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Bayern-Boss Rummenigge über Transfers

"Da wird die Luft dann schon sehr dünn"

Karl-Heinz Rummenigge mehrt mit einem Auftritt die Zweifel daran, ob die Bayern wirklich einen konkreten Plan für weitere Transfers haben. Er wolle "keine Hoffnungen schüren".

Matthias Balk/dpa

Lucas Hernández (r.) und Karl-Heinz Rummenigge

Von Florian Kinast, München
Montag, 08.07.2019   17:31 Uhr

Nach 20 Minuten hatte Martin Hernández genug gehört. Quengelnd ließ sich der elf Monate alte Sohn von seiner Mutter Amelia im Kinderwagen aus dem Medienraum der Münchner Arena schieben, während Vater Lucas noch oben auf dem Podium saß und lauter Nettigkeiten von sich gab. Welch großer Klub der FC Bayern sei. Dass sich ein Kindheitstraum erfüllt habe. Und welche Ehre es sei, wie einst Philipp Lahm die Nummer 21 tragen zu dürfen. Was man eben als Spieler für den neuen Arbeitgeber so sagt, wenn der Verein 80 Millionen Euro ausgegeben hat und man ein Jahresgehalt im zweistelligen Millionenbereich bekommen wird.

Gehaltvoller als die Vorstellung des neuen Innenverteidigers, der zu seiner Präsentation gleich Kind, Kegel und Kumpels mitbrachte, war das, was neben ihm Karl-Heinz Rummenigge zu sagen hatte. Es war ein bemerkenswerter Auftritt des Vorstandschefs, der viel über den momentanen Zustand beim besten deutschen Klub verriet.

Hernández, Pavard - aber sonst?

Rummenigge verbrachte die meiste Zeit der Fragerunde so, wie Lucas Hernández die kommende Saison auf dem Platz: in der Defensive. Immer wieder musste sich der Klubchef für die schleppende Transferpolitik der vergangenen Wochen rechtfertigen. Gerade bei den Fans wird der Unmut immer größer, dass mit Ausnahme von Hernández und Benjamin Pavard die wirklich großen Verpflichtungen namhafter Topstars bislang ausgeblieben sind. Wer kommt da noch? Kommt überhaupt noch wer? Glauben die Bayern wirklich, dass der Kader mit derzeit gerade 17 Feldspielern international mithalten kann?

Wer die Fanforen und sozialen Netzwerke der vergangenen Tage und Wochen verfolgt, spürt: Die Anhänger empfinden die Transferbemühungen der Bayern als wenig befriedigend.

Rummenigge bemühte sich um Beschwichtigung. "Das Transferfenster ist bis 2. September geöffnet, wir sind in Position, es ist wichtig, dass wir Geduld haben." Dabei war es ja gerade Klubpräsident Uli Hoeneß, der die Ungeduld schürte, als er im Februar das "größte Investitionsprogramm der Klubgeschichte" ankündigte und tönte, welche Transfers schon alle unter Dach und Fach seien. Davon ist bisher nichts zu spüren, weshalb sich Hoeneß nun immerhin auch einen öffentlichen Rüffel vom darauf angesprochenen Klubchef einfing: "Ich glaube, es ist gut, wenn wir in Zukunft etwas weniger in der Öffentlichkeit über unsere Aktivitäten und Operationen sprechen. Das ist nicht hilfreich und weckt einen Erwartungshorizont, der die Ungeduld nicht kleiner werden lässt."

Rummenigge zu Neuer, Sané und Boateng

Aber was sie nun wirklich genau vorhaben, wollte Rummenigge nicht sagen. Vielleicht konnte er das auch nicht - weil die Münchner womöglich gerade noch gar keinen konkreten Plan haben. Viele Aussagen Rummenigges blieben vage. Dazu gehörte auch seine Replik auf die Aussagen von Thomas Kroth, dem Berater von Manuel Neuer, der in der "Süddeutschen Zeitung" indirekt mit einem Abschied des Kapitäns aus München drohte, sollten die Bayern den Kader nicht deutlich verbessern. Er habe "mit Manuel heute telefoniert", so Rummenigge. Die Aussagen seien "die persönliche Meinung von Thomas Kroth" gewesen. Dass Berater nicht dafür bezahlt werden, ihre persönliche Meinung in großen Tageszeitungen zu platzieren, weiß auch Rummenigge.

Foto: Christof Stache/AFP

Ansonsten war Rummenigges Mantra an diesem Tag: abwarten. Das galt für die Gesamtsituation genau so wie für die Zukunft von Jérôme Boateng und die Personalie Leroy Sané. Das Interesse am flinken ManCity-Profi bekräftigte Rummenigge ("Es ist bekannt, dass wir noch Spieler für die Außenbahn suchen"), mehr aber auch nicht.

Es war ein Auftritt von erstaunlicher Passivität. Dazu passte ein Bild, das Rummenigge wählte, den "Dominoeffekt": Würde ein Großklub einen Toptransfer tätigen, wäre der bunte Wechselreigen eröffnet, würden andere Topvereine nachziehen, würde ein Stein nach dem anderen umfallen. Aber warum werden nicht die Bayern aktiv und werfen den ersten Stein um? Oder haben sie sich schon zu viele Absagen eingefangen?

