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1:4 gegen Wolfsburg

Das stört keinen großen Bayern

Der FC Bayern hat so überraschend wie deutlich gegen den VfL Wolfsburg verloren. Doch der missglückte Rückrundenauftakt bringt die Münchner nicht aus der Ruhe. Sie sehen darin sogar einen möglichen Vorteil.

REUTERS
Aus Wolfsburg berichtet
Samstag, 31.01.2015   09:38 Uhr

Als feststand, dass der FC Bayern das Auftaktspiel der Rückrunde gegen den VfL Wolfsburg verlieren würde, und das sogar ziemlich deutlich, da gingen aus allen Ecken des Wolfsburger Stadions Spott und Häme auf die Münchner nieder. "Wisst Ihr noch? Wisst Ihr noch? Fünf zu eins!", riefen die Fans des VfL in Anspielung auf den historischen Wolfsburger Sieg im April 2009, bei dem - zur Erinnerung - die Hacke des damaligen VfL-Stürmers Grafite eine besondere Rolle gespielt hatte. Ein weiterer Schmähgesang stellte die Vormachtstellung des FC Bayern infrage: "Und ihr wollt Deutscher Meister sein?"

Dem Hohn des euphorischen Wolfsburger Publikums lässt sich entgegnen, dass die Münchner nicht nur Deutscher Meister sein wollen. Sie sind amtierender Titelträger. Und trotz der 1:4 (0:2)-Niederlage gegen den VfL zum Start in die Rückrunde stehen die Chancen gut, dass sie auch die laufende Spielzeit als Tabellenerster abschließen. Der Abstand der Bayern auf Wolfsburg beträgt noch immer beruhigende acht Punkte.

Von Panik war nach der ersten Saisonniederlage deshalb nichts zu spüren, auch wenn die Münchner und Torwart Manuel Neuer innerhalb von 73 Minuten genauso viele Tore zugelassen hatten wie in der gesamten Hinrunde.

"Es ist keine Katastrophe ausgebrochen"

Neuer gab sich gelassen und auch Bastian Schweinsteiger wies auf den Vorsprung an der Spitze hin: "Wir haben es weiterhin selbst in der Hand", sagte er. Trainer Josep Guardiola analysierte, dass die Wolfsburger "im richtigen Moment besser" gewesen seien und dass sein Team bei den Kontern der Gastgeber schlecht ausgesehen habe. Zu Wut oder Verzweiflung sah er keinen Anlass. Matthias Sammer, der etatmäßige Mahner der Münchner, meldete sich gar nicht erst zu Wort.

Vorerst haben die Bayern offenbar beschlossen, das 1:4 in Ostniedersachsen als kurzfristigen Ausfall der Systeme zu werten, als Betriebsunfall, der sich schon am Dienstag wieder ausbügeln lässt. Dann ist FC Schalke 04 zu Gast in München (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Die Englische Woche kommt gerade richtig. Es wäre schlimm, wenn wir jetzt acht Tage auf das nächste Spiel warten müssten", sagte Neuer.

Gegen Schalke besteht allerdings erheblicher Verbesserungsbedarf. Die Bayern hatten zwar auch in Wolfsburg mehr Ballbesitz, nämlich 63 Prozent. Echten Zugriff auf das Spiel hatten sie aber nicht. Nach dem zwischenzeitlichen 1:3 durch Juan Bernat in der 55. Minute wurden sie offensiver, was auch an Guardiolas Einwechselungen lag. Doch den Wolfsburger Sieg brachten sie zu keiner Zeit in Gefahr.

Auffällig waren die Stellungsfehler in der Münchner Abwehr, die den Wolfsburgern bei ihren Kontern zugute kamen. Vor Bas Dosts 1:0 nach nur drei Minuten hatte Jérôme Boateng falsch gestanden, beim 3:0 konnte Kevin de Bruyne alleine auf Neuer zulaufen und vor dem 4:1 ließ er Dante stehen wie einen Anfänger. Dazu leistete sich Xabi Alonso erstaunliche Unsicherheiten im Spielaufbau und provozierte mit seinem Schubser gegen Maximilian Arnold kurz vor der Pause eine Rudelbildung. So hat man den Spanier seit seinem Wechsel nach München nicht erlebt.

