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Manchester Uniteds Aufholjagd in Paris

Der Geist von '99

Das gab es in der Champions League noch nie: Trotz 0:2-Heimniederlage im Hinspiel hat United die nächste Runde erreicht. Mit einer krassen Außenseitertaktik und einem Trainer, der gerne die Klubhistorie betont.

Getty Images

Ole Gunnar Solskjær

Aus Paris berichtet
Donnerstag, 07.03.2019   11:00 Uhr

Kaum ein Fußballfan, der das Champions-League-Finale 1999 gesehen hat, wird es je vergessen. Der FC Bayern war früh in Führung gegangen; Manchester United drehte die Partie in der Nachspielzeit mit zwei Jokertoren; "Football, bloody hell!", sagte damals United-Trainer Sir Alex Ferguson, zu einem ganzen Satz reichte es nicht mehr, das Drama ließ sich nicht fassen.

Ole Gunnar Solskjær erzielte 1999 das Siegtor, mittlerweile ist der Norweger Trainer bei United, und nach den 90 Minuten vom Mittwochabend in Paris war klar, dass irgendwer an den Triumph über die Bayern erinnern würde. Das Thema kam bei der Pressekonferenz tatsächlich auf. "Football, eh", sagte Solskjær: "That's what it gives you."

Den Kultstatus des Ferguson-Ausspruchs wird Solskjær damit nicht erreichen. Aber es stimmte schon, der Fußball verwöhnt seine Fans in diesen Tagen. Am Dienstag bezwang Ajax Amsterdam Real Madrid im Bernabeu sensationell 4:1, nun folgte eine geglückte Aufholjagd mit historischen Dimensionen.

3:1 gewann United bei PSG und machte damit den Viertelfinaleinzug perfekt - trotz des 0:2 im Hinspiel in Old Trafford, obwohl englische Teams im Europapokal als eher auswärtsschwach gelten. Und in der Geschichte der Champions League war es noch keinem Klub gelungen, eine K.-o.-Runde nach einer 0:2-Heimpleite zu überstehen.

Die Dramaturgie tat das ihre: Das entscheidende Tor fiel in der Nachspielzeit. Und es überraschte nicht allein wegen des Zeitpunkts. United war im Hinspiel das klar unterlegene Team gewesen, in Paris musste es nun auf zehn Spieler verzichten, darunter der gesperrte Superstar Paul Pogba. Also traten die Gäste mit vielen Ersatzspielern und einer abwartenden Strategie an, beinahe wie ein Amateurklub im Pokalspiel beim Erstligisten. Stoff für Heldengeschichten - nach kaum etwas sehnen sie sich mehr in Manchester.

100 Prozent Defensive

Seit Ferguson 2013 als Trainer aufgehört hat, ist Manchester United nicht mehr derselbe Klub. Er wurde nicht mehr Meister, spielte selten begeisternden Fußball. United umweht die Sehnsucht nach der Magie von früher. Solskjær ist es in dieser Nacht von Paris gelungen, sie zurückzubringen.

Manchester, das mit Spielern wie Scott McTominay und später Tahith Chong oder Mason Greenwood auflief, vollbrachte eine dieser Abwehrleistungen, die man über die kommenden Tage hinaus erinnern wird. Zumindest galt das für die Zeit ab der 30. Minute.

Bis dahin wirkte United verwundbar, vor allem über die eigene rechte Abwehrseite. Dort hatte Solskjær überraschend Eric Bailly aufgestellt, einen Innenverteidiger. Davor spielte der defensive Ashley Young, gemeinsam sollten sie Ángel di María stoppen, der im Hinspiel so stark aufgespielt hatte. Bailly aber kam mit seiner Rolle nicht zurecht, Solskjær brauchte bis zur 36. Minute, ehe er seinen Fehler korrigierte.

Fortan verteidigte seine Mannschaft häufiger mit fünf Abwehrspielern statt mit vier, und das klappte viel besser. Die Red Devils betrieben hohen Aufwand, um stabil zu stehen. Zulasten der Offensive.

