Sport

Fußball-Champion USA

Willensstarker Weltmeister

Sie waren das beste Team der WM, doch die Niederlande machten es ihnen lange schwer. Nur mit viel Geduld haben die USA den Weltmeistertitel geholt. In Gefahr war der Finalsieg aber nicht.

Richard Heathcote/Getty Images

Torschützin Rose Lavelle schreit ihre Freude heraus

Aus Lyon berichtet
Montag, 08.07.2019   11:18 Uhr

US-Trainerin Jill Ellis hätte eigentlich fuchsteufelswild sein müssen. In der Schlussphase des WM-Finals gegen die Niederlande ließ ihr Team reihenweise Chancen liegen. Die Angreiferinnen gewannen Eins-gegen-eins-Situationen, schlossen aber schwach ab. Oder sie versuchten es lieber selbst, als die besser postierte Mitspielerin in Szene zu setzen - eine so fahrlässige Verwertung der Möglichkeiten hätte eigentlich bestraft werden müssen.

Doch das war nicht der Fall. Denn die USA lagen zu diesem Zeitpunkt bereits 2:0 in Führung - und die Spielerinnen konnten die vergebenen Chancen später verkraften. Denn: Der amtierende Weltmeister gewann gegen den Europameister. Die USA feierten den vierten WM-Titel nach 1991, 1999 und 2015 - und die erst zweite gelungene Titelverteidigung bei einer Weltmeisterschaft nach Deutschland 2007. Es war zudem die dritte WM-Finalteilnahme in Folge - 2011 verloren die USA gegen Japan.

Doch so eindeutig, wie es in der Schlussphase schien, war das Endspiel für die USA nicht. Die Niederlande überstanden als erster US-Gegner bei diesem Turnier die ersten zwölf Minuten ohne Gegentor. Der Sturm zu Beginn, er zeigte gegen Holland keine Wirkung, die Europäerinnen verteidigten exzellent, auch wenn das auf Kosten eigener Angriffe ging.

"Sie haben es uns schwer gemacht und gut gegen den Ball verteidigt", sagte US-Trainerin Ellis nach der Partie: "Ich habe meinen Spielerinnen gesagt, dass dieser Widerstand irgendwann brechen wird." Auch Mittelfeldspielerin Rose Lavelle sagte: "Wir hätten gerne früh getroffen, so wie in den vergangenen Spielen. Es brauchte eine Menge, um die niederländische Defensive zu brechen."

Die USA waren während des gesamten Turniers in Frankreich das dominierende Team gewesen. Mit einem 13:0 gegen Thailand gestartet, besiegten sie im weiteren Verlauf den Mitfavoriten und späteren WM-Dritten Schweden. Auch Gastgeber Frankreich und die hochgelobten Engländer wurden bezwungen - beides ebenfalls Titelanwärter. Auf der deutlich härteren Turnierbaumseite schlug ihnen zwar viel Gegenwehr entgegen, doch vor dem Aus standen die USA nie.

Auch gegen die Niederlande war der Sieg kaum ernsthaft in Gefahr gewesen, selbst wenn Oranje einige Kontermöglichkeiten hatte. Das erste Tor der Partie schossen die USA in der zweiten Hälfte. Nachdem Alex Morgan im Strafraum von ihrer Gegnerin mit dem Fuß am Oberkörper getroffen worden war, entschied Schiedsrichterin Stephanie Frappart nach Intervention des Videoschiedsrichters auf Strafstoß.

"Je größer das Rampenlicht, desto heller strahlt sie"

Fotostrecke

WM 2019: Unter vier Sternen

Und den verwandelte US-Superstar Megan Rapinoe, die zum Gesicht dieser WM geworden ist - und auch zur Torschützenkönigin und besten Spielerin des Turniers gekrönt wurde. Trainerin Ellis sagte über ihre Spielerin: "Je größer das Rampenlicht, desto heller strahlt sie." Rapinoe selbst verwies auf die Leistung des ganzen Teams und vor allem die enorme Erfahrung vieler Spielerinnen. "Davon haben wir profitiert. Wir hatten schwierige Spiele, schwierige Situationen, schwierige Gegner."

Tatsächlich gab es eine Menge Trubel im Turnierverlauf. Doch die Geschichten abseits des Platzes, etwa der Angriff von Ex-Keeperin Hope Solo auf Trainerin Ellis, Megan Rapinoes Auseinandersetzung mit US-Präsident Donald Trump oder die Debatte, ob der Tee-Jubel von Morgan im Halbfinale gegen England nun respektlos war, steckten die Spielerinnen anscheinend problemlos weg. Der Fokus auf den Titel, der Wille zum Sieg, zur Weltmeisterschaft, er war stets zu spüren.

Spätestens als Lavelle den zweiten US-Treffer nach einem Solo durch die Mitte nachgelegt hatte ("Als ich den Raum gesehen habe, dachte ich nur: Versuch es"), konnten die "Champions"-Shirts langsam hinter der Bande hervorgeholt werden. "Es wird eine Weile dauern, um von diesem Hoch wieder runterzukommen", sagte Morgan. Und Verteidigerin Kelley O'Hara sagte: "Das ist absolut verrückt. Ich bin so stolz auf das Team."