Keine Hoffnung

Tatsächlich räumte Rummenigge ein, dass die Bayern international an Strahlkraft eingebüßt haben. Und dass sein altes Motto ("Ein Angebot des FC Bayern lehnt keiner ab") keine Gültigkeit mehr hat: "Die Konkurrenz ist größer geworden. Der Markt ist globaler. Die Summen sind andere. Im dreistelligen Millionenbereich ist fast schon normal. Da wird die Luft dann schon sehr dünn." Das wird sie auch für den FC Bayern, falls in den kommenden Wochen nicht doch noch neue große Verpflichtungen verkündet werden können.

Gegen Ende der Runde sagte Karl-Heinz Rummenigge noch einen interessanten Satz, bezogen auf etwaige Neuzugänge. "Ich will keine Hoffnungen schüren." Das hat er mit diesem Auftritt auch gewiss nicht getan.

insgesamt 180 Beiträge
Papazaca 08.07.2019
1. Das größte Investitionsprogramm der Klubgeschichte ...
wird also laut des größten Bayern-Präsident aller Zeiten diesmal stattfinden. Da ist es besser abzuwarten und sich überraschen zu lassen. Und wie Rummenigge es meinte, heißt es jetzt, auf das Fallen des berühmten [...]
wird also laut des größten Bayern-Präsident aller Zeiten diesmal stattfinden. Da ist es besser abzuwarten und sich überraschen zu lassen. Und wie Rummenigge es meinte, heißt es jetzt, auf das Fallen des berühmten Dominosteines zu warten (Neymar?) Und wenn kein Stein fällt, was dann?
tafka2937981 08.07.2019
2. Domino
Mit dem Domino-Bild hat KHR Recht. Selbst Barca wartet auf das Fallen des ersten Steins bzw. traut sich nicht, den ersten selbst umzuwerfen. Sinnbildlich dafür die absurde Posse um Griezmann. Der erste Stein ist zwangsläufig [...]
Mit dem Domino-Bild hat KHR Recht. Selbst Barca wartet auf das Fallen des ersten Steins bzw. traut sich nicht, den ersten selbst umzuwerfen. Sinnbildlich dafür die absurde Posse um Griezmann. Der erste Stein ist zwangsläufig einer aus dem obersten Regal: Neymar oder Griezmann. Könnte auch Sané sein, wenn er für Bayern zu haben wäre. Zudem habe ich den Eindruck, dass Transfers immer komplizierter werden wegen z.B. der Nebenverträge ('Bildrechte') und wegen der immer mächtigeren (und gierigen) 'Berater'.
marcuhlig 08.07.2019
3.
prima, vor wenigen Jahren gehörte man noch zu den drei größten in Europa, inzwischen bin ich mir nicht mal sicher ob man sich noch in der Top Ten befindet. toll gemacht, UH, KHR und HS. über die CL müssen wir in absehbarer [...]
prima, vor wenigen Jahren gehörte man noch zu den drei größten in Europa, inzwischen bin ich mir nicht mal sicher ob man sich noch in der Top Ten befindet. toll gemacht, UH, KHR und HS. über die CL müssen wir in absehbarer Zeit nicht mehr nachdenken.
Nonvaio01 08.07.2019
4. immer ruhig
die werden schon noch spieler finden, so schlimm ist es nicht wie alle immer denken. Das es nicht mit 17 geht ist auch Rumenigge klar.
die werden schon noch spieler finden, so schlimm ist es nicht wie alle immer denken. Das es nicht mit 17 geht ist auch Rumenigge klar.
Pela1961 08.07.2019
5. Ach ja -
""Ich glaube, es ist gut, wenn wir in Zukunft etwas weniger in der Öffentlichkeit über unsere Aktivitäten und Operationen sprechen." - sagt er wörtlich bei dieser Gelegenheit. Und ein paar Minuten später [...]
""Ich glaube, es ist gut, wenn wir in Zukunft etwas weniger in der Öffentlichkeit über unsere Aktivitäten und Operationen sprechen." - sagt er wörtlich bei dieser Gelegenheit. Und ein paar Minuten später wundern sich die versammelten Journalisten, dass er nicht erzählt, was die Münchner in dieser Transferperiode noch vorhaben. Gut, mir ist das auch schleierhaft. Aber manchmal frage ich mich schon, ob die Medienmenschen überhaupt auch nur ansatzweise zuhören, wenn einer was sagt. Und noch mehr frage ich mich, ob sie auch verstehen, was da gesagt wurde. Ansonsten - ist doch in Ordnung, was er sagt. Man kann nun wirklich nicht leugnen, dass die Münchner bei den Finanzen nicht mehr in der ersten Liga spielen, nachdem die Engländer und Paris mit irgendwelchen Oligarchen oder Scheichs jede Scham verloren haben, was Ablösesummen und Gehälter angeht. Mir als Fan ist das sogar sehr lieb so. Lieber kein Titel in der CL als dafür für einen Spieler wie Dembele 120 Mios ausgeben. Generell fände ich es gut, wenn sich mehr Vereine etwas mehr Mässigung auferlegen würden.

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