Sport

"Fußball für alle"

Österreichischer Fußball richtet Anlaufstelle gegen Homophobie ein

Homophobie ist ein Problem im Fußball. Viele schwullesbische, bi- und transsexuelle Athleten fürchten Diskriminierung. Der österreichische Fußball setzt nun ein Zeichen.

Angela Weiss / AFP

Die Regenbogenflagge ist ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt

Mittwoch, 12.06.2019   19:14 Uhr

Die österreichische Bundesliga und der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) wollen sich gemeinsam stärker gegen Homophobie im Fußball engagieren. Daher haben die beiden Institutionen mit dem Verein "Fußball für alle" eine Anlaufstelle eingerichtet, an die sich Menschen aus dem Fußball etwa im Fall von Diskriminierungen wenden können. Das teilten der ÖFB und die Bundesliga in Wien mit. Ombudsmann der Anlaufstelle ist Oliver Egger, der als österreichischer Fußballer offen zu seiner Homosexualität steht.

Die Anlaufstelle samt direkter Hotline ist laut der Verbände unabhängig und eigenständig, jedoch mit einer Legitimation von ÖFB und Bundesliga ausgestattet. Der Verein wird mit Geldmitteln der Uefa sowie einem fünfstelligen Betrag von ÖFB und Bundesliga gefördert. "Wir wollen damit erneut Bewusstsein für das Thema schaffen. Sobald man wie wir als Bundesliga in der Öffentlichkeit steht, hat man auch eine Vorbildwirkung, und dieser Rolle wollen wir nachkommen", sagte Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits.

Im Sport ist Homosexualität noch immer ein Tabu. Viele schwullesbische, bi- und transsexuelle Sportler befürchten nach wie vor Diskriminierungen und Beleidigungen, wenn sie ihre sexuelle Orientierung offenbaren. Das ist das Ergebnis einer EU-weit angelegten Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Der DFB hat keine vergleichbare Ombudsstelle

Ombudsmann Egger outete sich 2016 als erster österreichischer Fußballer als homosexuell. "Homophobie ist im Fußball weiter gang und gäbe. Auch deshalb sitze ich hier", sagte der 26-Jährige, der in der fünften österreichischen Liga beim FC Gratkorn spielt.

Eine vergleichbare Ombudsstelle des Deutschen Fußball-Bundes gibt es nicht. Eine Informationsbroschüre des DFB mit dem Titel "Fussball und Homosexualität" verweist unter anderem auf die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

ptz/dpa

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