USA - Niederlande 2:0 (0:0)
1:0 Rapinoe (62./Foulelfmeter)
2:0 Lavelle (69.)
USA: Naeher - O'Hara (46. Krieger), Dahlkemper, Sauerbrunn, Dunn - Mewis, Ertz, Lavelle - Heath (87. Lloyd), Morgan, Rapinoe (79. Press)
Niederlande: Van Veenendaal - van Lunteren, Dekker (73. van de Sanden), van der Gragt, Bloodworth - Groenen, van de Donk, Spitse - Beerensteyn, Miedema, Martens (70. Roord)
Schiedsrichterin: Frappart (Frankreich)
Gelbe Karten: Dahlkemper - Spitse, van der Gragt
Zuschauer: 57.900

insgesamt 12 Beiträge
hdwinkel 08.07.2019
1. Kick and Rush
Nun ja, die Niederländerinnen waren jetzt nicht soo schlecht, aber das Spiel haben die US-Amerikanerinnen die meiste Zeit mehr oder weniger allein machen müssen. Die Niederländerinnen haben sich nur hinten reingestellt und [...]
Nun ja, die Niederländerinnen waren jetzt nicht soo schlecht, aber das Spiel haben die US-Amerikanerinnen die meiste Zeit mehr oder weniger allein machen müssen. Die Niederländerinnen haben sich nur hinten reingestellt und ausschließlich auf Konter gewartet. Diese Konstellation gab es häufiger bei dieser WM und ist wohl der Tatsache geschuldet, daß die meisten Teams individuell zu schlecht sind, um selbst das Spiel zu machen. Besonders das Halbfinale zwischen Schweden und den Niederlanden war Sinnbild dessen, was dabei herauskommt, wenn zwei Kick and Rush Mannschaften aufeinandertreffen. Nichts. Es gehört zur Tragik dieser WM, daß die spielstärkeren Mannschaften sich zumeist gegenseitig rausgekegelt haben, oder wirklich Pech hatten (Japan). Auch die US-Amerikanerinnen hatten unglaublich viele technische Fehler, aber immer noch weniger als der Rest. Da ist insgesamt noch viel zu tun.
hl007 08.07.2019
2. Sehr einseitige Sichtweise
Die Bevorzugung der Amerikanerinnen während des Turniers war auch gestern wieder zu beobachten. So wurde eine Holländerin für ein eher harmloseres Foul relativ früh mit gelb verwarnt, während eine Amerikanerin, die mit [...]
Die Bevorzugung der Amerikanerinnen während des Turniers war auch gestern wieder zu beobachten. So wurde eine Holländerin für ein eher harmloseres Foul relativ früh mit gelb verwarnt, während eine Amerikanerin, die mit offener Sohle ihre Gegenspielerin umgesenst hatte, mit einer Ermahung davon kam. Die Diverin Morgan hatte schon in der ersten Halbzeit versucht, einen Elfmeter zu schinden. In der zweiten Hälfte hatte sie mit ihrem theatralischen Sturz dann Erfolg. Für mich war dies kein Elfemeter, Aber wenn man diesen gibt, dann hätten zuvor die Holländerinnen auf jeden Fall einen bekommen müssen, aber da schwieg der VAR, warum nur? Überhaupt der VAR ist ein noch unsinnigeres technisches "Hilfsmittel" als die Torlinientechnik. Der Platzverweis von Messi ist ein weiterer Beleg für die Unsinnigkeit des VAR. Bei diesem Platzverweis war bereits in normaler Geschwindigkeit erkennbar, dass Messi rein gar nichts getan hat, was eine Karte rechtfertigt. Dass die Rote Karte trotz VAR nicht zurückgenommen wurde, ist fast unerklärlich. Aber Gedanken an unseriöse Motive verbieten sich natürlich.
Flinger 08.07.2019
3. Zweifelhafter Elfmeter
Ich fand den Elfer auch zweifelhaft. Es hat zwar eine Berührung stattgefunden, und das Bein van der Gragts war gestreckt und zu hoch. Andererseits erfolgte die Berührung mE in einer Weise, die Alex Morgan in ihrer Laufbahn gar [...]
Ich fand den Elfer auch zweifelhaft. Es hat zwar eine Berührung stattgefunden, und das Bein van der Gragts war gestreckt und zu hoch. Andererseits erfolgte die Berührung mE in einer Weise, die Alex Morgan in ihrer Laufbahn gar nicht oder allenfalls unwesentlich behindert hat: Die Bewegungsrichtung des Beins führte an Morgan vorbei, sie wurde nicht mit offener Sohle, sondern mit dem Bein nur beiderseits seitlich und nur leicht touchiert. Der spektakuläre Sturz von Alex Morgan war - um es mit Arien Robben zu sagen - "clever", allerdings sicher nicht der Berührung geschuldet. Früher wäre das für einen Elfmeter sicher zu wenig gewesen. Jedenfalls schade, dass das Spiel so entschieden wurde.
kajoter 08.07.2019
4. @ #2
Genau, so einseitig kann eine Sichtweise sei. Alex Morgan wurde in der ersten Hälfte ein klarer Elfmeter aberkannt. In der Zeitlupe konnte man eindeutig erkennen, wie die Holländerin sie mit einer robusten Umarmung zu Boden [...]
