Sport

Deutsche Fußballerinnen feiern Kantersieg

Nicht blenden lassen

Die deutschen Fußballerinnen sind gegen Montenegro erfolgreich in die EM-Qualifikation gestartet. Nach der WM-Enttäuschung ist der Spaß zurück, aber der allein reicht nicht.

Getty Images

Lena Sophie Oberdorf

Aus Kassel berichtet
Samstag, 31.08.2019   19:55 Uhr

Zumindest die Hitze erinnerte dann doch an das enttäuschende WM-Aus der deutschen Fußballerinnen im Viertelfinale. Wie im französischen Rennes Ende Juni herrschten auch diesmal in Kassel hohe Temperaturen über 30 Grad. Aber sonst?

Die Flanken von den Außenspielerinnen schienen besser platziert als zuletzt, der Abschluss von Alexandra Popp per Kopf wirkte wuchtiger, die Defensive sicherer, Tore für das Team um Dzsenifer Marozsán gelangen wieder nach Kombinationen. Vor knapp acht Wochen halfen oft nur Standardsituationen, viel Krampf und wenig Leichtigkeit begleiteten das Spiel der Elf von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

So gesehen kann man den 10:0 (5:0)-Erfolg beim Auftakt in der EM-Qualifikation gegen Montenegro als gelungenen Neustart werten. "Heute ging es um die Freude am Spiel", sagte Verteidigerin Sara Doorsoun, und wenn man der dreifachen Torschützin Popp zuhörte, dann war die Freude vorhanden: "Das hat richtig Spaß gemacht", sagte die Stürmerin, die nach einer auch für sie enttäuschenden WM bei nun 102 Länderspielen und 51 Treffern steht.

Montenegro war kein Gradmesser

Was ist also passiert zwischen dem WM-Viertelfinale gegen Schweden, als das Team nach dem ersten Gegentor des Turniers die Kontrolle verlor und ausschied, und nun jener Zehn-Tore-Gala beim EM-Qualifikationsauftakt? Dass Kapitänin Popp ihre Kopfballstärke in den Höhen der Kasseler Berge wiederfand, gilt zumindest als unwahrscheinlich. Auch, dass es kurz vor dem Spiel noch Blumen von den DFB-Funktionären Oliver Bierhoff und Rainer Koch für ihr 100. Länderspiel bei der WM gegeben hat, dürfte die Wolfsburgerin nicht mehr sonderlich beflügelt haben.

Wahrscheinlicher ist, dass der Gegner viel zu schwach war und es nicht der letzte deutliche Erfolg der deutschen Fußballerinnen auf dem Weg zur Endrunde nach England 2021 gewesen ist. Montenegro, das ist ein Zwerg im Fußball der Frauen, für die Auswahl war es das erst 25. Länderspiel überhaupt. Bei der EM-Qualifikation 2017 unterlag das Team in allen acht Partien, 51 Gegentore gab es. Montenegro ist die Nummer 98 der Fifa-Weltrangliste.

Diesen klaren Erfolg des DFB-Teams durfte man einplanen, das deuteten die Spielerinnen auch später an. "Ein Ziel war, keinen Torschuss zuzulassen", äußerte Doorsoun vielsagend: "Das ist uns gelungen."

DPA/David Inderlied

Montenegros Sladana Bulatovic stützt sich nach dem achten Gegentreffer im Tornetz ab.

Und das ist eine weitere, wichtigere Erkenntnis neben den gelungenen Kombinationen und den zehn Treffern gegen einen überforderten Gegner: Die Defensive, sie wackelte zu keinem Zeitpunkt. Damit ist man schon bei einer der spannendsten Personalien im DFB-Team: Lena Oberdorf feierte bereits bei der WM in Frankreich ihr Länderspieldebüt, nun könnte sich der 17 Jahre alte Nachwuchsstar endgültig in die erste Mannschaft spielen.

Gegen Montenegro durfte die Allrounderin aus Essen erstmals in der Innenverteidigung an der Seite von Doorsoun beginnen - und sie wirkte so, als wäre sie dort auch in der Zukunft sehr gut aufgehoben. Abgeklärt trat sie auf, auch wenn Oberdorf selten gefordert wurde, auch ihre Pässe in der Spieleröffnung waren stark. "Sie hat tolle Voraussetzungen", lobte die Bundestrainerin, Doorsoun sagte: "Es funktionierte schon sehr gut."

Oberdorf ist neben der 18 Jahre alten Klara Bühl, die zwei Treffer erzielte, und WM-Entdeckung Giulia Gwinn (beste junge Spielerin des Turniers; lesen Sie hier ein Interview mit der 20-Jährigen) ein Versprechen für die Zukunft. Sie sollen einmal das DFB-Team prägen.