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Champions League: Und wieder erwischt es Paris

"Unser Plan war es, früh in Führung zu gehen und dafür zu sorgen, dass wir fünf oder zehn Minuten vor Abpfiff nicht mehr als ein Tor zum Weiterkommen brauchen. Und dann: mal schauen", sagte Solskjær später. Das klang nicht gerade nach einem Matchplan aus dem Tablet eines Taktikgenies. Aber irgendwie geht momentan alles auf, was sich der Norweger überlegt.

Vor allem gelingt es ihm, Spieler wie Fans mitzureißen. Das ist kein Zufall.

Solskjærs Strategie fußt darauf, gezielt das alte Man-United-Gefühl unter Ferguson aufleben zu lassen. Er betont seinen regelmäßigen Austausch mit der Trainerikone, spricht wie Ferguson und wo es geht, erinnert Solskjær an die Klubhistorie. Vorgänger José Mourinho tat manchmal so, als sei es ein besonders übles Los, United trainieren zu müssen, weil die Spieler zu schlecht seien. Solskjær sagt lieber Sätze wie "Wir sind Man United", als sei das bereits ausreichend, um Partien und Pokale gewinnen zu können. Bei der Analyse nach dem Spiel in Paris sprach er von "Furchtlosigkeit" und "Glaube an sich selbst". Das klingt simpel, und bislang geht das gut.

17 Spiele hat United unter ihm als Trainer absolviert, 14 wurden gewonnen. Trotzdem ist nicht gewiss, dass Solskjær über die Saison hinaus Trainer bleibt. So merkwürdig das klingen mag: Vielleicht reicht selbst der Erfolg in Paris nicht aus, um dauerhaft zum Chefcoach ernannt zu werden.

Nach seinem Amtsantritt im vergangenen Dezember schwärmte etwa Paul Pogba von der offensiven Spielweise unter Solskjær. In Paris aber hätte auch der Defensivfanatiker Mourinho an der Seitenlinie stehen können - die taktische Ausrichtung wäre die gleiche gewesen. 27,6 Prozent Ballbesitz erreichte United, das übrigens einen höheren Umsatz generiert als PSG. Beim Spitzenspiel in der Premier League gegen Liverpool ermauerte sich das Team kürzlich ein 0:0.

Das mag mit den vielen Verletzten zusammenhängen (wobei sich die Frage stellt, welche Rolle der Trainer in diesem Zusammenhang einnimmt, Stichwort: Belastungssteuerung). Grundsätzlich aber wirken viele der United-Siege unter Solskjær glücklich. In Paris kam das Team eigentlich nur dreimal vors gegnerische Tor, bei zwei Treffern profitierte es von krassen individuellen Fehlern (Verteidiger Thilo Kehrer vor dem 0:1, Torwart Gianluigi Buffon beim 1:2), das dritte entsprang einem harmlosen Schuss, der zum Handelfmeter nach Videobeweis führte. Kurz: 180 Minuten lang der klare Außenseiter gegen Paris gewesen, trotzdem eine Runde weiter.

Manchester Uniteds Erfolg über PSG war der vielleicht magischste Moment der jüngeren Vereinsgeschichte. Ob er nachhaltig ist, ist eine andere Frage.

Paris Saint-Germain - Manchester United 1:3 (1:2)
0:1 Lukaku (2.)
1:1 Bernat (12.)
1:2 Lukaku (30.)
1:3 Rashford (90.+4)
Paris: Buffon - Kehrer (70. Meunier), Silva, Kimpembe, Bernat - Verratti, Marquinhos - Alves (90.+5 Cavani), Draxler (70. Paredes), di María - Mbappé
Manchester: de Gea - Lindelöf, Smalling, Bailly (36. Dalot) - Young (87. Greenwood), Shaw - McTominay, Fred - Pereira (80. Chong) - Rashford, Lukaku
Zuschauer: 46.500
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Gelbe Karten: di María, Parendes / Shaw

