Sport

WM-Finaleinzug der USA

Durchstarten und Tee trinken

Das Team der USA bringt in jedem WM-Spiel neue Heldinnen hervor. Im Halbfinale gegen England waren es eine Ersatzstürmerin und die Torhüterin. Für Aufsehen sorgte der Torjubel von Angreiferin Alex Morgan.

Getty Images

Alex Morgan

Aus Lyon berichtet
Mittwoch, 03.07.2019   07:48 Uhr

Alyssa Naeher ist laut offiziellen Fifa-Angaben 1,75 Meter groß. Doch nicht wenige am Dienstagabend sahen in der US-Amerikanerin eine "Riesin". Zugegeben, dies hatte weniger mit einem tatsächlichen Wachstumsschub zu tun als mit ihrer Leistung auf dem Platz. Die Torhüterin hatte schließlich dank eines gehaltenen englischen Strafstoßes in der 84. Minute den Ausgleich verhindert.

"Sie hat das Team gerettet", sagte Becky Sauerbrunn, die den Elfmeter verursacht hatte und sich mit den USA somit dennoch über den 2:1 (2:1)-Sieg freuen konnte. "Das war so ein großer Moment", sagte Megan Rapinoe über die Keeperin, die mit einem Sprung in die aus ihrer Sicht rechte Ecke den Schuss von Englands Kapitänin Steph Houghton pariert hatte. Und Christen Press sagte: "Es war episch."

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USA stehen im WM-Finale: Es geht auch ohne Megan Rapinoe

Rapinoe und Press, die beiden Angreiferinnen waren die Protagonistinnen der zweiten Geschichte dieses Halbfinales von Lyon. Die Stürmerin mit den pinkfarbenen Haaren hatte bei den USA bislang für das meiste Aufsehen gesorgt: Ob nun wegen der Auseinandersetzung mit US-Präsident Donald Trump oder wegen ihrer zwei Tore gegen Frankreich, welche die USA überhaupt erst so weit gebracht hatten.

Ein Tor im Rapinoe-Style

Doch gegen England saß Rapinoe nur auf der Bank. Sie machte sich nicht einmal gemeinsam mit der Mannschaft warm, den Grund verrieten die Stürmerin und US-Trainerin Jill Ellis nach der Partie: eine Oberschenkelverletzung, zugezogen während des Viertelfinales. Zum Finale soll Rapinoe jedoch wieder einsatzfähig sein.

Im Halbfinale wurde sie von Press ersetzt - und wenn es einen Wechsel gibt, der die vielbeschworene Kaderdichte der USA beweist, dann dieser Tausch: Gerade einmal zehn Minuten waren gespielt, als die 30-Jährige sich ganz im Rapinoe-Style am zweiten Pfosten freilief und eine Flanke von der rechten Seite ins Tor bugsierte.

Alex Grimm / Getty Images

Christen Press (rechts)

"Wir wollen 90 Minuten lang angreifen. Ein frühes Tor ist dabei der Plan", sagte US-Trainerin Ellis: "Press hat das fantastisch gemacht." Bislang haben die USA in jedem Spiel in der Anfangsphase getroffen. Dennoch hatte der Titelfavorit diesmal Probleme. Die Torschützin selbst bekannte, dass die Partie gegen England schwierig gewesen sei: "Du kannst keinen Moment Luft holen", sagte sie.

Der elfte Sieg in Serie ist ein neuer WM-Rekord

Tatsächlich hatte Englands Angreiferin Ellen White bereits neun Minuten nach der Führung mit einem feinen direkten Abschluss für den Ausgleich gesorgt. Und noch vor der Halbzeit war es US-Starangreiferin Alex Morgan, die das 2:1 - den Endstand - erzielte. Die 30-Jährige fügte der Jubelsammlung bei dieser WM ein weiteres Modell hinzu: die "Teetrinkerin".

Natürlich war dies eine Anspielung auf britische Gebräuche, und Morgan wollte das auch nur als Albernheit aufgefasst wissen. "Wir hatten viel Spaß mit den Torjubeln bislang", sagte Morgan. Im vergangenen Spiel habe Rapinoe auf diesem Gebiet wieder einmal vorgelegt, deshalb habe sie sich nun steigern müssen.

Bernadett Szabo / REUTERS

Die verletzte Megan Rapinoe (rechts) freute sich über den Finaleinzug

Die USA, auch das ist die Botschaft dieser Anekdote, kann es sich leisten, über Torjubeln zu brüten. Denn sie gehen nach nun 16 WM-Spielen in Folge ohne Niederlage jedes Spiel mit der Gewissheit an, dass sie es wohl auch gewinnen werden.

Sie haben nun turnierübergreifend elf Siege bei Weltmeisterschaften in Serie gefeiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Die bisherige Bestmarke in dieser Kategorie hielt Norwegen mit zehn Siegen aus den Jahren 1995 bis 1999.

Zum dritten Mal in Folge nach 2011 und 2015 stehen die USA in einem WM-Finale.

Harte Hälfte

Dass das natürlich nicht immer so weitergehen kann, ist klar. Doch gerade diese gedankliche Stärke macht das Team aus - das empfand auch England-Coach Phil Neville so: "Sie sind das beste Team wegen ihrer Mentalität. Die USA wissen, wie man gewinnt."

Drei Tore in der ersten Hälfte, zwei VAR-Einsätze (aus denen der gehaltene Elfmeter sowie ein aberkannter - und wirklich wunderschöner - Treffer von White resultierten), ein Platzverweis gegen Englands Abwehrspielerin Millie Bright sowie einige üble Tritte später (Rose Lavelle: "Die zweite Hälfte war etwas hart"), befand sich das Spiel in einer spannenden Schlussphase.

Und hier konnte man den Unterschied zwischen den beiden Teams erkennen: Während England die Bälle im Aufbauspiel verlor, nervöse Fehlpässe spielte und sich sogar einen falschen Einwurf leistete, nahmen die USA mit routinierten Läufen zur Eckfahne die Zeit von der Uhr. Und davon gab es reichlich: Sieben Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt.

Nun brauchen die USA nur noch einen Sieg für die Titelverteidigung. "Wir sind hier für eine Sache: zum Gewinnen. Für die Trophäe", sagte Ellis. Gegner im Endspiel wird entweder Schweden, gegen die die USA bereits in der Vorrunde 2:0 gewonnen hatten, oder die Niederlande. Beide Teams treffen am Abend im zweiten Halbfinale aufeinander (21 Uhr/Liveticker bei SPIEGEL ONLINE, TV: ARD). Kelley O'Hara machte das Selbstbewusstsein des US-Teams mit einem kurzen Satz deutlich. Wer ihr denn lieber wäre als Gegner, wurde sie gefragt. Ihre Antwort: "I don't care!"

England - USA 1:2 (1:2)
0:1 Press (10.)
1:1 White (19.)
1:2 Morgan (32.)
England: Telford - Bronze, Houghton, Bright, Stokes - Walsh (71. Moore), Parris, Scott, Daly (89. Stanway), Mead (58. Kirby) - White
USA: Naeher - O'Hara (87. Krieger), Dahlkemper, Sauerbrunn, Dunn - Lavelle (65. Mewis), Ertz, Horan - Heath (80. Lloyd), Morgan, Press
Schiedsrichterin: Edina Alves Batista (Brasilien)
Gelbe Karten: - / Horan
Gelb-Rot: Bright
Zuschauer: 53.512

insgesamt 36 Beiträge
spon_7302413 03.07.2019
1. Ein mitreissendes Spiel
Beide Teams gut, die besserer Physis hat das Spiel meiner Beobachtung nach entschieden. Die Frauen der USA spielten einmal mehr dynamisch, schnell, ballsicher im Aufbau. Und kompromisslos gegen den Ball. Die Abwehr wackelte [...]
Beide Teams gut, die besserer Physis hat das Spiel meiner Beobachtung nach entschieden. Die Frauen der USA spielten einmal mehr dynamisch, schnell, ballsicher im Aufbau. Und kompromisslos gegen den Ball. Die Abwehr wackelte allerdings ein paar Mal zu oft. Da war auch Glück dabei. Die Britinnen haben zeitweise gut dagegen halten können und es wäre in machen Situationen mehr drin gewesen. Letztlich schienen mir die US-Damen einmal mehr fitter und Willensstärker, als ihre Gegner. Insgesamt wurde ich beim Zuschauen von beiden Teams gut unterhalten. Die Spielstärke dieser beiden Frauen-Teams würde auch so mancher Herren-Mannschaft zu schaffen machen, möchte ich wetten.
spon-facebook-10000394802 03.07.2019
2. Tolles Spiel,
in dem die Engländerinnen mit der Aberkennung des 2. Tores betrogen wurden. Beim 2. Tor der USA war die Torschützin ebenfalls leicht im Abseits.
in dem die Engländerinnen mit der Aberkennung des 2. Tores betrogen wurden. Beim 2. Tor der USA war die Torschützin ebenfalls leicht im Abseits.
hl007 03.07.2019
3. Eine gutes Spiel, aber VAR nervt nur noch!
Eins vorweg wie die gestrige Kommentatorin ist auch ihr Berichterstatter - leider - ein wenig zu sehr Fan der USA-Mannschaft. Einen falschen Einwurf gab es auch bei den Amerikanerinnen zu sehen und das elende Zeitschinden und [...]
Eins vorweg wie die gestrige Kommentatorin ist auch ihr Berichterstatter - leider - ein wenig zu sehr Fan der USA-Mannschaft. Einen falschen Einwurf gab es auch bei den Amerikanerinnen zu sehen und das elende Zeitschinden und Karten fordern war gruselig, hatte aber leder Erfolg. Die Abseitspostion beim zweiten englischen Tor kann man glauben, muss man aber nicht. Bei solch engen Entscheidungen sollte im Zweifel für die Angreiferin entschieden werden. Nach meiner Wahrnehmung könnte das zweite amerikanische Tor auch aus einer solch knappen Abseitspostion gefallen sein, da hat es der VAR jedoch wohl nicht notwendig erachtet, die Situation zu prüfen. Der Platzverweis für die englische Spielerin ist zwar vertretbar, aber die insgesamt schwache Schiedsrichterin hat in der ersten Halbzeit für vergleichbare Aktionen der Amerikanerin keine Gelben Karten gezeigt. Dabei hat sie bei einem Einsteigen einer Amerikanerin mit der offenen Sohle in der ersten Halbzeit sogar Freistoß für die foulende Spielerin gepfiffen.
Ezechiel 03.07.2019
4. Ein tolles Spiel.
Das war ein tolles Spiel, von beiden Frauenschaften. Das DFB-Team wäre gegen beide untergegangen.
Das war ein tolles Spiel, von beiden Frauenschaften. Das DFB-Team wäre gegen beide untergegangen.
lalito 03.07.2019
5. Klasse Unterhaltung
Da wackelt eine Männerdomäne. Bin ehrlich angetan von der Variante mit weiblichen Protagonisten des Spiels, macht viel Freude dabei zuzuschauen.
Da wackelt eine Männerdomäne. Bin ehrlich angetan von der Variante mit weiblichen Protagonisten des Spiels, macht viel Freude dabei zuzuschauen.

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