Sport

Fußball-WM

Kamerun streikt - England gewinnt Skandalspiel

Beim Viertelfinaleinzug der Engländerinnen gab es minutenlange Diskussionen nach Entscheidungen gegen Kamerun. Erinnerungen wurden wach an einen Klassiker der WM-Geschichte.

Robert Cianflone/Getty Images

Sie wollen nicht weiterspielen - Kameruns Diskussionsbedarf nach dem 2:0

Sonntag, 23.06.2019   19:33 Uhr

England hat in Valenciennes sein WM-Achtelfinale gegen Kamerun 3:0 (2:0) gewonnen. Die Tore erzielten Kapitänin Steph Houghton (15. Minute), Ellen White (45.+3), und Alex Greenwood (58.). Nach dem zweiten Treffer der Engländerinnen kam es zu kuriosen Szenen.

Als das Spiel beim Stand von 1:0 für England dem Halbzeitpfiff entgegen plätscherte, gab es plötzlich große Aufregung: Ellen Whites Treffer nach tollem Zuspiel von Lucy Bronze (45.+3) hätte fast keine Anerkennung erfahren, da die Linienrichterin nach Abschluss der Aktion eine Abseitsstellung anzeigte - Videoschiedsrichter Bastian Dankert überstimmte sie jedoch richtigerweise und der Treffer zählte.

Erinnerungen an 1982

Das brachte die Spielerinnen aus Kamerun gegen die Unparteiische Qin Liang auf. Minutenlang weigerten sie sich, den Wiederanpfiff auszuführen und Erinnerungen wurden wach an die Männer-WM 1982 und die Partie Frankreich gegen Kuwait. Damals fühlte sich der Außenseiter ebenfalls benachteiligt und Scheich Fahid al-Ahmad as-Sabah drohte mit Spielabbruch - damals knickte der Schiedsrichter ein und annullierte den Treffer, Qin blieb standfest. Kameruns Kapitänin Aboudi Onguéné konnte ihre Kolleginnen schließlich zum Weiterspielen bewegen.

Zuvor hatte England wie bereits in den Gruppenspielen gegen Schottland und Japan in den ersten 15 Minuten der Partie getroffen. Großzügige Mithilfe leistete dabei Kameruns Torhüterin Annette Ngo Ndom, die die Rückgabe einer Mitspielerin unbedrängt mit der Hand aufnahm. Schiedsrichterin Qin gab indirekten Freistoß, den Houghton an sämtlichen gegnerischen Feldspielerinnen auf der Torlinie vorbei im Tor unterbringen konnte.

Marc Atkins/Getty Images

Eine gegen alle: Steph Houghton mit dem 1:0

Nach Wiederanpfiff ging das Drama für Kamerun weiter: Die eingewechselte Njoya Ajara traf vermeintlich zum 1:2 - doch auch hier wurde der Treffer zurecht wegen einer - wenn auch knappen - Abseitsstellung nicht anerkannt. Erneut gab es langwierige Diskussionen, bei der vermeintlichen Torschützin flossen Tränen.

Kurz darauf vergab die ebenfalls neu ins Spiel gekommene Alexandra Takounda Sekunden nach ihrer Einwechslung den Anschlusstreffer. Sie scheiterte freistehend vor Karen Bardsley (54.). Kamerun drückte, England traf: In der 58. Minute traf Verteidigerin Alex Greenwood mit einer schönen Direktabnahme nach einer Ecke. Die Entscheidung im Stade du Hainaut.

England trifft im Viertelfinale auf Norwegen, das Australien im Elfmeterschießen bezwingen konnte. Die Partie findet am 27. Juni (21 Uhr, Liveticker: SPIEGEL ONLINE) in Le Havre statt.

England - Kamerun 3:0 (2:0)
1:0 Houghton (15.)
2:0 White (45.+3)
3:0 Greenwood (58.)
England: Bardsley - Bronze, Houghton, Bright, Greenwood - Walsh, Kirby, J. Scott (78. Staniforth) - Parris 84. Williamson), White (64. Taylor), Duggan
Kamerun: N. Ndom - Leuko, A. Ejangue (64. Sonkeng), Johnson, M. Awona - Njoya Ajara, Abam (68. Abena), Feudjio, Yango, Aboudi Onguéné - Enganamouit (53. Takounda)
Schiedsrichterin: Qin (China)
Gelbe Karten: - / Leuko, Takounda

