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Bayerns Erfolg gegen Piräus

Mauern für Dortmund

Defensive zuerst: Bayerns Interimscoach Hansi Flick hat die Champions-League-Partie gegen Piräus als Testlauf für das Bundesliga-Spitzenspiel gegen den BVB genutzt. Dieser gelang nur teilweise.

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Hansi Flick

Von
Mittwoch, 06.11.2019   22:15 Uhr

Mitarbeiter der Saison: In dieser Woche wurde eine schlechte und eine gute Nachricht für den FC Bayern bekannt: Stürmerstar Robert Lewandowski muss sich einer Operation an der Leiste unterziehen. Allerdings ist der Torjäger schmerzfrei, kann selbst entscheiden, wann die OP stattfinden soll, und natürlich wird sie nicht jetzt während seiner aktuellen Traumform stattfinden. So wussten die Münchner Lewandowski auch an diesem Abend in der Champions League gegen Olympiakos Piräus auf ihrer Seite - der Angreifer setzte seinen beeindruckenden Torlauf fort und steht nun bei 21 Pflichtspieltreffern nach 17 Saisoneinsätzen. So viele Treffer, aber dieser war besonders wichtig.

Ergebnis: Das Lewandowski-Tor in der 69. Minute war die Erlösung einer mäßigen Bayern-Partie nach der Trennung von Trainer Niko Kovac. Das 2:0 durch Ivan Perisic in der 89. Minute machte den ersten Sieg unter Interimscoach Hansi Flick perfekt. Damit stehen die Bayern vorzeitig im Achtelfinale der Königsklasse. Hier geht es zum Spielbericht.

Der erste Eindruck: Sicherheitsmaßnahmen gehören zum Standardrepertoire neuer Trainer bei kriselnden Teams, und der ehemalige Assistent von Bundestrainer Joachim Löw gilt als besonders pragmatischer Coach. Es überraschte also nicht, dass Flick dort ansetzte, wo es den Bayern unter Ex-Coach Kovac besonders häufig wehtat: im zentralen Mittelfeld und der Abwehrmitte. Ohne den schwächelnden Thiago und dafür mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich und dahinter Javi Martínez und David Alaba in der Innenverteidigung sollten Defensivprobleme (bisher 16 Gegentreffer in der Bundesliga) keine Rolle beim Flick-Debüt spielen.

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Bayern-Sieg gegen Piräus: Hansi im Glück

Pragmatiker und Tüftler: Nun ist Olympiakos Piräus als Letzter der Bayern-Gruppe nicht der Gegner, gegen dessen Offensive man mit einer über Jahre etablierten Festung reagieren muss und stattdessen kleinere Experimente wie das neue Verteidiger-Duo Martínez/Alaba wagen kann. Die Aufstellung der Münchner dürfte also schon in Richtung Borussia Dortmund und Bundesliga-Topduell am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sky) gedacht gewesen sein, zumal dann auch noch Jérôme Boateng (einer der letzten gesunden etatmäßigen Innenverteidiger im Kader) wegen seiner Roten Karte gegen Eintracht Frankfurt fehlen wird.

Erste Hälfte: Die lief so ab, wie man das erwarten darf, wenn die kreativen Passgeber Thiago oder Coutinho draußen sitzen. Sie war geprägt von wenig Ideen in der Ballverteilung und lange nur mittelmäßigen Torchancen: Fernschuss Leon Goretzka (5. Minute), Kopfball Lewandowski (25.), Solo Kingsley Coman (34.). Die beste Gelegenheit vergab Benjamin Pavard, als er nach einem Kopfball den Pfosten traf (45.).

Start der zweiten Hälfte: Ob in den vergangenen Tagen an der Säbener Straße wieder die Flickschen Standard-Castings wie einst während der Fußball-WM 2014 stattgefunden haben, ist nicht bekannt. Aber als Joshua Kimmich zu Ecken oder Freistößen schritt, wurde es gefährlich. Kurz nach der Pause vergab Goretzka eine Großchance nach einem Kimmich-Freistoß, bereits der Pfostentreffer von Pavard war nach einem Eckball zustande gekommen.

Lewandowski rettet: Während das DFB-Team 2014 auch noch andere Lösungen als Flicks Standards hatte, blieben die Bayern gegen Piräus aus dem Spiel überwiegend planlos. Und obwohl dieser Zustand bis spät in die Mitte der zweiten Hälfte anhielt, saßen Thiago, Ivan Perisic (in der 88. Minute eingewechselt) oder Coutinho (Nachspielzeit) weiter auf der Bank. Aber dann kam die 69. Minute, dann kam Lewandowski, als er bei einer scharfen Hereingabe von Coman gedankenschnell den Fuß hinhielt.

Eiertanz: So behäbig die Leistung der Bayern in der Offensive lange war, so vage blieben die Aussagen, wer denn in Zukunft auf der Münchner Trainerbank sitzen soll. Klare Ansagen sind vor allem dann unwahrscheinlich, wenn Sportdirektor Hasan Salihamidzic ins Mikrofon spricht. Der Mann (weit) hinter den Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge wirkte im Sky-Interview einmal mehr wie ein Vereinsbotschafter ohne Redeerlaubnis. Ist an den Gerüchten um Ralf Rangnick etwas dran? "Kann ich nicht bestätigen." Wie sieht es mit Arsène Wenger aus? "Kommentiere keine Namen." Ist Flick eine Lösung bis Sommer? "Bin froh, dass der Hansi Flick da ist."