insgesamt 21 Beiträge
aktiverbeobachter 07.03.2019
1. Tuchel
Das freut mich für Tuchel.
Das freut mich für Tuchel.
chrisOHZ 07.03.2019
2. Böses Foul
Uups, da wird der Scheich aber böse....
Uups, da wird der Scheich aber böse....
HCL 07.03.2019
3. Hallo Herr Bundestrainer
Die Vorstellung Ihrer zukuenftigen NM Verteidigung war beeindruckend. Thomas Tuchel wuerde wahrscheinlich liebend gern 2 Kehrer gegen einen Hummels austauschen. Ich hoffe dass Boateng und Hummels die Weltklasseleistung eines ihrer [...]
Die Vorstellung Ihrer zukuenftigen NM Verteidigung war beeindruckend. Thomas Tuchel wuerde wahrscheinlich liebend gern 2 Kehrer gegen einen Hummels austauschen. Ich hoffe dass Boateng und Hummels die Weltklasseleistung eines ihrer designierten Nachfolger gesehen haben (hoffenlich haben sie sich dabei nicht eingenaesst.
pythagoräische Bohne 07.03.2019
4. Gar nicht so überraschend
In der Premier League kommt es häufiger vor, dass Zweitorerückstände noch gedreht werden, auch noch in einer Halbzeit und auswärts, und im Duell von Topteams. Die Auswärtsschwäche bezieht sich auch mehr auf südlichere [...]
In der Premier League kommt es häufiger vor, dass Zweitorerückstände noch gedreht werden, auch noch in einer Halbzeit und auswärts, und im Duell von Topteams. Die Auswärtsschwäche bezieht sich auch mehr auf südlichere Klimazonen, wenn das schnelle Spiele der Premier League nicht in gleicher Weise umgesetzt werden kann. PSG hat versucht, 60 Minuten lang, eine sehr knappe Führung zu verteidigen, das konnte nicht gut gehen. Der Verein kann noch so viele Spieler kaufen, allem Anschein nach ist die französische Liga zu schwach, dass PSG auf diesem Niveau ausreichend Erfahrungswerte mitbringt.
ex_Kamikaze 07.03.2019
5. ManU hatte zu keinem Zeitpunkt
das Weiterkommen verdient. Es gab niemals einen Versuch das Spiel zu gewinnen oder irgendwie aus eigener Kraft das Ergebnis zu beeinflussen. Im Einzelfall ist das kein Problem, das hat immer mit zum Sport gehört. Wir sehen aber [...]
das Weiterkommen verdient. Es gab niemals einen Versuch das Spiel zu gewinnen oder irgendwie aus eigener Kraft das Ergebnis zu beeinflussen. Im Einzelfall ist das kein Problem, das hat immer mit zum Sport gehört. Wir sehen aber auch in der Bundesliga immer häufiger solche Spiele. Für mich Zeichen einer Krise. Jeder Versuch der aktiven Gestaltung ist immer öfter zum Scheitern verurteilt. Dagegen kommen oft die weiter die gar nicht probieren zu gewinnen sondern jeden Millimeter Raum verteidigen. Wer soll sich das ansehen? Vielleicht muß hier regulatorisch korrigiert werden um die Defensive nicht noch mächtiger werden zu lassen. Man könnte wieder Sperren ohne Ball pfeifen lassen, den übermäßigen Körpereinsatz härter bewerten (kleine, leichte und wendige Spiele haben ja gegen solche Spieler wie Süle keine Chance wenn die ohne jegliche Ballberührung schon mal den Gegner wegrempeln dürfen) oder sogar das Abseits abschaffen. Jedenfalls war das Mißverhältnis aus Spiel und Ergebnis gestern keine Werbung für den Fußball!

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2017 Real Madrid
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2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
1993 Olympique Marseille

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