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Düsseldorfs Trainer über Bayern-Defensive

"Sehr, sehr anfällig"

Sportlich läuft es schon schlecht beim FC Bayern - und jetzt sieht sich der Rekordmeister auch noch Kritik vom Trainer des Vorletzten, Friedhelm Funkel, ausgesetzt.

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Mats Hummels (von links), Jérôme Boateng, Manuel Neuer und Robert Lewandowski

Sonntag, 25.11.2018   17:38 Uhr

Nach dem späten Gegentreffer für Bayern München und dem daraus resultierendem 3:3 (2:1) gegen Fortuna Düsseldorf, hat sich Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel zu Wort gemeldet. Der älteste Trainer aller aktueller Bundesligisten ließ bei Sky kein gutes Haar am Rekordmeister.

"Ihnen fehlt einfach die Selbstsicherheit, das Selbstvertrauen. Das kann auch Weltklassespielern passieren, wenn sie keine Erfolgserlebnisse haben", sagte der 64-Jährige, der mit seiner Mannschaft trotz des Unentschiedens gegen Bayern München auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Dazu nannte er Gründe, warum sein Team aus seiner Sicht doch noch zurückkommen konnte.

Harte Kritik an der Münchner Defensive

RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Friedhelm Funkel (rechts)

Trotz einer zwischenzeitlichen 3:1-Führung hatte Bayern den Erfolg nicht über die Zeit bringen können. Stattdessen ließen sich die Münchner von Düsseldorf auskontern, obwohl zusätzlich zur Viererkette in Mats Hummels und Rafinha zwei weitere Abwehrspieler eingewechselt worden waren. Düsseldorfs Dodi Lukebakio erzielte einen Dreierpack (44. Minute, 77., 93.).

"Gerade hinten fehlt Süle, Boateng oder auch Hummels das Selbstvertrauen, die Grundschnelligkeit. Uns haben sie es beim zweiten und dritten Tor einfach gemacht", sagte der Fortuna-Trainer. Bayern stehe sehr, sehr anfällig, sagte Funkel. "Man weiß im Moment, dass man gegen Bayern im Konter Tore erzielen kann, dass die Mannschaft nicht stabil steht."

In dieser Hinsicht "machen sie es den Gegner sehr einfach. Basis ist und bleibt die Defensive - und die ist sehr schwach. 17 Gegentore nach zwölf Spielen, das hatten sie sonst nach einer ganzen Saison", sagte Funkel.

Funkel nimmt Kovac in Schutz

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Jérôme Boateng

Bayern-Coach Niko Kovac nahm Funkel dagegen in Schutz. "Da kann kein Trainer der Welt etwas für, wenn Boateng auf Abseits spielt, nur weil er zu bequem ist, hinterherzurennen", sagte er im Hinblick auf die Abwehrleistung des Weltmeisters vor dem Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit. "Da geht er zwei Schritte nach vorne und will dem Laufduell mit Lukebakio aus dem Weg gehen. Einen solchen Weltklasse-Spieler darf so etwas nicht passieren."

Funkel glaube auch weiter, dass Kovac der richtige Mann für Bayern München sei. "Innerhalb der Mannschaft sollen sich ja Stimmen breit gemacht haben, die gegen Niko sind. Wenn das so ist, wäre das sehr schade", sagte er.

Funkels Karriereherbst in Düsseldorf

Friedhelm Funkel war in seiner Karriere fünf Jahre bei Bayer Uerdingen, vier Jahre beim MSV Duisburg und fünf Jahre Trainer von Eintracht Frankfurt. Nach seiner Zeit bei der Eintracht blieb er in seinen folgenden Tätigkeiten nie über 14 Monate Trainer eines Vereins.

