Sport

"Er wird ja regelrecht geschlachtet"

Tönnies erhält Beistand aus der Bundesliga

Reaktionen aus der Bundesliga auf die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies waren bisher rar. Nun stellten sich mehrere Offizielle gegen die Kritik am Schalke-Boss.

Sacha Schuermann/AFP

Schalkes pausierender Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies

Dienstag, 13.08.2019   16:00 Uhr

Fußball-Bundesliga

Lange war es ruhig aus den Reihen der Bundesliga-Vertreter zum Fall Clemens Tönnies. Nun hat Schalkes pausierender Aufsichtsratsvorsitzender Unterstützung aus mehreren Vereinen bekommen. Trainer Friedhelm Funkel vom Bundesligisten Fortuna Düsseldorf hat auf einer Veranstaltung der "Rheinischen Post" dafür geworben, Tönnies zu vergeben. "Clemens hat sich in der Wortwahl vergriffen. Aber was da medial draus gemacht wird, ist mir persönlich viel zu viel. Er wird ja regelrecht geschlachtet", sagte Funkel über den Fleischfabrikanten.

Funkel ergänzte, Tönnies habe einen "schweren Fehler" gemacht. Diesen Fehler habe er "eingestanden und sich entschuldigt". "Es bringen Leute mit einem Samuraischwert Menschen um. Da wird zwei Tage drüber berichtet, dann ist es vergessen. Wir müssen alle ein bisschen runterkommen", sagte der Trainer - offenbar mit Verweis auf einen Vorfall Ende Juli in Stuttgart, bei dem ein 36-Jähriger durch einen Mann mit einem "schwertähnlichen Gegenstand" erstochen wurde.

Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Dabei stellte er aber auch einen angeblichen Zusammenhang von Energieversorgung, Klimawandel und Überbevölkerung in Afrika her. Statt Steuern zu erhöhen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies. Für diese Aussagen hatte er sich später entschuldigt, allerdings nicht bei den Betroffenen selbst.

Weitere Teilnehmer pflichteten Funkel bei

Auch die anderen Podiumsteilnehmer in Düsseldorf, Max Eberl (Manager Borussia Mönchengladbach), Armin Veh (Sportchef 1. FC Köln) und Simon Rolfes (Sportdirektor Bayer Leverkusen), schlossen sich sinngemäß Funkels Rede an. "Es ist nicht so, dass wir das gutheißen", sagte Eberl: "Wir können jede Empörung verstehen, denn wir waren auch empört, als wir das gehört haben. Aber man muss einem Menschen die Möglichkeit geben, wieder aufzustehen."

Kölns Sportchef Veh sagte über Tönnies: "Er ist 63, hat schon ein Leben hinter sich. Wenn aus diesem Leben ein Satz herauskommt und ich mit diesem einen Satz mein ganzes Leben kaputtmache, dann ist das maßlos übertrieben." Leverkusens Sportdirektor Rolfes kritisierte, die "Einteilung in Schwarz und Weiß in der Öffentlichkeit" sei "zu extrem". Die Diskussion über inhaltliche Themen bleibe oft auf der Strecke.

Der S04-Ehrenrat hatte seinen Aufsichtsratsvorsitzenden in der vergangene Woche vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen. Der Klubchef selbst schlug vor, dass er sein Amt drei Monate ruhen lasse. Diesem Ansinnen von Tönnies wurde vonseiten des Schalker Ehrenrates zugestimmt. Das Gremium wurde für seine Entscheidung kritisiert.

Die Schalker Fans hielten vor dem Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel (5:0) am vergangenen Samstag ein Plakat mit der Aufschrift "Wir zeigen Tönnies die Rote Karte" hoch. Am 15. August wird sich die DFB-Ethikkommission mit dem Fall befassen.