mfu

insgesamt 43 Beiträge
elisenstein 23.06.2019
1. die Kamerun Spielerinnen
haben sich benommen, als kämen sie aus einem Heim für schwer erziehbare Kinder und Fussball soll ihnen helfen sie zu resozialisieren. Das ist gründlich daneben gegangen. So ein respektloses Verhalten ist eine Zumutung.
haben sich benommen, als kämen sie aus einem Heim für schwer erziehbare Kinder und Fussball soll ihnen helfen sie zu resozialisieren. Das ist gründlich daneben gegangen. So ein respektloses Verhalten ist eine Zumutung.
cave68 23.06.2019
2. ich habe mir dieses Spiel
nicht angesehen...aber haben die Kamerunerinnen eigentlich mal daran gedacht,dass sie ihrer Sportart damit einen Bärendienst erweisen... Dabei scheinen sie ja die Niederlage durch einen Torwartpatzer selbst verschuldet zu [...]
nicht angesehen...aber haben die Kamerunerinnen eigentlich mal daran gedacht,dass sie ihrer Sportart damit einen Bärendienst erweisen... Dabei scheinen sie ja die Niederlage durch einen Torwartpatzer selbst verschuldet zu haben...unmöglich solch ein peinliches Verhalten....
RalfHenrichs 23.06.2019
3. Kann die Kamerunerinnen verstehen
Viele spielen noch in Afrika, wo es den Videobeweis - vor allem im Frauenfussball - nicht gibt. Wenn man sich erinnert, was für eine Aufregung es gab, als er in Deutschland eingeführt wurde - wenngleich natürlich nicht in einem [...]
Viele spielen noch in Afrika, wo es den Videobeweis - vor allem im Frauenfussball - nicht gibt. Wenn man sich erinnert, was für eine Aufregung es gab, als er in Deutschland eingeführt wurde - wenngleich natürlich nicht in einem solchen Ausmaß -, kann nachvollziehen, dass die Spielerinnen damit einfach überfordert waren. Natürlich war das Verhalten dennoch falsch, aber menschlich nachzuvollziehen. Man sollte diesen Unfug mit dem Videobeweis wieder abschaffen. Auch aufgrund der vielen Spielunterbrechungen. Schiedsrichterinnen trauen sich ja praktisch keine strittigen Fälle mehr ohne VAR und minutelange Proteste zu entscheiden.
tomkey 23.06.2019
4. Ahnungslos
Das kann so gesehen werden - sollte es aber nicht. Meine Vermutung während des Spiels, dass die mit dem Videobeweis noch nie gespielt haben, wurde in der Nachbetrachtung durch Nia Künzer bestätigt. Die Frauen wirkten [...]
Zitat von elisensteinhaben sich benommen, als kämen sie aus einem Heim für schwer erziehbare Kinder und Fussball soll ihnen helfen sie zu resozialisieren. Das ist gründlich daneben gegangen. So ein respektloses Verhalten ist eine Zumutung.
Das kann so gesehen werden - sollte es aber nicht. Meine Vermutung während des Spiels, dass die mit dem Videobeweis noch nie gespielt haben, wurde in der Nachbetrachtung durch Nia Künzer bestätigt. Die Frauen wirkten völlig ahnungslos. Nicht nur Schiedsrichterinnen sollten mit dem Umgang des Videobeweises geschult werden, auch Spielerinnen müssen zwingend eine einweisung zum Thema Videobeweis erhalten. Die den Spielerinnen aus Kamerun ist das zwingend notwendig. Und wäre der Videobeweis konsequent angewendet worden, dann hätte das böse Foul kurz vor Ende mit dem Tritt ins Sprungelenk der Engländerin mit rot gehandet werden müssen.
martin.hansen 23.06.2019
5. Videobeweise abschaffen
Die Entscheidungen nach Videobeweis waren zwar korrekt, nehmen dem Sport aber die Spontanität und die ungetrübte Freude nach einem Tor. Mit dieser Art der Technisierung sind die Spielerinnen aus Kamerun nicht zurechtgekommen. [...]
Die Entscheidungen nach Videobeweis waren zwar korrekt, nehmen dem Sport aber die Spontanität und die ungetrübte Freude nach einem Tor. Mit dieser Art der Technisierung sind die Spielerinnen aus Kamerun nicht zurechtgekommen. Das Verhalten der Spielerinnen ist natürlich nicht ok, wenn ein Mensch wie ein Computer mit 1 und 0 entscheiden soll und dann ohne jede Emotion weitermacht. Warum positioniert man den Fußball nicht als einfaches Spiel mit menschlichen Fehlern aber viel Spontanität und der ungetrübten Freude nach einem Torentscheid und wunderschönen Toren? Warum muss man mit immer mehr Technik den Sport seine Menschlichkeit nehmen?

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP