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DFB-Nationaltrainerin

Voss-Tecklenburg wehrt sich gegen Kritik nach frühem WM-Aus

Den Aufschwung im Frauenfußball nicht verschlafen, gute Basis im Team vorhanden: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sieht die DFB-Auswahl trotz der WM-Enttäuschung auf dem richtigen Weg.

Sebastian Gollnow / DPA

Martina Voss-Tecklenburg beim Länderspiel gegen Schweden

Mittwoch, 10.07.2019   15:08 Uhr

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat sich gegen Kritik in Richtung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) nach dem vorzeitigen WM-Aus im Viertelfinale gewehrt. "Ich bin weit davon entfernt, irgendeine Schwarzmalerei zu betreiben, weil ich einfach daran glaube, dass wir eine gute Basis haben", sagte die 51-Jährige im Rahmen des "adesso Media Day" in Dortmund.

Voss-Tecklenburg sagte, dass andere Nationen einen richtig guten Job machten und Deutschland sowie den alten und neuen Weltmeister USA lange Zeit als Vorbild gesehen hätten. Sie wehrte sich dagegen, "irgendetwas verschlafen zu haben". Gemeint dürften vor allem europäische Nationen gewesen sein wie Europameister und WM-Finalteilnehmer Niederlande oder der WM-Halbfinalist England. Beide Länder haben in den vergangenen Jahren einige Reformen im Fußball der Frauen verabschiedet und sich gegenüber Deutschland sportlich enorm verbessert. Auch die europäischen Konkurrenten aus Frankreich, Schweden, Spanien oder Italien hatten bei der WM einen guten Eindruck hinterlassen.

Es wird Veränderungen im DFB-Team geben

Deutschland war bei der WM in Frankreich bereits im Viertelfinale an Schweden gescheitert. Damit wird die DFB-Auswahl im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Tokio nicht vertreten sein. Auch bei der Europameisterschaft 2017 war das deutsche Team vorzeitig im Viertelfinale ausgeschieden. Nach dem erneut frühen Aus bei einem großen Turnier wurde Kritik an fehlenden Investitionen und mangelnder Professionalisierung im deutschen Frauenfußball laut. Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema.

Kritik hatte unter anderem Ralf Kellermann geäußert. "In den vergangenen Jahren hat man sich zu sehr auf den Erfolgen ausgeruht und den Prozess, der sich schon länger angedeutet hat, nicht wirklich ernst genommen", schrieb der Sportchef des Double-Gewinners VfL Wolfsburg im "Kicker". Für den Manager des siebenmaligen Meisters 1. FFC Frankfurt, Siegfried Dietrich, ist es "offensichtlich, dass in anderen europäischen Verbänden und Ligen viel investiert und für den Frauenfußball getan wird", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Beim nächsten Länderspieleinsatz in der EM-Qualifikation tritt die DFB-Auswahl gegen Montenegro am 31. August (12.30 Uhr, TV: ARD) an. Bis dahin dürfte sich auch das Gesicht der Mannschaft verändert haben. Die langjährige Nationalspielerin Lena Goeßling hat bereits ihren Rücktritt vom DFB-Team angekündigt, unmittelbar nach dem WM-Aus deutete Bundestrainerin Voss-Tecklenburg sogar weitere Rücktritte an. Torhüterin Almuth Schult wird wegen einer Schulteroperationen mehrere Wochen fehlen. Es sind auch Veränderungen in der Verteidigung vorstellbar, die beim Turnier in Frankreich eine Schwachstelle war.

jan/sid

insgesamt 19 Beiträge
FK-1234 10.07.2019
1. Zutreffende Kritik
Neben der unproffessionellen Einstellung der Altvorderen des DFB...die sehenden Auges zugelassen haben, dass wir mittlerweile beim Frauenfussball ins Hintertreffen geraten sind und nicht mehr zur Weltspitze gehören, hat auch die [...]
Neben der unproffessionellen Einstellung der Altvorderen des DFB...die sehenden Auges zugelassen haben, dass wir mittlerweile beim Frauenfussball ins Hintertreffen geraten sind und nicht mehr zur Weltspitze gehören, hat auch die neue Bundestrainierin Lehrgeld gezahlt. Will heißen, sie hat nicht die richtige Mischung zwischen Erfahrenen und Neulingen im Team gefunden und falsche Personalentscheidungen getroffen. Fast alle turniererprobten Spielerinnen sind außen vor geblieben, haben wenig Einsatzzeiten bekommen oder sind erst gar nicht nominiert worden und deshalb zurückgetreten. Stattdessen Unerfahrenheit pur, so dass nach einem Gegentor faktisch jeglicher Spielfluss verloren ging. Von der instabilen Abwehr gar nicht zu sprechen. Gegen Schweden -sicherlich keine Übermannschaft- stellte die Trainerin eine einzige Stürmerin auf, die sehr jung und aufgrund ihrer körperlichen Konstitution letztlich chancenlos gegen die stabilen schwedischen Verteidigerinnen war. Sicherlich keine Überraschung.
Skakesbier 10.07.2019
2. Immer noch
nicht kapiert! a) Die Auftritte der deutschen Damen waren in toto beeindruckend ... mau. b) Exempel: Viel Sicherheits-Ballgeschiebe im defensiven Mittelfeld; öffnende Diagonalpässe in der gegnerischen Hälfte: totale [...]
nicht kapiert! a) Die Auftritte der deutschen Damen waren in toto beeindruckend ... mau. b) Exempel: Viel Sicherheits-Ballgeschiebe im defensiven Mittelfeld; öffnende Diagonalpässe in der gegnerischen Hälfte: totale Fehlanzeige; kaum mal ein vernünftig gespielter Angriff; 'ne bemerkenswert wacklige Innenverteidigung; Dribbling-Qualität: null; taktische Variation im Spiel: nix; intelligente Freistoß- oder Ecken-Varianten: nullkommanix! Kurzum: Eher 'leichte Gartenarbeit' als Fußball! c) Für diese kollektive Nicht-'Leistung' würde jeder männliche Drittligist von seinem Publikum gnadenlos ausgepfiffen. Und für diese traurigen Darbietungen mußten die ReporterInnen des ÖR auch noch permanent den Superlativ bemühen!!
capacity 10.07.2019
3. Freundschaft
Ich empfehle einfach mal 3 Freundschaftsspiele gegen die Niederlande, England und die Amerikanerinnen. Danach kann man den Ernst der Lage tatsächlich einschätzen.
Ich empfehle einfach mal 3 Freundschaftsspiele gegen die Niederlande, England und die Amerikanerinnen. Danach kann man den Ernst der Lage tatsächlich einschätzen.
Domspatz 10.07.2019
4. MVT hat es verbockt
Wofür hat der DFB die neues Bundestrainerin überhaupt mit so viel Aufwand aus der Schweiz geholt? Das war ein WM- und kein Sichtungs-Turnier. Wer eine Mannschaft konsequent so falsch aufstellt, hat den Gegner nicht studiert und [...]
Wofür hat der DFB die neues Bundestrainerin überhaupt mit so viel Aufwand aus der Schweiz geholt? Das war ein WM- und kein Sichtungs-Turnier. Wer eine Mannschaft konsequent so falsch aufstellt, hat den Gegner nicht studiert und lässt ins Blaue spielen. Statt die alte Spiellinie aus der erfolgreichen Qualifikation beizubehalten nur Flickschusterei von Spiel zu Spiel. Hat MVT nicht mal mit Horst Hrubesch gesprochen, der nicht nur erfolgreich sondern auch bei den Mädel beliebt war?
zweitakterle 10.07.2019
5. Ich habe die Befürchtung,
dass der mir sympathisch gewordene Frauenfussball zum "Männerfussball" mit all seinen Unannehmlichkeiten im Umfeld degenerieren könnte.... Bestes Beispiel sind die bierseligen Kritiken, die man sonst im [...]
dass der mir sympathisch gewordene Frauenfussball zum "Männerfussball" mit all seinen Unannehmlichkeiten im Umfeld degenerieren könnte.... Bestes Beispiel sind die bierseligen Kritiken, die man sonst im verweichlichten Männerfussball hört....Trainer raus! ...keine Ahnung vom modernen Fussball ( was immer das auch heissen soll).... Ich gehe fest davon aus, dass im Frauenfussball durchaus Leute beschäftigt sind, die ihr Handwerk verstehen. Und dazu gehören Leute, die wissen, welche Entwicklungszeit eine neue Mannschaft benötigt. Wir hatten die jüngste Mannschaft, die zwar ins kalte Wasser geschmissen wurde, jedoch aber durchaus bewiesen hat, nicht untergehen zu müssen... Die kommen noch!

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