Bei seinen Stationen in Bochum, Aachen und bei 1860 München trennten sich die Vereine jeweils vorzeitig von Funkel. Als sich seine Trainerkarriere bereits dem Ende zuneigte, wurde er 2016 Trainer von Fortuna Düsseldorf. In der Vorsaison stieg er mit der Fortuna in die Bundesliga auf.

hba/sid

insgesamt 112 Beiträge
Augustusrex 25.11.2018
1. Nein
das ist keine Kritik. Funkel hat nur den derzeitigen Stand beschrieben. Da braucht es viel Arbeit bei den Bayern. Ich bin aber sicher, dass die wiederkommen. Wenn nicht diese Saison, dann die nächste.
das ist keine Kritik. Funkel hat nur den derzeitigen Stand beschrieben. Da braucht es viel Arbeit bei den Bayern. Ich bin aber sicher, dass die wiederkommen. Wenn nicht diese Saison, dann die nächste.
derboesewolfzdf 25.11.2018
2. Schlimm ist....
dass erst ein Funkel kommen muss, um die Probleme der defensive offen anzusprechen. Seit dem CL Sieg 2013 passierten diese Fehler besonders in den wichtigen Spielen. Jetzt auch in den Partien, die eigentlich "eine klare [...]
dass erst ein Funkel kommen muss, um die Probleme der defensive offen anzusprechen. Seit dem CL Sieg 2013 passierten diese Fehler besonders in den wichtigen Spielen. Jetzt auch in den Partien, die eigentlich "eine klare Sache" sein müssten. Boateng, Hummels, Müller, Robben und Ribery sind leider bereits im Winter ihrer Karriere angekommen und müssen nächste Saison weichen. Bei Robbery habe ich auch gedacht, dass es noch für eine Saison reicht....leider habe ich mich und wohl viele andere getäuscht. Die Abwehrprobleme bestehen ja nicht erst seit gestern und es ist bezeichnend, dass gerade diese Spieler immer noch von Meisterschaft, etc. fabulieren. Nun ja, für das Image ist es scheinbar besser zu sein, mehr zu reden als zu spielen......
zeisig 25.11.2018
3. Treffend analysiert.
Die Aussage von Friedhelm über Boateng ist deutlich, aber ich denke, sie trifft es genau. Seit der WM ist Boateng für mich unten durch. Pomadig und langsam, ich kann nicht verstehen, warum er immer noch aufgestellt wird.
Die Aussage von Friedhelm über Boateng ist deutlich, aber ich denke, sie trifft es genau. Seit der WM ist Boateng für mich unten durch. Pomadig und langsam, ich kann nicht verstehen, warum er immer noch aufgestellt wird.
dieter-ploetze 25.11.2018
4. die bayernabwehr--ein huehnerhaufen
hummels und boateng sind da vorn dran. beide, trotz leistungsabfall, immer noch ueberheblich, siehe ihre aeusserungen. seltsam natuerlich, dass beide, fast im gleichschritt, ihre schnelligkeit eingebuesst haben und das im kopf [...]
hummels und boateng sind da vorn dran. beide, trotz leistungsabfall, immer noch ueberheblich, siehe ihre aeusserungen. seltsam natuerlich, dass beide, fast im gleichschritt, ihre schnelligkeit eingebuesst haben und das im kopf und auch koerperlich. ganz deutlich, wie unterm brennglas, bei boatengs slapstick vor dem tor fuer duesseldorf. da war er sichtbar doppelt ueberfordert. erst im kopf als er sein versehentliches handspiel sichtbar verbluefft registrierte und dann natuerlich in den beinen, da war er scheinbar chancenlos.
ge1234 25.11.2018
5. Unterste Schublade!
Mit Verlaub, Herr Funkel, nicht dass ich Herrn Kovac in Schutz nehmen möchte, ganz im Gegenteil, aber man lässt sich nicht in aller Öffentlichkeit über die Mannschaft eines Trainerkollegen aus, weil man damit den Kollegen [...]
Mit Verlaub, Herr Funkel, nicht dass ich Herrn Kovac in Schutz nehmen möchte, ganz im Gegenteil, aber man lässt sich nicht in aller Öffentlichkeit über die Mannschaft eines Trainerkollegen aus, weil man damit den Kollegen selbst bloßstellt und ihm die Fähigkeit abspricht, die Fehler und Schwächen selbst zu erkennen. Das ist unterste Schublade! Davon abgesehen, wie, bitte schön, soll man denn einen Konter gegen einen Spieler verteidigen, der soviel schneller ist als man selbst und gegen den man voraussichtlich jedes Laufduell verlieren wird? Die einzige Möglichkeit, die man da hat, ist, ihn gleich zu Beginn ins Abseits zu locken. Nein, Herr Funkel, der Schuß ging nach hinten los!

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