Ein Einbruch der Bayern ist dennoch unwahrscheinlich

Womöglich schärft der Rückschlag gegen Wolfsburg die Sinne beim Rekordmeister. "Ich will nicht sagen, dass so eine Niederlage gut ist", sagte Arjen Robben, "aber wir haben gesehen, dass wir in der Bundesliga nichts geschenkt bekommen." Boateng sagte: "Vielleicht ist es ganz gut, dass es heute passiert ist, damit wir wach werden." Und Schweinsteiger stellte fest, dass "jeder vielleicht einen Schritt weniger gemacht" habe.

Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass die Meisterfrage längst geklärt scheint, dass die Münchner wissen: Eine Niederlage ist kein Drama. Guardiola wird dafür sorgen müssen, dass sich solches Gedankengut nicht verfestigt in seiner Mannschaft und dass gegen Schalke kein Spieler einen Schritt weniger macht, sondern eher zwei bis drei Schritte mehr. Dann könnte die Niederlage in Wolfsburg tatsächlich ein Warnschuss zur rechten Zeit gewesen sein.

Einen solchen gab es auch in der vergangenen Saison - allerdings nicht in einem Pflichtspiel, sondern im letzten Test vor der Rückrunde. 0:3 verloren die Bayern damals gegen RB Salzburg. Danach, so erzählte es Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge neulich dem "Kicker", sei die Mannschaft hellwach gewesen.

VfL Wolfsburg - Bayern München 4:1 (2:0)
1:0 Dost (4.)
2:0 Dost (45.+2)
3:0 De Bruyne (53.)
3:1 Bernat (55.)
4:1 De Bruyne (73.)
Wolfsburg: Benaglio - Vieirinha, Naldo, Knoche, Rodriguez - Arnold, Luiz Gustavo - Caligiuri (86. Hunt), De Bruyne, Perisic (81. Marcel Schäfer) - Dost (83. Bendtner)
München: Neuer - Rode (51. Weiser), Jérôme Boateng, Dante, Bernat - Alonso - Robben, Schweinsteiger, Alaba, Thomas Müller (71. Götze) - Lewandowski (71. Pizarro)
Schiedsrichter: Welz
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Arnold (4), Luiz Gustavo (7) - Alonso (4), Schweinsteiger

insgesamt 125 Beiträge
Jan P. 31.01.2015
1. So sollten...
alle Mannschaften gegen Bayern spielen. Bearbeitet sie bis zum Umfallen! Bravo!!!!!!! Alles, nur kein vorrauseilender Gehorsam...
alle Mannschaften gegen Bayern spielen. Bearbeitet sie bis zum Umfallen! Bravo!!!!!!! Alles, nur kein vorrauseilender Gehorsam...
kneppe 31.01.2015
2. Weiter so !
Was Wolfsburg schafft, können andere doch auch, oder ?
Was Wolfsburg schafft, können andere doch auch, oder ?
sylkeheimlich 31.01.2015
3.
Was soll`s. Haben wir halt mal verloren. Das passiert eben auch manchmal. WB hat verdient gewonnen, das muss ich zugeben. Und die meinen waren diesmal schlecht, es hat nicht viel gepasst, obwohl die 2. Halbzeit schon besser war. [...]
Was soll`s. Haben wir halt mal verloren. Das passiert eben auch manchmal. WB hat verdient gewonnen, das muss ich zugeben. Und die meinen waren diesmal schlecht, es hat nicht viel gepasst, obwohl die 2. Halbzeit schon besser war. Aber Dienstag werden es die Rote besser machen, davon bin ich überzeugt.
Spanier.cs 31.01.2015
4. Alles easy!
Der Artikel geht genau in die richtige Richtung. Jeder Spieler braucht zwischendurch auch mal eins auf die Mütze, sonst passiert sowas in den wichtigen Spielen. Besser jetzt, als im Halbfinale der Champions League. Auch in Reihen [...]
Der Artikel geht genau in die richtige Richtung. Jeder Spieler braucht zwischendurch auch mal eins auf die Mütze, sonst passiert sowas in den wichtigen Spielen. Besser jetzt, als im Halbfinale der Champions League. Auch in Reihen der Bayern ist Demut angesagt, denn es gibt da draußen einige pfiffige Trainer und hungrige Spieler, die dem FC Bayern auch wehtun können. Trotzdem wird gegen Schalke ein Sieg gefeiert (wenn auch kein deutlicher)!
analyse 31.01.2015
5. Die Wölfe haben wohl zu früh geheult !
Immerhin,für mehr Spannung haben sie gesorgt !
Immerhin,für mehr Spannung haben sie gesorgt !

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