Zitat von hl007Die Bevorzugung der Amerikanerinnen während des Turniers war auch gestern wieder zu beobachten. So wurde eine Holländerin für ein eher harmloseres Foul relativ früh mit gelb verwarnt, während eine Amerikanerin, die mit offener Sohle ihre Gegenspielerin umgesenst hatte, mit einer Ermahung davon kam. Die Diverin Morgan hatte schon in der ersten Halbzeit versucht, einen Elfmeter zu schinden. In der zweiten Hälfte hatte sie mit ihrem theatralischen Sturz dann Erfolg. Für mich war dies kein Elfemeter, Aber wenn man diesen gibt, dann hätten zuvor die Holländerinnen auf jeden Fall einen bekommen müssen, aber da schwieg der VAR, warum nur? Überhaupt der VAR ist ein noch unsinnigeres technisches "Hilfsmittel" als die Torlinientechnik. Der Platzverweis von Messi ist ein weiterer Beleg für die Unsinnigkeit des VAR. Bei diesem Platzverweis war bereits in normaler Geschwindigkeit erkennbar, dass Messi rein gar nichts getan hat, was eine Karte rechtfertigt. Dass die Rote Karte trotz VAR nicht zurückgenommen wurde, ist fast unerklärlich. Aber Gedanken an unseriöse Motive verbieten sich natürlich.
Genau, so einseitig kann eine Sichtweise sei. Alex Morgan wurde in der ersten Hälfte ein klarer Elfmeter aberkannt. In der Zeitlupe konnte man eindeutig erkennen, wie die Holländerin sie mit einer robusten Umarmung zu Boden riss. Die ausgleichende Gerichtigkeit folgte dann in der 2. Hälfte, als sie durch ein hohes Bein getroffen wurde. Auch dieses war in der Zeitlupe klar erkennbar. Außerdem: Sie schreiben von Bevorzugung der Amerikanerinnen. Bei den Gegnern, die sie zu spielen hatten, kann davon aber keine Rede sein, denn die waren das Schwerste, was man in dieser WM hätte bekommen können.
M. Vikings 08.07.2019
5.
Was das angebliche Schinden eines Strafstoßes von Morgan angeht, Morgan wurde im Strafraum weg- bzw. umgestoßen. Beide Arme von Bloodworth waren dabei ausgestreckt. In anderen Spielen hat es dafür einen Strafstoß [...]
Zitat von hl007Die Bevorzugung der Amerikanerinnen während des Turniers war auch gestern wieder zu beobachten. So wurde eine Holländerin für ein eher harmloseres Foul relativ früh mit gelb verwarnt, während eine Amerikanerin, die mit offener Sohle ihre Gegenspielerin umgesenst hatte, mit einer Ermahung davon kam. Die Diverin Morgan hatte schon in der ersten Halbzeit versucht, einen Elfmeter zu schinden. In der zweiten Hälfte hatte sie mit ihrem theatralischen Sturz dann Erfolg. Für mich war dies kein Elfemeter, Aber wenn man diesen gibt, dann hätten zuvor die Holländerinnen auf jeden Fall einen bekommen müssen, aber da schwieg der VAR, warum nur? Überhaupt der VAR ist ein noch unsinnigeres technisches "Hilfsmittel" als die Torlinientechnik. Der Platzverweis von Messi ist ein weiterer Beleg für die Unsinnigkeit des VAR. Bei diesem Platzverweis war bereits in normaler Geschwindigkeit erkennbar, dass Messi rein gar nichts getan hat, was eine Karte rechtfertigt. Dass die Rote Karte trotz VAR nicht zurückgenommen wurde, ist fast unerklärlich. Aber Gedanken an unseriöse Motive verbieten sich natürlich.
Was das angebliche Schinden eines Strafstoßes von Morgan angeht, Morgan wurde im Strafraum weg- bzw. umgestoßen. Beide Arme von Bloodworth waren dabei ausgestreckt. In anderen Spielen hat es dafür einen Strafstoß gegeben. Der Strafstoß der gegeben wurde musste gegeben werden. Gragt trifft Morgan mit gestrecktem hohen Bein Morgan, knapp unterhalb der Schulter, mit der Fußfläche. Das ist auf dem ganzen Spielfeld ein Foul. Im Strafraum gibt es dann zu Recht einen Strafstoß. http://mediathek.daserste.de/FIFA-Frauen-WM-2019/USA-Niederlande-2-0/Video?bcastId=62245136&documentId=64606488 Sie sollten sich auch unbedingt mit dem Regelwerk beschäftigen, dann können Sie begründete weniger emotionale Beiträge schreiben, die dann auch eher den Tatsachen entsprechen. Das Regelwerk ist nämlich die Grundlage der Entscheidungen, die die Schiedsrichterinnen treffen. https://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/179710-AU1801301_Fussballregeln_2018_LowRes.pdf

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP