Sport

Ajax 1:1 gegen Juventus

Rauschhaft remis

Ajax Amsterdam zeigt im Champions-League-Viertelfinale beeindruckenden Offensiv-Fußball und bringt Juventus in Bedrängnis. Doch für den Einzug ins Halbfinale braucht es dringend mehr Effizienz.

ROBIN VAN LONKHUIJSEN / EPA-EFE/REX

Ajax-Profi David Neres (r.)

Aus Amsterdam berichtet
Donnerstag, 11.04.2019   07:30 Uhr

Das Foul mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis des Champions-League-Viertelfinal-Hinspiels zwischen Ajax Amsterdam und Juventus leistete sich Jurgen Ekkelenkamp in der Nachspielzeit. Beim Stand von 1:1 konterten die Gäste aus Italien gerade über die linke Seite. In der Mitte beschleunigte Juves Starangreifer Cristiano Ronaldo, wurde aber von Ekkelenkamp jäh gestoppt, indem der Niederländer beherzt zupackte.

Das Ergebnis: Ronaldo lag am Boden und schimpfte, Ekkelenkamp sah die Gelbe Karte. Viel wichtiger aber für den Ajax-Mittelfeldspieler: Sein Team kassierte keinen weiteren Treffer.

Man schätzt den Verlauf dieser Partie wohl nicht völlig falsch ein, wenn man davon ausgeht, dass Ronaldo eine Chance auf seinen zweiten Treffer gehabt hätte, wäre er nicht niedergerungen worden. Denn Juve war an diesem Abend, positiv ausgedrückt, äußerst effektiv. Aus wenigen Chancen machten die Italiener eine ganze Menge: Eine ähnliche Konter-Situation wie in der Nachspielzeit, da allerdings über die rechte Seite, hatte Ronaldo bereits in der ersten Hälfte für das 1:0 per Kopf genutzt (45. Minute).

Als wäre es eine lockere Aufwärmübung

Douglas Costa hatte nach einem der wenigen Durchbrüche von Juventus den Pfosten getroffen (85.). Federico Bernardeschi und erneut Ronaldo setzten zwei weitere Schüsse knapp neben das Tor. Und das waren dann auch schon fast alle Versuche, die Juve hatte. Sieben Stück - mehr waren es nicht. Die eigentliche Geschichte des Spiels war aber die Zahl, die auf Ajax-Seite in dieser Rubrik stand: 19.

19 Mal hatten die Niederländer in Richtung des Juve-Tors (oder daneben) geschossen. Fast 30 Prozent der Partie hatte sich in dem Drittel um den Strafraum der Italiener abgespielt. Diese trockenen Zahlen sahen in ihrer Entstehung auf dem Rasen oft spektakulär aus.

Immer wieder überrannte Ajax das Juve-Mittelfeld oder zerlegte die Ordnung des Gegners mit Direktpass-Stafetten. Hacke, Spitze één, twee, drie: Noch im gegnerischen Strafraum wurde der Ball teilweise hinter dem Rücken weitergespielt, über den Gegner gelupft, oder mit größter Ruhe in die Lücke gepasst. Als wäre das hier eine lockere Aufwärmübung auf dem Trainingsplatz am Montagmorgen.

Passstafetten ohne Ende - aber das einzige Tor fällt nach einer Einzelleistung

Im Zentrum des Spektakels stand Frenkie de Jong. Laut Taktikvorschau eigentlich im Mittelfeld angesiedelt, spielte er meist so etwas wie einen Quarterback, der von der hintersten Position aus die Bälle verteilte. Oder im defensiven Mittelfeld, wo er die Bälle oft direkt weiterleitete, womit er Juves Druck leichtfüßig entschärfte. Wenn er sich nicht vorher so geschickt freigelaufen hatte, dass überhaupt kein Gegenspieler in der Nähe stand.

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Ajax-Unentschieden gegen Juve: Ziyech zaubert, Neres tanzt

Auch für unspektakuläre Rückpässe war sich De Jong nicht zu schade, wohl auch, weil er den Ball meist Sekunden später wieder am Fuß führte, so sehr war das Ajax-Angriffsspiel auf ihn zugeschnitten. Es ist angesichts solcher Leistungen kein Wunder, dass sich der FC Barcelona die Dienste des 21-Jährigen zur kommenden Saison gesichert hat.

