Sport

BVB-Sieg gegen Gladbach

Dortmund kann auch dreckig

Eine knappe Führung. Zwei aberkannte Tore. Der BVB lässt sich in die Defensive drängen. Und dann kommt die 89. Minute mit der Riesenchance auf den Gladbacher Ausgleich. Doch diesmal gewinnt Dortmund.

SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Mats Hummels (links) bleibt Sieger im Luftduell

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Samstag, 19.10.2019   23:19 Uhr

Der BVB und die Schlussphasen: Borussia Dortmund stand vor dem achten Bundesligaspieltag auf dem achten Tabellenplatz, weil die Spiele gegen Frankfurt, Bremen und Freiburg jeweils nur 2:2 geendet hatten. In Frankfurt und Freiburg fielen die Ausgleichstore in der 88. und der 90. Minute. Gegen Borussia Mönchengladbach lag der BVB erneut in Front und diesmal war es die 89. Minute, als eine Flanke durch den Strafraum segelte und Florian Neuhaus am zweiten Pfosten aus kurzer Distanz hätte treffen müssen. Doch diesmal tauchte der für den angeschlagenen Roman Bürki eingewechselte Torhüter Marwin Hitz ab, warf sich in den Schuss und verhinderte den Ausgleich.

Das Ergebnis: Der BVB hielt den Vorsprung auch in der sechsminütigen Nachspielzeit und gewann 1:0 (0:0). Hier lesen Sie den Spielbericht.

Leon Kuegeler/ REUTERS

Marwin Hitz rettet

Der Brite Sancho testet Grenzen: Für die Harmonie im Kader verzichtete der BVB auf seinen besten Vorlagengeber. Jadon Sancho soll Medienberichten zufolge verspätet von der Länderspielreise mit der englischen Nationalmannschaft zurückgekehrt sein. Deshalb wurde der 19-Jährige von Trainer Lucien Favre aus dem Kader geworfen. "Er testet ab und zu die Grenzen aus", sagte Manager Michael Zorc vor dem Spiel bei Sky. "Und dann sind wir dafür da, die Grenzen zu setzen." Die Entscheidung sei alternativlos gewesen - "für die Hygiene in der Mannschaft".

Zwei falsche Neunen: Neben Sancho standen auch Mario Götze und Paco Alcácer nicht zur Verfügung, die offensiven Möglichkeiten des BVB waren somit erheblich reduziert. Weil die beiden zentralen Stürmer im Kader ausfielen, entschied sich Favre für eine flexible Lösung mit Marco Reus und Julian Brandt als Doppelspitze. Brandt und Reus liefen viel, ließen sich abwechselnd fallen und suchten sich häufig, um zu kombinieren. Das sah zum Teil gefällig aus, doch den Dortmundern fehlte - wie auch in Spielen mit Götze in der Spitze - eine dauerhafte Anspielstation im Zentrum.

Erste Hälfte: Favre hatte auch die Defensive umgestellt. Innenverteidiger Manuel Akanji rückte auf die rechte Seite, dafür spielte Julian Weigl zentral. Es brauchte eine halbe Stunde, ehe der BVB besser ins Spiel fand und Gladbach über einen längeren Zeitraum in die Defensive drängte. Torchancen gab es auf beiden Seiten, das torlose Remis entsprach insgesamt dem Spielverlauf.

Millimeterentscheidung: Es wäre die "Ausgerechnet"-Geschichte des Spieltags gewesen. Der ehemalige Gladbacher Thorgan Hazard erzielte mit einem abgefälschten Distanzschuss die vermeintliche Führung für den BVB (33. Minute). Der Belgier, im bisherigen Saisonverlauf noch seine Bestform suchend, traf zum ersten Mal für seinen neuen Klub und jubelte - anders als viele andere Fußballprofis - so ausgelassen, als hätte es die fünf Jahre in Mönchengladbach nicht gegeben. Da sich Reus in der Entstehung des Angriffs aber mit einer Ferse im Abseits befand, wurde dem Treffer nach der Prüfung des Videoassistenten die Anerkennung verweigert. VAR-Gegner liefen im Anschluss heiß, weil es eben sehr knapp war und die Entscheidung recht lange auf sich warten ließ. Aber letztlich ist nur eines entscheidend: Es war Abseits.

Leon Kuegeler/ REUTERS

Thorgan Hazard freut sich über ein Tor, das wenig später nicht mehr zählt

Zweite Hälfte: Dank Axel Witsels Laufweg, Hazards Pass in die Spitze und Reus' Beinschuss gegen Yann Sommer lag der BVB ab der 58. Minute in Führung. Was folgte, war eine Blaupause der vergangenen Wochen. Dortmund hatte gute Chancen auf den zweiten Treffer, war vor dem Tor aber nicht entschlossen genug und hatte Pech, als Reus bei Brandts Tor vor Sommer herlief und ihm im Abseits stehend die Sicht nahm (84.). Gladbach wiederum spürte die Verunsicherung der Gastgeber. Bei einer Grätsche von Mats Hummels gegen den eingewechselten Patrick Herrmann hätte es Elfmeter für die Gast-Borussia geben müssen. Am Ende drängte Gladbach Dortmund phasenweise tief in die eigene Hälfte. Für den BVB wurde es ein Zittersieg.

