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Liverpools Niederlage in Barcelona

Was denn noch?

Der Auftritt von Jürgen Klopps Liverpool in Camp Nou war beeindruckend. Trotzdem ist das Aus in der Champions League nah. Damit könnte eine historisch gute Saison ohne Titel enden. Schlimm wäre das nicht.

Matthias Hangst / Getty Images

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp

Aus Barcelona berichtet
Donnerstag, 02.05.2019   09:34 Uhr

Woran misst man Erfolg im Fußball? An Toren? Titeln? Oder bleibt Platz für anderes?

Der FC Liverpool hat am Mittwochabend im Halbfinal-Hinspiel beim FC Barcelona 0:3 verloren, er steht vor dem fast sicheren Aus in der Champions League, und doch hat er eines seiner besten Saisonspiele gezeigt. So sah das Jürgen Klopp, und es gibt Gründe, Liverpools Trainer zuzustimmen.

Klopps Mannschaft gab mehr Schüsse ab, hatte etwas mehr Ballbesitz, sie spielte mehr Pässe, hatte in der gegnerischen Hälfte die bessere Passquote, und sie spielte weniger lange Bälle. Als der FC Barcelona. Im Camp Nou.

Pressing und Ballbesitz - beides geht

Als Klopp vor Jahren beim BVB mit seinem Pressing- und Gegenpressingstil europaweit für Aufsehen gesorgt hatte, hofften viele Fußballfans auf ein Duell mit Barca, weil damit zwei scheinbar völlig gegensätzliche Spielansätze aufeinanderträfen. Jahre später hat Klopp nun endlich in Barcelona gespielt. Und die genannten Statistiken sind auch ein Zeichen seiner persönlichen Entwicklung. Gepresst wird noch immer, aber auch in Ballbesitz ist Liverpool kreativ und gefährlich.

Er sei völlig glücklich mit dem Auftritt seiner Mannschaft. "Wir sind zwischen ihre Linien gekommen und hinter die Kette, wir waren oft in ihrem Strafraum", sagte Klopp, allein: "Barcelona hat getroffen. Wir nicht."

Zwei Szenen aus der ersten Hälfte machten den Unterschied deutlich. Auf der einen Seite Barcelona beim 1:0. Stürmer Luis Suárez erkannte, dass sein Mitspieler Jordi Alba auf dem linken Flügel genügend Zeit zum Flanken erhielt, und deutete mit ausgestrecktem Arm an, wohin er die Flanke serviert bekommen wollte. Suárez' Laufweg, exakt in die Schnittstelle zwischen Liverpools Verteidiger Joel Matip und Virgil van Dijk, war perfekt. Albas Flanke war es auch.

"What a strike!"

Kurz darauf hatte auch Liverpools Jordan Henderson auf dem Flügel Zeit für einen Pass hinter Barcelonas Abwehrkette. Sein Zuspiel landete im Lauf von Sadio Mané, der den Ball aber nicht so optimal erwischte wie zuvor Suárez auf der Gegenseite. Halbzeitstand: 1:0.

In der zweiten Hälfte dominierten die Reds die Katalanen sogar, sie drängten sie tief in deren Hälfte, der Ausgleich schien nahe, nur Torwart Marc-André ter Stegen verhinderte ihn mit seinen Paraden. So rennen, schwitzen und fürchten sehen hat man Barcelona schon lange nicht. Doch gerade als man dachte, gleich gelinge Liverpool das Auswärtstor, schlug Barca zu. Messi, Messi, einmal clever, einmal, bei seinem Freistoßtor, galaktisch.

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Ob Messi schlicht nicht zu verteidigen sei, wurde Klopp hinterher gefragt. "Der Freistoß war es jedenfalls nicht", sagte er, um nachzuschieben: "What a strike!" Während Messis Schuss im Winkel landete, prallte kurz danach Mohamed Salahs Versuch an den Pfosten. Wenige Zentimeter machten den Unterschied aus zwischen einer Ausgangslage fürs Rückspiel, die hochkompliziert sein würde, und einer noch viel schlimmeren.

