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Bayerns Sieg gegen Schalke

Aufgeholt, aber...

Sieg gegen Schalke, Sieg im Pokal, Konkurrent Dortmund schwächelt: Der FC Bayern hat eine perfekte Woche hinter sich. Eigentlich. Doch selbst die Spieler fragen: Reicht die aktuelle Form für einen Gegner wie Liverpool?

Getty Images
Aus München berichtet Christoph Leischwitz
Sonntag, 10.02.2019   09:53 Uhr

Wie es der Zufall wollte, bog Robert Lewandowski gerade in die Interviewzone ab, als auf den Bildschirmen die Zusammenfassung des BVB-Spiels gegen Hoffenheim lief. Der ehemalige Dortmunder sah interessiert zu, verfiel aber trotz deren 3:3-Remis und dem eigenen 3:1-Erfolg über Schalke 04 keineswegs in Euphorie. "Das sind immer noch fünf Punkte", sagte der Angreifer, der an allen drei Toren beteiligt war und obendrein am Samstagabend beim 2:1 (27.) seine persönliche 100-Tore-Marke in der heimischen Arena geknackt hatte. Mit anderen Worten: Im Moment ist noch gar nichts erreicht.

"Es war eine schöne Woche für uns", sagte Bayerns Präsident Uli Hoeneß nach dem Spiel. Und sie hätte tatsächlich kaum besser laufen können: Im Pokal ist mit Dortmund der größte Konkurrent ausgeschieden, man selbst ist bei Hertha BSC weitergekommen, und hat offensichtlich die 120-Minuten-Partie unter der Woche besser verkraftet.

Während Dortmund eine Drei-Tore-Führung aus der Hand gab, brachten die Bayern ihre Führung gegen Ende im Verwaltungsmodus über die Bühne. Schon vor dem Anpfiff waren sie obendrein bereits wieder auf den zweiten Platz gesprungen, weil die punktgleichen Mönchengladbacher so deutlich verloren hatten.

Liverpool als Gradmesser

Der westfälische Ausrutscher wurde genutzt, und die daraus resultierende gute Nachricht lautet: Die Meisterschaft ist wieder etwas spannender geworden. Aber einen Showdown machen die Bayern daraus bislang noch nicht, im Gegenteil. Sie lassen selbst nach der perfekten Woche weiterhin eine Brust-raus-Mentalität vermissen.

Vielmehr beschäftigte man sich hernach ausführlich mit den eigenen Fehlern. Denn was bringt es schon, wenn man 70 Prozent Ballbesitz hat, und der Gegner trotzdem "zu Chancen kommt, obwohl er eigentlich gar nicht im Spiel" ist, wie Joshua Kimmich es formulierte? Man betreibe so viel Aufwand, der Gegner müsse überhaupt keinen Aufwand betreiben, sondern nur die Fehler nutzen.

Diesmal hatte ein Fehlpass von James den zwischenzeitlichen Ausgleich der Schalker durch den 18-jährigen Ahmed Kutucu eingeleitet. "Gefühlt konnte uns Schalke gar nicht wehtun", ärgerte sich Kimmich. Individuelle Fehler seien "das Problem, das sich durch die ganze Saison zieht".

Sein Abwehrkollege David Alaba meinte: "Wenn in solchen Spielen die Fehler so bestraft werden, dann wird's in den nächsten Wochen nicht einfacher. Das ist uns bewusst." Es ist klar, wen er meinte: Das Champions-League-Duell mit dem FC Liverpool (19. Februar, 21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky), dem ultimativen Gradmesser für die Bayern unter ihrem jungen Trainer Niko Kovac.

Mangelnde Souveränität

Dass die Bayern hauptsächlich von einem verunsicherten Gegner zum Toreschießen eingeladen wurden, mag das Eigenlob ebenfalls kleingehalten haben. So war das 1:0 per Slapstick-Eigentor durch Jeffrey Bruma (12.) lediglich das Ende einer haarsträubenden Fehlerkette, für die die Bayern wenig konnten. Umgekehrt hätten mehrere Fehler der Münchner leicht bestraft werden können. Abgesehen vom temporeichen Flügelspiel über Kingsley Coman und Serge Gnabry, die mal wieder zu den Besten gehörten, bewegte sich die Partie auf überschaubarem Niveau.

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Bayern-Sieg gegen Schalke: Eine Nummer zu groß

Neben dem Platz ist die mangelnde Souveränität aber fast noch auffälliger. Dortmunds Schwächephase interessiere ihn nicht, sagte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Und tobte sich viel lieber auf einem Nebenschauplatz aus. Zunächst stellte er die Leistung Lewandowskis heraus, nur um sich damit selbst eine Steilvorlage dafür zu geben, den Sky-Experten Didi Hamann abzuwatschen. Der frühere Bayern-Spieler hatte über den Polen gesagt, er werde "zum Problem" für den Verein. Salihamidzic sprach nun, fast eine Woche später, von einer "Kampagne" gegen einen der besten Stürmer der Welt. "Lewandowski ist nicht das Problem des FC Bayern, Didi Hamann ist das Problem von Sky", sagte er.

Eigentlich hätte Salihamidzic gar nicht mehr darüber reden müssen. Lewandowskis Leistung auf dem Platz hatte das schon getan.

Unklare Rückkehr von Manuel Neuer

Zweitens wirft das Rätselraten um die Verletzung von Torwart Manuel Neuer die Frage auf, was es eigentlich bringt, die genaue Diagnose zu verheimlichen. Trainer Niko Kovac sprach unter der Woche in dieser Angelegenheit gar von "ärztlicher Schweigepflicht" und "Datenschutz". Neuer setzte gegen seinen einstigen Klub schon zum dritten Mal aus. Am Samstagabend schritt er mit den Händen in den Jackentaschen versteckt zum Stadionausgang. "Bild" berichtete von einem "Skidaumen", was jedoch wenig über die Heilungsdauer verrät.

Nein, es gebe hierzu nichts Neues, behauptete Salihamidzic wieder einmal. Gab es aber doch. Ersatzmann Sven Ulreich sagte, er gehe davon aus, dass Neuer am kommenden Freitag beim Spiel in Augsburg wieder im Tor stehen wird. Wer immer es sein wird: Die Bayern würden schon allein für das Selbstvertrauen bei der Liverpool-Generalprobe sehr gerne noch einmal zu Null gewinnen. Das ist ihnen im Jahr 2019 bisher noch nicht gelungen.

Bayern München - Schalke 04 3:1 (2:1)
1:0 Bruma (12., Eigentor)
1:1 Kutucu (25.)
2:1 Lewandowski (27.)
3:1 Gnabry (57.)
München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba - Thiago, Goretzka - Gnabry (89. Davies), James (78. Martínez), Coman (68. Ribéry) - Lewandowski
Schalke: Fährmann - Caligiuri, Sané, Bruma, Oczipka - Rudy (33. Mascarell), Bentaleb - Serdar (54. Harit), Konoplyanka - Kutucu (73. Uth), McKennie
Schiedsrichter: Daniel Siebert
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lewandowski - Caligiuri (5), Bruma

insgesamt 67 Beiträge
tairen 10.02.2019
1. Es ist auch keine breite Brust angebracht..
Die englische Woche hat gezeigt, dass noch vieles nicht stimmt. Niederlage gegen Leverkusen nach eigener Führung, durch einen Hummels Blackout Verlängerung im Pokal und der Ausgleich für schlanke nach einen simplen Fehlpass. [...]
Die englische Woche hat gezeigt, dass noch vieles nicht stimmt. Niederlage gegen Leverkusen nach eigener Führung, durch einen Hummels Blackout Verlängerung im Pokal und der Ausgleich für schlanke nach einen simplen Fehlpass. Klar waren die Bayern die bessere Mannschaft aber man hilft den Gegner wieder ins Spiel zu kommen. Das große Problem ist, dass Liverpool solche Hilfe eigentlich garnicht braucht um seine Gegner zu zerlegen und wenn sich Bayern auch noch selber aktive Sterbehilfe leistet dann kann das ganz, ganz finster werden. Die Bayern wissen das natürlich und versuchen fieberhaft die Fehler abzustellen. Solange das nicht klappt gibt es keinen Grund großartig Attacke zu blasen.
skeptikerjörg 10.02.2019
2. Nicht falsch
Die Analyse und die Aussagen von Kimmich sind nicht grundsätzlich falsch. Klar, die Bayern beherrschten den Gegner und waren nicht in Gefahr, dass Spiel nicht zu gewinnen. Aber wenn ein so schwacher und verunsicherter Gegner, wie [...]
Die Analyse und die Aussagen von Kimmich sind nicht grundsätzlich falsch. Klar, die Bayern beherrschten den Gegner und waren nicht in Gefahr, dass Spiel nicht zu gewinnen. Aber wenn ein so schwacher und verunsicherter Gegner, wie Schalke es gestern war, trotzdem zu so vielen Chancen kommt, dann sollte das zu denken geben. Und wenn beim Ausgleich ein 18jähriger mit Ball gleich drei Abwehrspielern ohne Ball wegläuft, auch. Vielleicht wäre Martinez auf der VI doch hilfreicher als 2 nach vorne orientierte Sechser.
halverhahn 10.02.2019
3. Letztlich heißt es abwarten...
Man kann jetzt viel spekulieren. In der derzeitigen Verfassung sehe ich den FCB absolut nicht auf Augenhöhe mit Liverpool. Im Gegenteil, dass könnte in ner ausgemachten Klatsche bzw Blamage für die Bayern ausarten. Aber... Erst [...]
Man kann jetzt viel spekulieren. In der derzeitigen Verfassung sehe ich den FCB absolut nicht auf Augenhöhe mit Liverpool. Im Gegenteil, dass könnte in ner ausgemachten Klatsche bzw Blamage für die Bayern ausarten. Aber... Erst muss noch gespielt werden. Und hoffentlich wachsen die Bayern wieder an ihrer Aufgabe...
schueler79 10.02.2019
4. Jammern auf hohem Niveau
Gebe dem Artikel recht, zu oft bringen sich die Bayern durch eigene Schludrigkeit in Bedrängnis. Aber es ist ja auch ein Umbruch und war zu erwarten, zudem kann man es nach sechs Meistertiteln in Folge auch mal verkraften wenn [...]
Gebe dem Artikel recht, zu oft bringen sich die Bayern durch eigene Schludrigkeit in Bedrängnis. Aber es ist ja auch ein Umbruch und war zu erwarten, zudem kann man es nach sechs Meistertiteln in Folge auch mal verkraften wenn man nicht Meister wird, auch wenn das die Medien nicht gerne hören ist es doch DIE Story. Eigentlich sind diese Fehler doch ein Segen für die BuLi, denn sonst wären die Bayern wahrscheinlich wieder allen enteilt. Dann hieße es wieder es wäre langweilig... komisch als der BVB sieben Punkte Vorsprung hatte sprach niemand von Langeweile.
sani 10.02.2019
5. Lewandowski
Man kann einen, der mit 30 noch nicht über buli hinauskam, mantraartig unentwegt weltklasse zusprechen. Wenn die Expertenmeinung, hamann ist ja auch kein einzelfall, dem jedoch widerspricht, sollte man dies akzeptieren können. [...]
Man kann einen, der mit 30 noch nicht über buli hinauskam, mantraartig unentwegt weltklasse zusprechen. Wenn die Expertenmeinung, hamann ist ja auch kein einzelfall, dem jedoch widerspricht, sollte man dies akzeptieren können. Und schliesslich schickt lewandowski seine berater alle 6 monate mit dem Auftrag los, ihn bei irgend einem top club unterzubringen. Da aber seit Jahren überall abgewunken wird, ist hamanns Einschätzung und die vieler anderer wohl doch nicht so exklusiv. Ob es an seinem Charakter, fehlender Qualität in ernsthaften Spielen oder an seinem märchengehalt liegt, dass er nirgendwo unterkommt? Wohl bissel von allem...
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