Olympia-Aus wiegt schwer

Doch um sich zu verbessern, muss die junge Generation sich regelmäßig auf Topniveau messen. Für Gwinn ist das zumindest im Verein beim FC Bayern möglich, der in der Champions League Titelchancen besitzt. In der Nationalmannschaft und der EM-Qualifikation werden auf Gwinn und Co. jedoch keine echten Härtetests warten: Der kommende Gegner Ukraine gilt noch als etwas stärkerer Gruppenkontrahent (Dienstag, 16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), war aber bei der WM nicht vertreten.

Griechenland und Irland sind klare Außenseiter. Das 10:0 gegen Montenegro erinnerte noch einmal daran, wie schwer es wiegt, dass man die Olympischen Sommerspiele 2020 verpasst hat und sich dort nicht mit den besten Nationalteams der Welt messen kann.

Eine weitere Aufgabe für die kommenden Monate: Das Team muss sichtbarer werden, für seine Spiele die Werbetrommel rühren. Vor dem Stadion in Kassel war zwar der Bus des DFB-Fanklubs geparkt - aber mit den Gesichtern der männlichen Nationalspieler um Manuel Neuer beklebt. Im Stadion selbst herrschte unter den 6275 Zuschauern ausgelassene Partystimmung, doch mit abgesperrten Tribünen hinter den Toren entstehen keine Bilder, die Aufbruchstimmung vermitteln. Und der Anstoß um 12.30 Uhr wird auch nicht dazu beigetragen haben, dass besonders viele Fans von weiter außerhalb der Mannschaft hinterherreisen.

Warum nicht mal etwas wagen? Am 9. November bestreitet das DFB-Team ein Testspiel im Londoner Wembleystadion gegen England. Über 50.000 Tickets hat der englische Verband bereits verkauft, er wird einen neuen nationalen Zuschauerrekord feiern, solche Bilder gehen um die Welt. Und ein echter Härtetest ist dieses Spiel gegen den WM-Vierten auch.

Deutschland - Montenegro 10:0 (5:0)
1:0 Huth (3.)
2:0 Popp (7.)
3:0 Popp (24.)
4:0 Bühl (35.)
5:0 Popp (38.)
6:0 Doorsoun (52.)
7:0 Knaak (54.)
8:0 Bühl (59.)
9:0 Schüller (82.)
10:0 Dallmann
Deutschland: Frohms - Knaak, Doorsoun, Oberdorf, Gwinn (61. Rauch) - Magull, Däbritz (53. L. Dallmann), Huth, Maroszan, Popp (53. Schüller) - Bühl
Montenegro: Cabarkapa - Popovic, Saranovic, Djurkovic, Bozic (67. Ramcilovic) - Djukic, Pavicevic, Bulatovic - Stanovic, Kuc (90.+2 Vujadinovic), Djokovic (58. Karlicic)
Schiedsrichterin: González González
Gelbe Karten: Magull / Popovic, Bulatovic

insgesamt 1 Beitrag
co2nogo 01.09.2019
1.
10:0 gegen die Spitzenmannschft aus Montenegro....damit konnte ja keiner rechnen. Nach dieser tollen Leistung unserer Damen brauchen wir keinen Gegner zu fürchten.
10:0 gegen die Spitzenmannschft aus Montenegro....damit konnte ja keiner rechnen. Nach dieser tollen Leistung unserer Damen brauchen wir keinen Gegner zu fürchten.

Deutsche Meister bei den Frauen

Jahr Verein
2019 VfL Wolfsburg
2018 VfL Wolfsburg
2017 VfL Wolfsburg
2016 FC Bayern München
2015 FC Bayern München
2014 VfL Wolfsburg
2013 VfL Wolfsburg
2012 1. FFC Turbine Potsdam
2011 1. FFC Turbine Potsdam
2010 1. FFC Turbine Potsdam
2009 1. FFC Turbine Potsdam
2008 1. FFC Frankfurt
2007 1. FFC Frankfurt
2006 1. FFC Turbine Potsdam
2005 1. FFC Frankfurt
2004 1. FFC Turbine Potsdam
2003 1. FFC Frankfurt
2002 1. FFC Frankfurt
2001 1. FFC Frankfurt
2000 FCR Duisburg
1999 1. FFC Frankfurt
1998 FSV Frankfurt
1997 Grün-Weiß Brauweiler
1996 TSV Siegen
1995 FSV Frankfurt
1994 TSV Siegen
1993 TuS Niederkirchen
1992 TSV Siegen
1991 TSV Siegen

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