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Klopps Rückkehr nach Dortmund

Der Liverpöhler

Erstmals ist Jürgen Klopp als Liverpool-Trainer zu Gast beim BVB. In Dortmund hat er große Siege und viel Spektakel erlebt. Das könnte ihm jetzt helfen.

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Donnerstag, 07.04.2016   13:42 Uhr

"Für immer in unseren Herzen" stand auf der Werbebande rund um das Spielfeld. Lautstarke Sprechgesänge schallten von den Rängen des Stadions. Noch einmal blickte Jürgen Klopp als Trainer von Borussia Dortmund nach einem Heimspiel auf das Fahnenmeer der Südtribüne. Er nahm seine Borussia-Mütze und verbeugte sich nach dem damaligen 3:2-Erfolg gegen Werder Bremen vor der gelben Wand. Ein letztes Mal zeigte der Mann, der die Pöhler-Kappe salonfähig gemacht hat, seinen Jubellauf. Dann waren sieben Jahre Dortmund vorbei.

In einer Videobotschaft verabschiedete Klopp sich im Mai 2015 mit den Worten: "Wir sehn uns. Ganz bestimmt. Irgendwann." Dass es so schnell gehen würde, hat wohl auch der Trainer nicht geahnt. Am Donnerstag (21.05 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist Klopp erstmals nach nur 320 Tagen wieder da. Dann tritt er mit dem FC Liverpool zum Viertelfinal-Hinspiel der Europa League an. Es wird ein besonderes, ein emotionales Wiedersehen. "Ich hasse den Hype um meine Person in diesen Partien", sagte der 48-Jährige. Gerade diese besondere Atmosphäre könnte ihm jedoch einen Vorteil bringen, wenn sie sich auf das Spiel überträgt - denn dort ist Liverpool Außenseiter.

Diese Gefahr sieht Hans-Joachim Watzke: "Dass eine Art Freundschaftsspiel-Atmosphäre entsteht, wäre der größte Fehler, den wir alle machen können", sagte der BVB-Geschäftsführer im ZDF-Sportstudio. Watzke befürchtet, dass Klopp seinen Ex-Verein "einlullen" und dass er "die Fans auf seine Seite ziehen" wolle. Deshalb appellierte der 59-Jährige auch an die eigenen Anhänger: "Ich kann nur hoffen, dass die Fans ihre Zuneigung und ihren Respekt, den er sich in sieben Jahren erarbeitet hat, erst nach dem Spiel zeigen. Nicht davor und nicht während des Spiels."

Liverpool in der Europa-League-Saison noch ohne Niederlage

Denn das hätte mit Sicherheit einen größeren Einfluss auf den BVB als auf Liverpool. Die meisten Dortmunder Spieler hat Klopp selbst noch trainiert. Dass Watzke erhört wird und es vor und während der Partie zu keinem Zeitpunkt emotional wird, ist dabei nahezu ausgeschlossen. Zu gut war das Verhältnis zwischen Klopp und den Fans. Zu viel haben der Verein und ihr ehemaliger Trainer miteinander erlebt - gerade in Dortmund, dieser laut Klopp "großartigen Stadt" mit diesem "wundervollen Stadion", gab es viele besondere Momente. "Ich habe diesen Ort geliebt. Einige der besten Dinge meines Lebens sind dort passiert", sagte der Coach kurz nach der Auslosung.

2011 und 2012 machte der BVB unter ihm jeweils die Meisterschaft im eigenen Stadion perfekt. Dazu gab es immer wieder spektakulären Fußball. Unvergessen bleibt das Weiterkommenim Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Málaga mit zwei Toren in der Nachspielzeit. Auf ein ähnliches Dortmunder Fest würde Klopp nun gern verzichten, er möchte Liverpools Europa-League-Serie fortsetzen.

Im laufenden Wettbewerb haben die Reds bei sechs Remis und vier Siegen noch kein Spiel verloren. Der BVB unterlag bereits zweimal. Schon ein Unentschieden wäre für Liverpool im Hinspiel ein gutes Ergebnis - gerade, wenn die Gäste selbst ein Tor schießen. Dann hätte der Premier-League-Klub im Rückspiel an der legendären Anfield Road durchaus gute Chancen aufs Weiterkommen.

Klopp liegt in der Bilanz gegen Tuchel deutlich vorn

Mit Gastgeschenken kann die Borussia also nicht rechnen. Schon wenn Klopp zu BVB-Zeiten auf seine Mainzer traf, machte der Trainer seine professionelle Haltung klar: "Ich gönne diesem Verein wirklich alles. Aber zweimal im Jahr wollen wir sie schlagen", sagte Klopp einst als Dortmunder Trainer über den FSV, bei dem er insgesamt 18 Jahre verbracht hatte. Dieses Credo vertritt er auch gegen die Borussia: "Ich will sie schlagen, obwohl alle meine Freunde sind", sagte Klopp.

An seinen Nachfolger muss er sich nicht gewöhnen. Auf seiner ehemaligen Trainerbank sitzt wieder mal Thomas Tuchel, der bereits in Mainz - mit einem Jahr Verzögerung - auf Klopp gefolgt war. Auch das macht das ganze Duell besonders. Die persönliche Bilanz des neuen BVB-Coaches gegen den alten ist durchwachsen. Tuchel gewann in zehn Spielen nur einmal und kassierte bei zwei Remis sieben Niederlagen gegen Klopp.

