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Kreuzbandverletzung von Leroy Sané

Was der FC Bayern jetzt tun sollte

Verzichten die Bayern auf die Verpflichtung des verletzten Leroy Sané? Der Transfersommer des Rekordmeisters verlief bislang miserabel - könnte aber noch glücklich enden.

Peter Schatz/ ActionPictures/ imago images

Bayerns Führungsriege (v.l.): Hansi Flick, Uli Hoeneß, Hasan Salihamidzic, Karl-Heinz Rummenigge und Niko Kovac

Eine Analyse von Florian Kinast, München
Freitag, 09.08.2019   13:17 Uhr

Es herrschte eine fröhliche Atmosphäre, Donnerstagabend auf dem Sportgelände Birkenmoos am Südufer des Tegernsees. 23:0 gewann der FC Bayern ein Freundschaftsspiel gegen den Heimklub FC Rottach-Egern, am Spielfeldrand standen 2500 begeisterte Zuschauer - Volksfeststimmung an einem lauen oberbayerischen Sommerabend.

Bei den Verantwortlichen des FC Bayern ist die Stimmung derzeit alles andere als unbeschwert, zu sehen war das an der Mimik von Hasan Salihamidzic nach dem Spiel. Man war neugierig, was der Sportdirektor des Klubs zur Kreuzbandverletzung von Leroy Sané offiziell sagen würde, ob durch den monatelangen Ausfall des Nationalspielers der Wunsch-Transfer nun platzen würde. Salihamidzic wirkte angespannt, sagte wie so oft Sätze ohne Inhalt, erklärte aber immerhin: "Ich bin traurig und bedaure sehr, dass sich Leroy im Spiel gegen Liverpool verletzt hat." Das Bedauern dürfte dabei nicht nur auf persönlichem Mitgefühl beruht haben.

Sehr gerne hätte der FC Bayern schon in dieser Woche Sané als Zugang präsentiert - um damit endlich die Diskussionen um ausbleibende Einkäufe zu beenden. Daraus wird nun nichts. Dass sich der Profi von Manchester City am Sonntag im englischen Supercup in Wembley am Kreuzband verletzt und nun operiert werden muss, ist natürlich nicht das Verschulden des FC Bayern. Es passt aber ins Bild dieses bislang so glücklosen Transfer-Sommers des Rekordmeisters.

FC Bayern ist auf dem Transfermarkt kein Topplayer mehr

Wochenlang hatten sie um Sané gebuhlt, auch öffentlich, nach einer Beschwerde von Manchester City und einem anschließenden Rüffel von Karl-Heinz Rummenigge an Trainer Niko Kovac nur noch intern. Fraglich schien nur noch die finale Ablösesumme, die die Bayern für den 23-Jährigen an Manchester überweisen würden. Nun scheint der Transfer aber vom Tisch. Über 100 Millionen Euro Ablöse für einen Spieler mit einer der schwersten Verletzungen eines Profisportlers? Das wäre ein hohes Risiko.

Dass der FC Bayern bei seiner Personalplanung nun wieder genauso weit ist wie Ende Mai, ist bedenklich. Und dass sich gerade Sportdirektor Salihamidzic nur mit Durchhalteparolen durch die Sommerpause hangelte, dass er immer wieder auf die Transferzeit bis Anfang September hinwies, wirft die Frage auf, ob er und der Klub jemals eine Transferstrategie für die Zeit nach den Klublegenden Arjen Robben und Franck Ribéry hatten.

WILL OLIVER/EPA-EFE/REX

Leroy Sané, 23, verletzte sich im englischen Supercup am vergangenen Sonntag

Aber die ewigen Sané-Diskussionen offenbaren noch ein weiteres Dilemma des FC Bayern. Früher waren sie an der Säbener Straße stolz darauf, dass sie nahezu jeden Profi bekamen, den sie bekommen wollten. Es schien alles so leicht zu gehen: Einmal mit den Fingern schnippen, schon hatte man den Wunschkader beisammen. Das klappt heute nicht mehr: Rummenigge selbst musste vor einem Monat seinen jahrelangen Lieblingsspruch ("Ein Angebot des FC Bayern lehnt keiner ab") revidieren, im Wissen, dass der Klub wie auch die Bundesliga international an Strahlkraft und Attraktivität verloren haben - gerade im Vergleich zur Premier League.

Geplatzter Sané-Transfer kann eine Chance sein

Stattdessen müssen sie sich aktuell bemühen, bereits ausgemusterte und wechselwillige Spieler wie etwa Jérôme Boateng und Renato Sanches bei Laune zu halten - einfach damit ihr winziger 17-Mann-Kader nicht noch dünner wird. Für den FC Bayern muss es sich auch wie eine Vorführung angefühlt haben, dass Manchester City mehrere Tage verstreichen ließ, bis sie die Verletzungsdiagnose bei Leroy Sané mitteilten. Laut City lag das an einem extra eingeflogenen Spezialisten für Knieverletzungen.

Sollte der Sané-Deal nun endgültig abgehakt sein, bietet sich aber auch eine Chance. Dann könnten die Münchner die aufgerufene Transfersumme auf mehrere Neuverpflichtungen verteilen.

Als mögliche Kandidaten gelten; Steven Bergwijn, 21, der spektakuläre Linksaußen von PSV Eindhoven. Auch der 30-jährige, einst in Dortmund und Wolfsburg und jetzt bei Inter Mailand spielende Ivan Perisic - ebenfalls ein gelernter Linksaußen - könnte eine Option sein. Der im Gehalt teure Gareth Bale von Real Madrid könnte als Leihspieler ein Kandidat sein. Die Option des Ajax-Mittelfeldspielers Hakim Ziyech, die auch immer wieder genannt wurde, hatte sich am Nachmittag wohl bereits erledigt. Der Marokkaner hat seinen Vertrag in Amsterdam verlängert.

Wenn die Bayern einen Spieler aus dieser Preiskategorie verpflichten, wäre immer noch genug Geld vorhanden, um auch auf anderen Positionen nachlegen zu können. Das zentrale Mittelfeld gilt weiter als Baustelle, ein Back-up hinter Robert Lewandowski könnte sich im Saisonverlauf als sinnvoll erweisen. Schon die kommenden Tage werden zeigen, wie der FC Bayern seinen Kader für die neue Saison rüsten wird. In sieben Tagen beginnt die Bundesliga, in drei Wochen schließt das Transferfenster.

insgesamt 98 Beiträge
mannakn 09.08.2019
1. Fragt sich eigentlich nicht...
...mal irgendjemand, ob nach der denkwürdigen Menschenrechts-Pressekonferenz noch irgend ein Spieler für Bayern auflaufen will? Würden Sie für einen Betrieb arbeiten, dessen Führungsetage nachgewiesenermassen in [...]
...mal irgendjemand, ob nach der denkwürdigen Menschenrechts-Pressekonferenz noch irgend ein Spieler für Bayern auflaufen will? Würden Sie für einen Betrieb arbeiten, dessen Führungsetage nachgewiesenermassen in Wolkenkuckucksheim lebt? Die keine internationalen Erfolge zu verzeichnen hat? Die sich trotzdem unter den größten europäischen Vereinen ansiedelt? Mir wäre das zu heiss, und wenn ich Sane wäre fielen mir ungefähr 10 Clubs ein, die meiner Kerriere förderlicher wären.
amasan 09.08.2019
2. Namensliste
Die Namen, die hier genannt werden, sind allesamt nicht neu und sind dem interessierten Bayernfan schon seit min. Öffnung des Transferfensters bekannt. Das wäre allesamt leider "kleine" Lösungen und keine der [...]
Die Namen, die hier genannt werden, sind allesamt nicht neu und sind dem interessierten Bayernfan schon seit min. Öffnung des Transferfensters bekannt. Das wäre allesamt leider "kleine" Lösungen und keine der Kategorie Sane, dann müsste meiner Einschätzung nach das Ziel CL neu definiert werden auf Viertelfinalteilnahme. Aber Bayern war bisher fast immer für eine Last Minute Überraschung gut und erst jetzt muss Brazzo zeigen was er auf dem Kasten hat. Messen lassen muss er sich an denen, die am Ende tatsächlich geholt wurden und nicht schon heute. Vielleicht rückt der Fokus auch wieder auf Dembele?
HeutenurfürStammgäste 09.08.2019
3. Was ein Segen
Gut das es SPIEGEL Online gibt. Jetzt weiß der ehemalige große FC Bayern was zu tun ist und wen er kaufen soll.
Gut das es SPIEGEL Online gibt. Jetzt weiß der ehemalige große FC Bayern was zu tun ist und wen er kaufen soll.
timtom2222 09.08.2019
4.
Die Bayern können sich Sané auch ohne Verletzung schlicht nicht leisten. Mit dem Spieler einig zu sein ist das eine, mit dem Verein das andere.
Die Bayern können sich Sané auch ohne Verletzung schlicht nicht leisten. Mit dem Spieler einig zu sein ist das eine, mit dem Verein das andere.
.patou 09.08.2019
5.
Das sowieso. Arbeitgeber, bei denen man spätestens beim Abschied mit öffentlicher, übler Nachrede rechnen kann, würden mich auch nicht locken. Außerdem ist es jetzt schon die zweite Saisonvorbereitung, in der durch [...]
Zitat von mannakn...mal irgendjemand, ob nach der denkwürdigen Menschenrechts-Pressekonferenz noch irgend ein Spieler für Bayern auflaufen will? Würden Sie für einen Betrieb arbeiten, dessen Führungsetage nachgewiesenermassen in Wolkenkuckucksheim lebt? Die keine internationalen Erfolge zu verzeichnen hat? Die sich trotzdem unter den größten europäischen Vereinen ansiedelt? Mir wäre das zu heiss, und wenn ich Sane wäre fielen mir ungefähr 10 Clubs ein, die meiner Kerriere förderlicher wären.
Das sowieso. Arbeitgeber, bei denen man spätestens beim Abschied mit öffentlicher, übler Nachrede rechnen kann, würden mich auch nicht locken. Außerdem ist es jetzt schon die zweite Saisonvorbereitung, in der durch das Management verantwortete Kaderplanung bzw. Neueinkäufe suboptimal gelaufen sind, um es vorsichtig zu formulieren. Jedes Mal muss Kovac es letztlich ausbaden und kann sich dann auch noch blöde Sprüche der Vereinsführung anhören. Es ist überfällig, dass zumindest Hoeneß geht. Er agiert schon seit längerem nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

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