Gewinner des Spieltags: Für manchen Experten war der BVB nach den drei Remis in Folge schon aus dem Titelrennen geflogen. Nun stehen die Dortmunder nach den Punktverlusten von Bayern, Wolfsburg, Leipzig, Freiburg und Leverkusen auf dem vierten Platz - punktgleich mit den Münchnern und nur einen Zähler hinter Mönchengladbach an der Spitze. Favre braucht vermutlich aber noch ein paar Siege mehr, um wieder uneingeschränktes Vertrauen im gesamten Klub zu genießen.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 1:0 (0:0)
1:0 Reus (58.)
BVB : Bürki (70. Hitz) - Akanji, Weigl, Hummels, Schulz - Witsel, Delaney, Hakimi, Hazard (90.+6 Piszczek) - Reus, Brandt (90.+2 Zagadou)
Gladbach: Sommer - Lainer, Elvedi, Jantschke, Wendt (78. Stindl) - Kramer, Zakaria, Thuram, Bénes (64. Neuhaus), Pléa - Embolo (63. Herrmann)
Gelbe Karten: Delaney / Jantschke, Neuhaus, Rose (Trainer)
Schiedsrichter: Stegemann
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft)

insgesamt 35 Beiträge
Orthoklas 20.10.2019
1. kann auch dreckig?
Ich meine, dass der BVB sehr häufig dreckig Punkte holt - sogar oft mit purem Glück. So wie Augsburg gegen Bayern.
Ich meine, dass der BVB sehr häufig dreckig Punkte holt - sogar oft mit purem Glück. So wie Augsburg gegen Bayern.
nn280 20.10.2019
2. Ich kann nichts Dreckiges entdecken,
diese Spiele und Ergebnisse hat es immer gegeben. Der BVB hat gestern verdient gewonnen, mit allem wenn und aber! Was mir Sorge macht, sind die teilweise schrecklichen Entscheidungen aus dem Video-Keller die damit verbundenen [...]
diese Spiele und Ergebnisse hat es immer gegeben. Der BVB hat gestern verdient gewonnen, mit allem wenn und aber! Was mir Sorge macht, sind die teilweise schrecklichen Entscheidungen aus dem Video-Keller die damit verbundenen Stimmungsbrüche und die tw. schlechten Leistungen der deutschen Schiris. Es kommen jetzt schwere Spiele für den BVB, danach wissen wir mehr!
llamb 20.10.2019
3. Das ist ja mal ...
... richtig originell: 100 Zeilen über ein Fußballspiel, in dem der Gegner nicht stattfindet. Muss man drauf kommen. Für den Autor zur Erinnerung: Die "wahre" Borussia hat gestern einen beherzten Auftritt hingelegt und hätte [...]
... richtig originell: 100 Zeilen über ein Fußballspiel, in dem der Gegner nicht stattfindet. Muss man drauf kommen. Für den Autor zur Erinnerung: Die "wahre" Borussia hat gestern einen beherzten Auftritt hingelegt und hätte Embolo es besser ausgespielt ... Den klaren Elfmeter hier zu unterschlagen - geht auch nur mit schwarz-gelber Brille (Nein, das Tor von Brandt hätte nicht aberkannt werden dürfen - kam aber chronologisch nach dem Hummels-Foul). Der Beitrag an sich ist ein bedenkliches Stück "Journalismus". Die meisten Fanzines machen es objektiver und besser.
spon_2956127 20.10.2019
4. So?
Wenn der BVB - wie gestern Augsburg! - in einem Spiel nur zwei, drei Chancen bekommt (und die dann verwandelt), genau DAS hätte etwas mit "Glück" zu tun. Dass sind beim BVB aber seit vielen Jahren nur ganz [...]
Zitat von OrthoklasIch meine, dass der BVB sehr häufig dreckig Punkte holt - sogar oft mit purem Glück. So wie Augsburg gegen Bayern.
Wenn der BVB - wie gestern Augsburg! - in einem Spiel nur zwei, drei Chancen bekommt (und die dann verwandelt), genau DAS hätte etwas mit "Glück" zu tun. Dass sind beim BVB aber seit vielen Jahren nur ganz wenige Spiele. Wieso das gestern darüber hinaus auch noch ein "dreckiger Sieg" gewesen sein soll, bleibt ein Geheimnis. Spielanteile, Zweikampfquote und ein sattes Torschuss-Plus von 20:13 - sogar ohne die beiden aberkannten Abseitstore! - sprechen eindeutig für die Dortmunder.
sirraucheinviel 20.10.2019
5. @llamb
Ja, sehr originell einen Artikel zu kritisieren ohne ihn gelesen zu haben. Das Hummels Foul ist sehr wohl erwähnt ...
Ja, sehr originell einen Artikel zu kritisieren ohne ihn gelesen zu haben. Das Hummels Foul ist sehr wohl erwähnt ...

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