Gegen kaum einen Trainer, auf den er regelmäßig traf, hat Tuchel eine schlechtere Bilanz. Das liegt allerdings auch daran, dass er im direkten Aufeinandertreffen zwischen Mainz und Dortmund immer den Außenseiter trainierte. Das ist jetzt anders. Tuchel hat den BVB seit Klopps Abgang mit einem neuen Stil bereits geprägt und weiterentwickelt. Das erkennt auch Klopp, der Dortmund zuletzt als "haushohen Favorit im Wettbewerb" bezeichnete.

Understatement ist für Klopp nicht neu, das hat er bereits in Dortmund gepredigt. In diesem Fall könnte er allerdings recht haben - weshalb er sich entgegen der eigenen Aussage vielleicht doch eine spezielle Atmosphäre wünscht. Ohnehin wird es spätestens dann emotional, wenn Klopp erstmals seit fast einem Jahr wieder vor der gelben Wand steht, diesmal in rot.

Geht es nach Hans-Joachim Watzke, passiert das allerdings erst nach dem Schlusspfiff einer hart umkämpften Partie.

Klopps Pressekonferenz in Dortmund im Video

Foto: SPIEGEL ONLINE

insgesamt 12 Beiträge
Draco Silvano 07.04.2016
1.
Ich denke hier wird von den Medien viel "Rummel" um etwas gemacht, was die Spieler auf dem Platz gar nicht mitbekommen. Denn dort stehen sich je 2 Teams gegenüber, die beide weiterkommen wollen. Wer da nun an der [...]
Ich denke hier wird von den Medien viel "Rummel" um etwas gemacht, was die Spieler auf dem Platz gar nicht mitbekommen. Denn dort stehen sich je 2 Teams gegenüber, die beide weiterkommen wollen. Wer da nun an der Seitenlinie "herumhüpft", hat (bis auf eventuell taktische Eingriffe des Trainers) keinen Einfluss auf den Spielverlauf. Denn es spielt immer noch Dortmund gegen Liverpool und nicht Dortmund gegen Klopp. Beide Teams sind motiviert. Da wird es weder von der einen noch von der anderen Seite irgendwelche Geschenke geben. In dem Sinne hoffe ich auf ein schönes Spiel mit einer sicherlich tollen Atmosphäre.
hansfrans79 07.04.2016
2. Klopp ist unsportlich
Ekelhaft wie sich die Öffentlichkeit so um den Finger wickeln lässt von Aggro Klopp mit seinen immer wiederkehrenden Ausrastern, die dann als Emotion und Leidenschaft verkauft werden. Als hätten andere Trainer keine [...]
Ekelhaft wie sich die Öffentlichkeit so um den Finger wickeln lässt von Aggro Klopp mit seinen immer wiederkehrenden Ausrastern, die dann als Emotion und Leidenschaft verkauft werden. Als hätten andere Trainer keine Leidenschaft.
#hotteffm 07.04.2016
3. Klopp is coming home
"He is coming home, he is coming home, he is coming, Klopp is coming home..." Die Fans sollten zu Beginn Klopp huldigen. Das würde ihn und die Liverpooler Spieler erst mal in Erstaunen versetzen, was wiederum der BVB [...]
"He is coming home, he is coming home, he is coming, Klopp is coming home..." Die Fans sollten zu Beginn Klopp huldigen. Das würde ihn und die Liverpooler Spieler erst mal in Erstaunen versetzen, was wiederum der BVB eiskalt nutzen sollte ;-)) ich freu mich auf das Spiel!
prince62 07.04.2016
4. Wieder mal der Götzenkult um Klopp
Das Theater, das SPON mit Klopp seit dem Wechsel nach Liverpool darbietet nennt man schlicht und einfach Götzenanbeterei und ist wohl die schlimmste Art der Gotteslästerung. Wobei ja anzumerken bleibt, daß Klopp in Liverpool [...]
Das Theater, das SPON mit Klopp seit dem Wechsel nach Liverpool darbietet nennt man schlicht und einfach Götzenanbeterei und ist wohl die schlimmste Art der Gotteslästerung. Wobei ja anzumerken bleibt, daß Klopp in Liverpool auch nicht mehr erreicht hat, als jeder andere durchschnittliche 1. Ligatrainer erreicht hätte, nämlich absolut Nichts, jedenfalls nichts ewähnenswertes.
prince62 07.04.2016
5. Gehts gegen Mainz 05?
Ach, die Engländer spielen heute gegen Mainz 05?
Zitat von #hotteffm"He is coming home, he is coming home, he is coming, Klopp is coming home..." Die Fans sollten zu Beginn Klopp huldigen. Das würde ihn und die Liverpooler Spieler erst mal in Erstaunen versetzen, was wiederum der BVB eiskalt nutzen sollte ;-)) ich freu mich auf das Spiel!
Ach, die Engländer spielen heute gegen Mainz 05?

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2011 FC Porto
2010 Atlético Madrid
2009 Schachtar Donezk
2008 Zenit Sankt Petersburg
2007 FC Sevilla
2006 FC Sevilla
2005 ZSKA Moskau
2004 FC Valencia
2003 FC Porto
2002 Feyenoord Rotterdam
2001 FC Liverpool
2000 Galatasaray Istanbul
1999 AC Parma
1998 Inter Mailand
1997 FC Schalke 04
1996 FC Bayern München
1995 AC Parma
1994 Inter Mailand
1993 Juventus Turin
1992 Ajax Amsterdam
1991 Inter Mailand
1990 Juventus Turin
1989 SSC Neapel

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