Zuvor hatten sich unter anderem Gerald Asamoah, Teammanager der Schalker U23 sowie der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau deutlich zu dem Fall geäußert. Schauspieler Peter Lohmeyer ist als Mitglied bei Schalke ausgetreten.

ngo/dpa/sid

insgesamt 102 Beiträge
hwdtrier 13.08.2019
1. Was er sagte
sagen selbst Mitglieder der Regierung ( Ausländerbeauftragte) nur nicht so drastisch.
sagen selbst Mitglieder der Regierung ( Ausländerbeauftragte) nur nicht so drastisch.
migampe 13.08.2019
2. Joah mei,
.... Für diese Aussagen hatte er sich später entschuldigt, allerdings nicht bei den Betroffenen selbst. .... Jaoh mei, soll er jetzt nach Arfrika fahren und dort persönlich bei jedem Einzelnen um Entschuldigung bitten? [...]
.... Für diese Aussagen hatte er sich später entschuldigt, allerdings nicht bei den Betroffenen selbst. .... Jaoh mei, soll er jetzt nach Arfrika fahren und dort persönlich bei jedem Einzelnen um Entschuldigung bitten? Zwei Dinge die die Welt wirklich nicht braucht: (Un)soziale Netzwerke in Verbindung mit dem Sommerloch!
christine.rudi 13.08.2019
3. Rassismus ist eine Vorstufe zu Nazimus, das darf nicht akzeptiert werd
en, auch wenn die Hälfte der Gesellschaft anders denkt (ich denke es gibt wirklich eine sehr hohe Dunkelziffer von heimlichen Rassisten). Diesen Leuten (den Verteidigern von Tönnies) muß sehr klar gemacht werden, daß sie auf [...]
en, auch wenn die Hälfte der Gesellschaft anders denkt (ich denke es gibt wirklich eine sehr hohe Dunkelziffer von heimlichen Rassisten). Diesen Leuten (den Verteidigern von Tönnies) muß sehr klar gemacht werden, daß sie auf dem Holzweg sind ! Rassismus muß komplett ausgemerzt werden ! Notfalls mit den Mitteln des Starfrechts. Es geht nicht an, daß in Deutschland die Nazis nochmals herrschen !
silversurfer47 13.08.2019
4. Entgleisung + Entschuldigung =
Fertig? Ich kann und muss von jeder öffentlichen Person erwarten, dass er seine Worte und Taten abwägt. Andernfalls muss er die volle Konsequenz tragen. Es ist immer das gleiche Muster: Fehltritt, Entschuldigung und weiter [...]
Fertig? Ich kann und muss von jeder öffentlichen Person erwarten, dass er seine Worte und Taten abwägt. Andernfalls muss er die volle Konsequenz tragen. Es ist immer das gleiche Muster: Fehltritt, Entschuldigung und weiter geht's!
lollopa1 13.08.2019
5. ja, er wird geschlachtet, aber er lief auch selbst zur Schlachtbank
Wären diese Sätze im 8-Augen-Kreis beim 10.ten Bier in der Kneipe gefallen, wäre auch schon saublöd gewesen, aber so etwas öffentlich als Gastredner.... ein NoGo! Natürlich hat er sich entschuldigt, blieb nach dem Gewitter [...]
Wären diese Sätze im 8-Augen-Kreis beim 10.ten Bier in der Kneipe gefallen, wäre auch schon saublöd gewesen, aber so etwas öffentlich als Gastredner.... ein NoGo! Natürlich hat er sich entschuldigt, blieb nach dem Gewitter ja auch nixx anderes übrig, aber wenn er nur etwas hätte richtig gemacht, dann Rücktritt sofort, dicke Spende an Hilfsorganisationen, die dann dort Brunnen bohren und Kraftwerke aufstellen, aber dieses rumgeiere ist peinlich. Und ich persönlich hielt F. Funkel für schlauer. Es gab auch andere die mit einem Satz oder einer tat ihr "Lebenswerk" ruiniert haben, macht nixx, wer in diesem Alter nicht weiss dass laut denken oft ein Scheiss-Geräusch ist dem kann man nicht helfen
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