Erkenntnis des Spiels: Die Null stand mal wieder in der Defensive. Wenn man aber allein das schon als entscheidendes Erfolgsmerkmal gegen Piräus heranziehen würde, stünde es um den FC Bayern alarmierend. Gegen Alarmstimmung in München sprechen die nackten Zahlen: zwölf Punkte nach vier Champions-League-Spielen, vorzeitiger Achtelfinaleinzug. Das Problem: Auch unter Kovac stimmten lange die Ergebnisse, die spielerische Weiterentwicklung gelang ihm jedoch nicht. Ob man Hansi Flick diese Aufgabe anvertrauen sollte? Piräus war nur in leichten Ansätzen ein Bewerbungsschreiben für eine längere Beschäftigung, die wichtigere Referenz wird das Dortmund-Spiel am Samstag.

Bayern München - Olympiakos Piräus 2:0 (0:0)
1:0 Lewandowski (69.)
2:0 Perisic (89.)
München: Neuer - Pavard, Alaba, Martínez, Davies - Kimmich, Goretzka (82. Tolisso) - Gnabry (88. Perisic), Müller, Coman (90.+1 Coutinho) - Lewandowski
Piräus: José Sa - Elabdellaoui, Rúben Semedo, Meriah, Tsimikas - Guilherme, Camara, Bouchalakis (71. Valbuena) - Randjelovic (61. Masouras), Guerrero, Podence (79. El Arabi)
Schiedsrichter: Pawel Raczkowski
Gelbe Karten: keine
Zuschauer: 70.000

insgesamt 18 Beiträge
gibmichdiekirsche 07.11.2019
1.
Seit längerer Zeit habe ich mal wieder ein Bayern-Spiel in voller Länge gesehen. Gemeinsam mit einem Freund, der Bayern-Fan ist. Wir haben uns über alles Mögliche prima unterhalten und waren uns bald einig, dass wir den Ton [...]
Seit längerer Zeit habe ich mal wieder ein Bayern-Spiel in voller Länge gesehen. Gemeinsam mit einem Freund, der Bayern-Fan ist. Wir haben uns über alles Mögliche prima unterhalten und waren uns bald einig, dass wir den Ton ruhig etwas leiser stellen können und gelegentlich auf den Bildschirm schauen. Will sagen: Ein Spiel, das weder einen ausgemachten Fan noch einen Bayern-Nichtliebhaber sonderlich beeindruckt hätte. Das heißt natürlich im Blick auf das kommende BL-Spiel gegen den BVB noch gar nichts, weil da die Bayern mit anderer Motivation zur Sache gehen werden als gegen Piräus. Allerdings müssten sie schon etwas aufgeweckter als bei diesem insgesamt doch recht müden Kick zu Werke gehen, denn die Borussen kommen mit Rückenwind - und mit Motivation sowieso. Ich bedauere, dass beide Teams auf Leistungsträger (Süle, Hernandez, Reus, Sancho) verzichten müssen, denn ich bevorzuge Auftritte mit den "vollen Kapellen", besonders bei Spitzenspielen. Ganz nebenbei darf und sollte man auch feststellen, dass alle Vertreter der angeblich so schwachen Bundesliga diesen CL-Spieltag gegen durchaus beachtliche Gegner (ja, auch gegen Zenit und Olympiakos kann man schon mal Punkte liegen lassen) siegreich gestaltet haben. Das freut mich, weil es "unserer" Liga gut tut.
Xicht123 07.11.2019
2. Die Null stand im der Defensive
Sicherlich ein Erfolgserlebnis nach den letzten Rückschlägen. Allerdings war der Gegner dermaßen schlecht dass dies gar nicht anders möglich war. Das Spiel am Samstag wird mehr Aussagekraft haben.
Sicherlich ein Erfolgserlebnis nach den letzten Rückschlägen. Allerdings war der Gegner dermaßen schlecht dass dies gar nicht anders möglich war. Das Spiel am Samstag wird mehr Aussagekraft haben.
papst 07.11.2019
3. Ja was nun...
wat möchte Spon? Die Null stand, ohne kreative Spieler und IV 2:0 gewonnen und das mit einem "neuen" Trainer nach 3 Tagen einer Zusammenarbeit. Ich für meinen Teil bin zufrieden und traue dem Trainer auch mehr zu. [...]
wat möchte Spon? Die Null stand, ohne kreative Spieler und IV 2:0 gewonnen und das mit einem "neuen" Trainer nach 3 Tagen einer Zusammenarbeit. Ich für meinen Teil bin zufrieden und traue dem Trainer auch mehr zu. Schönen Tag noch.
torflut 07.11.2019
4. Standfußball
Bei aller Freude über 12 Punkte bleibt doch der Eindruck eines verunsicherten Teams. Es war viel Standfußball zu sehen und eine erschreckende Ideenlosigkeit. Also, Es gibt noch viel Arbeit!
Bei aller Freude über 12 Punkte bleibt doch der Eindruck eines verunsicherten Teams. Es war viel Standfußball zu sehen und eine erschreckende Ideenlosigkeit. Also, Es gibt noch viel Arbeit!
stoffi 07.11.2019
5. Das sah
tatsächlich wie ein Trainingsspiel aus. Die Pässe klappten zumindest schon wie früher und auch die Aufstellung lässt für das Samstags Spiel hoffen
tatsächlich wie ein Trainingsspiel aus. Die Pässe klappten zumindest schon wie früher und auch die Aufstellung lässt für das Samstags Spiel hoffen

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