Die Ironie dieses Spiels: Ausgerechnet der Ausgleich resultierte nicht aus einem dieser zahlreichen, (für Juve) schwindelerregenden Ajax-Attacken, sondern aus einer Einzelleistung. Wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff, die Fans sangen noch die Liedzeilen "Everything's Gonna Be Alright" von Bob Marley, konnte David Neres Juve-Rechtsverteidiger João Cancelo den Ball abnehmen, in den Strafraum dribbeln - und dort zum 1:1 treffen.

"Wir sind ganz gut weggekommen"

Trotz der beeindruckenden Leistung blieben von Amsterdams Auftritt vor allem die großen Versäumnisse vor dem Tor hängen. Oft zielten die Ajax-Spieler nicht genau genug, hier tat sich vor allem der angeblich vom BVB umworbene Hakim Ziyech hervor. Dann war kein Druck hinter den Schüssen - oder Juve-Keeper Wojciech Szczesny entschärfte die Versuche. "Wir haben viele Möglichkeiten kreiert. Es ist schade, dass wir nicht noch ein zweites Tor erzielt haben", sagte Ajax-Coach Erik ten Hag.

Juventus kann sich angesichts des Spielverlaufs über das Ergebnis freuen. "Wir sind ganz gut weggekommen", sagte Turins Trainer Massimiliano Allegri, der den "starken Gegner" lobte. "Ajax hat eine große technische Qualität, das hat man heute gesehen." Juve kann vor allem dank des Auswärtstreffers von Ronaldo optimistisch ins Rückspiel gehen - auch wenn sich ein Auftritt wie in der zweiten Hälfte "nicht wiederholen sollte", wie Allegri sagte.

Ajax Amsterdam - Juventus 1:1 (0:1)
0:1 Ronaldo (45.)
1:1 Neres (46.)
Ajax Amsterdam: Onana - Veltman, de Ligt, Blind, Tagliafico - Schöne (75. Ekkelenkamp), de Jong - Ziyech, van de Beek, David Neres - Tadic
Juventus: Szczesny - Joao Cancelo, Rugani, Bonucci, Alex Sandro - Bentancur, Pjanic, Matuidi (75. Dybala) - Bernadeschi (90.+3 Khedira), Mandzukic (60. Douglas Costa), C. Ronaldo
Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande
Gelbe Karten:
Tagliafico, de Jong, Schöne, Ekkelenkamp / Pjanic
Zuschauer: 50.390