Er werde viel ziehen aus diesem Spiel, sagte Klopp. Er werde die 90 Minuten seiner Mannschaft zeigen und so eine noch bessere aus ihr machen.

Geht das denn? Steckt in diesem Team, in diesem Klub wirklich noch mehr Potenzial, oder spielt es nicht eigentlich am Limit, vielleicht sogar schon darüber?

Klopps Elf hat nur zwei Probleme

Schon nach 36 von 38 Spieltagen in der Premier League steht fest, dass Liverpool seine beste Saison seit Einführung der Drei-Punkte-Regel hinlegt. Klopps einstiges Manko, dass seine Teams Punkte gegen solche Mannschaften liegen lassen, die sich im Strafraum verschanzen und Bälle konsequent nach vorne schlagen, ist passé. Die Reds gewinnen und gewinnen, egal wie der Gegner verteidigt. Es gibt nur zwei Probleme: Manchester City und Lionel Messi.

City spielt bislang eine noch bessere Saison, und zwar um genau einen Punkt. Und dass Messi an guten Tagen schlicht undeckbar ist, hat so ziemlich jede Spitzenmannschaft Europas schonmal erleben müssen. Beides kann man anerkennen, ohne Liverpools Erfolge zu schmälern.

Die Mannschaft spielt historisch gut. Aber es gibt zwei Teams, die scheinbar noch besser sind.

Nach außen hin präsentierte sich Klopp gelassen. Er lobte, wie mutig sein Team aufgetreten sei. Aber diese Chancenverwertung! Dann wurde er ruhig, die Stimme leise. "In dieser Saison geht es anscheinend um Kleinigkeiten", sagte er, als ziehe er gerade Bilanz. "Ist der Ball hinter der Linie, oder nicht? Geht er an den Pfosten oder rein?"

Anfang des Jahres klärte Manchester Citys John Stones einen Schuss von Liverpools Mané so eben noch auf der Linie, 11,7 Millimeter entschieden über Tor oder kein Tor. Hätte Liverpool gewonnen, wäre der Vorsprung auf City auf zehn Punkte gewachsen. Liverpool verlor, City holte auf. In Barcelona hätte Salahs Pfostenschuss die Hoffnung aufs Weiterkommen geschürt, wenn er etwas präziser gekommen wäre. Zumindest hätte er wohl das Gefühl der Machtlosigkeit vertrieben. Dass man tun und machen kann, und am Ende trifft eben doch Messi. Dabei ist es nicht schlimm, gegen diesen Messi zu verlieren. Oder gegen dieses City. Und noch sind die Titel nicht vergeben.

Für Klopp selbst wäre eine titellose Spielzeit die siebte in Folge, wenn man einmal vom wenig relevanten deutschen Supercup absieht. Mit Liverpool wartet er noch auf die erste Trophäe. Will man das angesichts des Fußballs, den die Reds spielen, und angesichts der Erfolge, die sie Woche um Woche einfahren, ernsthaft kritisieren?

Der 51-Jährige ist lange im Geschäft. Er weiß, wie es laufen kann. "Mister Valverde hat alles richtig gemacht und ich alles falsch", sagte er am späten Abend in Camp Nou über sich und Barcas Trainer: "So läuft es im Fußball." Man möchte hoffen, dass er falsch liegt.

