scheint, ist jedenfalls wie weggezaubert. Oder hat sich halt, bestimmt durch den Zeitfaktor, verflüchtigt. Dass diese Truppe so dramatisch unter Wert ausscheidet, wie zuletzt "unsere Männer", brauchen wir schon nicht mehr befürchten. Könnte sogar hoch hinaus gehen, und Daebritz, bald neu beim Ueberverein PSG am Start, zum neuen deutschen Fussballsuperstar (Abtl. weiblich) hinaufkatapultieren.
Gabi Albrecht 18.06.2019
2. Manipulation
Es ist schon beachtlich, wie die nationale Gleichschaltungsmaschinerie es geschafft hat, einen vollkommen irrelevanten Nischensport ins Rampenlicht zu katapultieren, nur um eine Schar von hörigen Lemmingen mit der Hoffnung zu [...]
Es ist schon beachtlich, wie die nationale Gleichschaltungsmaschinerie es geschafft hat, einen vollkommen irrelevanten Nischensport ins Rampenlicht zu katapultieren, nur um eine Schar von hörigen Lemmingen mit der Hoffnung zu ködern, 'endlich wieder jemand zu sein' auf der internationalen Bühne der Eitelkeiten. Was dabei geflissentlich verschwiegen wird: Dieses Gegurke juckt außer 3 Millionen geltungsbedüftigen, von profunden Minderwertigkeitskomplexen geplagten Fernsehzuschauern keinen Menschen auf diesem Planeten.
pjotrmorgen 18.06.2019
3. Fussball Nischensport?
Ja hat sich da jemand vorsorglich einen "Frauennamen" zugelegt, um mal so richtig über "die andere Sportart" Frauenfussball herziehen zu können. Ich sehe mir geglegentlich Spiele der Deutschen Frauen an [...]
Zitat von Gabi AlbrechtEs ist schon beachtlich, wie die nationale Gleichschaltungsmaschinerie es geschafft hat, einen vollkommen irrelevanten Nischensport ins Rampenlicht zu katapultieren, nur um eine Schar von hörigen Lemmingen mit der Hoffnung zu ködern, 'endlich wieder jemand zu sein' auf der internationalen Bühne der Eitelkeiten. Was dabei geflissentlich verschwiegen wird: Dieses Gegurke juckt außer 3 Millionen geltungsbedüftigen, von profunden Minderwertigkeitskomplexen geplagten Fernsehzuschauern keinen Menschen auf diesem Planeten.
Ja hat sich da jemand vorsorglich einen "Frauennamen" zugelegt, um mal so richtig über "die andere Sportart" Frauenfussball herziehen zu können. Ich sehe mir geglegentlich Spiele der Deutschen Frauen an und kann nur für meinen Teil keine "profunden" Komplexe irgendeiner Art ekennen. Was das auch mit Geltungsbedürftigkeit zu tun haben könnte, ist nicht nachvollziehbar. Profund wird in der Medizin mit der Nebenbedeutung "tief liegend" verwendet, tatsächlich ist der Kontext "profundes Wissen" gebräuchlicher. Letzteres fehlt Ihnen ganz offensichtlich aufgrund verquerer Ideen über eine totalitäre Bundesrepublik. Was den Planeten angeht und die "Nischensportart": In BBC 1 sahen zuletzt 4,6 Millionen beim Spiel England - Schottland zu, siehe Bericht im Guardian: https://www.theguardian.com/football/2019/jun/10/womens-world-cup-match-breaks-tv-audience-record Was Sie da schreiben entbehrt also jeder realen Grundlage.
Nichol Jackson 18.06.2019
4.
Ich möchte ja nicht auf die Euphoriebremse treten, aber haben Sie sich mal die Frage gestellt, warum der Besucherschnitt pro Bundesligapartie bei den Damen, sorry ... Frauen, nur etwas über 800 beträgt, während er sich bei [...]
Ich möchte ja nicht auf die Euphoriebremse treten, aber haben Sie sich mal die Frage gestellt, warum der Besucherschnitt pro Bundesligapartie bei den Damen, sorry ... Frauen, nur etwas über 800 beträgt, während er sich bei den Männern auf rd. 44.000 beläuft? Eine sinistre Verschwörung alter weißer Männer in DFB, DFL, Sport-Bild, Auto-Lobby, Brauwirtschaft und AfD? Ich fürchte, die Wahrheit ist viel banaler: Trotz medialen overkills interessiert die Randsport Frauenfußball jenseits künstlich aufgeblasener Events schlicht niemanden.
polza_mancini 18.06.2019
5. Erfreulich....
und sicher ausbaufähig!...Nur: Sie werden zugeben müssen, dass ENG-SCO vielleicht dort auch aus eher "patriotischen" Gründen etwas mehr Zuschauer hatte...ich wage mal die Prognose, dass der Rest des Erdballs da [...]
Zitat von pjotrmorgenJa hat sich da jemand vorsorglich einen "Frauennamen" zugelegt, um mal so richtig über "die andere Sportart" Frauenfussball herziehen zu können. Ich sehe mir geglegentlich Spiele der Deutschen Frauen an und kann nur für meinen Teil keine "profunden" Komplexe irgendeiner Art ekennen. Was das auch mit Geltungsbedürftigkeit zu tun haben könnte, ist nicht nachvollziehbar. Profund wird in der Medizin mit der Nebenbedeutung "tief liegend" verwendet, tatsächlich ist der Kontext "profundes Wissen" gebräuchlicher. Letzteres fehlt Ihnen ganz offensichtlich aufgrund verquerer Ideen über eine totalitäre Bundesrepublik. Was den Planeten angeht und die "Nischensportart": In BBC 1 sahen zuletzt 4,6 Millionen beim Spiel England - Schottland zu, siehe Bericht im Guardian: https://www.theguardian.com/football/2019/jun/10/womens-world-cup-match-breaks-tv-audience-record Was Sie da schreiben entbehrt also jeder realen Grundlage.
und sicher ausbaufähig!...Nur: Sie werden zugeben müssen, dass ENG-SCO vielleicht dort auch aus eher "patriotischen" Gründen etwas mehr Zuschauer hatte...ich wage mal die Prognose, dass der Rest des Erdballs da nicht unbedingt am Bildschirm klebte, so wie es vor Ort allgemein bei Spielen des Nicht-Gastgebers ist... Und rund 5 Mio. haut mich jetzt bei einer WM auch nicht unbedingt aus den Socken...

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