insgesamt 6 Beiträge
bcpt8 11.04.2019
1.
Nach zunächst minutenlangem Powerplay der "jungen Wilden" aus Amsterdam und quasi eingesperrt in der eigenen Häfte durch den hochpressenden Gastgeber, wirkte die "Alte Dame" aus Turin erstmal zerzaust und [...]
Nach zunächst minutenlangem Powerplay der "jungen Wilden" aus Amsterdam und quasi eingesperrt in der eigenen Häfte durch den hochpressenden Gastgeber, wirkte die "Alte Dame" aus Turin erstmal zerzaust und erschrocken. Aber wie im Artikel geschrieben: Im Rausch der Spielfreude und des Draufgängertums, das int. Establishment weiterhin und mit z. T. noch rohdiamantenem Balltalent zu verblüffen und aufzumischen, verlor sich im kleinteiligen und vielleicht auch bisschen selbstverliebten Kombinationsspiel der rote Faden, die Ernte und damit das eigentliche Ziel im Ergebnissport mit letzter Konsequenz, Konzentration und öfters auch mal auf dem kürzesten Weg einzufahren. Das Achtelfinal-Hinspiel zuhause gegen Real ließ grüßen. Den Mehrwert an Erfahrung und spielökonomischem Bewusstsein exemplifizierte Ronaldo dann an seinem Führungstreffer: Einmal richtig durchgestartet vom Mittelfeld bis vors gegnerische Gehäuse, den ungedeckten Raum erkannt und besetzt, schließlich die mustergültige Vorlage verwertet. Anzumerken war dem Portugiesen freilich, dass ihm der vorzeitig selbstzufriedene Verwaltungsmodus seiner Kollegen beim Stand von 1:1 nicht schmeckte, wenn er ohne Unterstützung verwaist im Niemandsland verzweifelt winkend SOS-Signale von sich gab. Seine Laune hob sich erst, als er im eingewechselten Costa und dessen offfensiven Turboaktionen einen Gleichgesinnten fand. Defensiv blieben die beiden tiefstehenden Viererreihen der Turiner bisweilen auch beim Verschieben aufgereiht wie fast schon mit dem Lineal gezogen. Dass sich Ronaldo nicht zu schade war, zur Remis-Abicherung gegen die Ajax-Schlussoffensive hinten auszuhelfen, darf ten Hag als weiteres Kompliment für seine Mannen nehmen. Noch hat Ajax als Underdog mehr zu gewinnen als zu verlieren, spielt ohne allzu enge Taktikfesseln befreit auf und schöpft kraft seines Potentials und mannschaflticher Geschlossenheit genug Selbstvertrauen und Hunger, weiter Richtung int. Gipfel zu stürmen. Schon in der nächsten Saison werden bekanntlich transferbedingt mit de Jong, voraussichtlich de Ligt und wem sonst noch gerade erst aufblühende Säulen wegbrechen, die dann trotz hoher Transfereinnahmen erst wieder qualitativ mind. gleichwertig ersetzt werden wollen. Für den Moment aber freut's mich, wie in der "Königsklasse" zur Abwechslung mal wieder ein neuer und unverbrauchter Kandidat gegen die Phalanx der üblichen verdächtigen Großklubs ein kleines Erfolgsmärchen schreibt. Auch wenn die "Alte Dame" im Rückspiel den Schlussakkord bei "Juve vs. juvenil" zu ihren Gunsten setzen sollte.
schorri 11.04.2019
2. Absolut unverdient
Absolut unverdient für Juventus. Aber: 1. Was ist bei der circensischen Vorstellung namens "Fußball" (oder anderen dieser Art "unverdient"? 2. It's Circus, stupid. 3. Das Tor toll gemacht. Superweicher [...]
Absolut unverdient für Juventus. Aber: 1. Was ist bei der circensischen Vorstellung namens "Fußball" (oder anderen dieser Art "unverdient"? 2. It's Circus, stupid. 3. Das Tor toll gemacht. Superweicher Heber von Cancelo. Und ebenso super abgeschlossen vom größten Gockel der Fußballgeschichte.
rocknrolf88 11.04.2019
3. bcpt8
SPON-Fußballreporter aufgepasst. Da bewirbt sich gerade ein Kenner für euren Job. Nicht schlecht, bcpt8, vielleicht doch ein kleines Bisschen zu pomadig. ?
SPON-Fußballreporter aufgepasst. Da bewirbt sich gerade ein Kenner für euren Job. Nicht schlecht, bcpt8, vielleicht doch ein kleines Bisschen zu pomadig. ?
bcpt8 11.04.2019
4.
Der übliche Bewerbungsweg dürfte da ggf. eher zielführend sein. Und würde u. a. die Foren-Moderation entlasten. Den "Kenner" nehme ich (mal ohne Ironiedetektor) gerne als Freundlichkeit, wenngleich zu [...]
Zitat von rocknrolf88SPON-Fußballreporter aufgepasst. Da bewirbt sich gerade ein Kenner für euren Job. Nicht schlecht, bcpt8, vielleicht doch ein kleines Bisschen zu pomadig. ?
Der übliche Bewerbungsweg dürfte da ggf. eher zielführend sein. Und würde u. a. die Foren-Moderation entlasten. Den "Kenner" nehme ich (mal ohne Ironiedetektor) gerne als Freundlichkeit, wenngleich zu schmeichelhaft an - und "...pomadig" mir zu Herzen (falls der Schreibstil gemeint ist). Setze da aber mehr auf Ihre Langmut als auf schnelle Besserung meinerseits, jeder steckt halt in seiner Haut. ;-)
meresi 11.04.2019
5. Frisches Blut für das Fussballforum
ein Beitrag der begeistert. Ein Bewerbungsschreiben, dass wahrscheinlich vom SPON gefliesentlich übersehen wird. Kritik am live ticker hatte ich schon mehrmals angebracht, welcher mMn ziemlich schwach gestaltet ist. Vor allem [...]
ein Beitrag der begeistert. Ein Bewerbungsschreiben, dass wahrscheinlich vom SPON gefliesentlich übersehen wird. Kritik am live ticker hatte ich schon mehrmals angebracht, welcher mMn ziemlich schwach gestaltet ist. Vor allem vermisse ich die Möglichkeit von Kommentaren seitens der Forenteilnehmer. Aber dazu hat sich SPON auch noch nie geäußert. Genau so wenig wie zu dem Umstand dass die SPONseite online auf meinem laptop ziemlich oft abstürzt, das Fenster für Beiträge immer länger wird so das man ewig nach unten scrollen muß bis man das geschriebene absenden kann. Und last but not least, diese Empfindlichkeit einiger Schreiber oder Moderatoren die nicht genehme Absonderungen einfach in die Tonne werfen. So schaut's aus...

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