insgesamt 54 Beiträge
siryanow 02.05.2019
1. Klopp hoch
Also geehrter Herr Klopp: Liverpool lag zu Hause gegen BVB haushoch zurück und hat das Spiel gewonnen. Die deutsche Mannschaft hat im Finale 2014 in Rio Messi keinen Stich gelassen. Kopf hoch und versuchen in 90 Minuten den [...]
Also geehrter Herr Klopp: Liverpool lag zu Hause gegen BVB haushoch zurück und hat das Spiel gewonnen. Die deutsche Mannschaft hat im Finale 2014 in Rio Messi keinen Stich gelassen. Kopf hoch und versuchen in 90 Minuten den Ausgleich zu schaffen. Ob Barcelona in der Verlängerung die Power hat, wird sich dann zeigen. Sie haben den Britts ja ooch 'n 2. Referendum vorgeschlagen und es sieht mehr und mehr nach einer Mehrheit dafür aus. Corragio
genaumeinding 02.05.2019
2. Nur wer Tore schießt gewinnt ein Spiel
Gegen eine keineswegs Uebermannschaft wurden Liverpool Grenzen aufgezeigt. Selbst bei 120 Minuten harrten die kein Tor geschossen. Mit der Form der Stuermer aus dem letzten Jahr hätten sie eine Chance gehabt. Es war ein Sieg des [...]
Gegen eine keineswegs Uebermannschaft wurden Liverpool Grenzen aufgezeigt. Selbst bei 120 Minuten harrten die kein Tor geschossen. Mit der Form der Stuermer aus dem letzten Jahr hätten sie eine Chance gehabt. Es war ein Sieg des Willens. Liverpool hat denCL Sieg nicht verdient. Mit Klopp gewinnt man keine großen Titel.
BurekTomate 02.05.2019
3. Klopps Versagen auf den letzten Metern
Klopp ist mit seiner Art beeindruckend! Mit seiner Positiviität scheint er Berge versetzen zu können und aus dem Nichts etwas großes erreichen. Das hat er jetzt (fast) mit zwei Vereinen geschafft. Man wird nicht viel Trainer [...]
Klopp ist mit seiner Art beeindruckend! Mit seiner Positiviität scheint er Berge versetzen zu können und aus dem Nichts etwas großes erreichen. Das hat er jetzt (fast) mit zwei Vereinen geschafft. Man wird nicht viel Trainer finden in der Historie des Fußballs mit so einer Vita. Doch es ist eben kein Zufall dass er fast alle Finals verloren hat. Die große Stärke seiner Mannschaften ist ja die Motivation . Dumm nur dass in Finals auch der Gegner zu hundert Prozent motiviert ist, dann ist Klopps große Stärke dahin.
inge-p.1 02.05.2019
4.
In der bestechenden Form hätte Messi auch die Bayern geschlagen. Gut, die Bayern sind seit der Klatsche von Liverpool raus und so hat es gestern eben Liverpool selbst getroffen. Und Barcelona ist eben kein Mittelklasseverein und [...]
In der bestechenden Form hätte Messi auch die Bayern geschlagen. Gut, die Bayern sind seit der Klatsche von Liverpool raus und so hat es gestern eben Liverpool selbst getroffen. Und Barcelona ist eben kein Mittelklasseverein und gehört neben Real Madrid und Atlético zu den Top3 in Europa. Vielleicht ist das 3:0 wegweisend für Barcelona ins Finale, vielleicht aber schafft Liverpool am Dienstag das Unmögliche. Selbst die Meisterschaft ist noch nicht abgeschrieben. Persönlich drücke ich Klopp und seiner Mannschaft die Daumen. Und Messi? Auch er hat mal einen schlechten Tag.
wizzard74 02.05.2019
5.
Da hat wohl einer weder den Artikel gelesen noch die Realität wahrgenommen und wenn doch, keins davon verstanden. Das ist in dieser Saison nichts als statistisches Rauschen, vulgo Glück und Pech, das über Titel oder kein [...]
Zitat von genaumeindingGegen eine keineswegs Uebermannschaft wurden Liverpool Grenzen aufgezeigt. Selbst bei 120 Minuten harrten die kein Tor geschossen. Mit der Form der Stuermer aus dem letzten Jahr hätten sie eine Chance gehabt. Es war ein Sieg des Willens. Liverpool hat denCL Sieg nicht verdient. Mit Klopp gewinnt man keine großen Titel.
Da hat wohl einer weder den Artikel gelesen noch die Realität wahrgenommen und wenn doch, keins davon verstanden. Das ist in dieser Saison nichts als statistisches Rauschen, vulgo Glück und Pech, das über Titel oder kein Titel bei Liverpool entscheidet.

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