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WM-Achtelfinale

Das ist Deutschlands Gegner Nigeria

Fast wären sie gar nicht mehr dabei: Nigeria hat bei der WM eine turbulente Gruppenphase hinter sich. Die Afrikanerinnen haben ihre Stärke in der Defensive - ihr größter Star spielt aber vorn.

AFP/Pierre Clatot

Nigerias Superstar Asisat Oshoala, hier im WM-Spiel gegen Südkorea, wurde bereits dreimal zur besten Spielerin Afrikas gewählt.

Aus Grenoble berichtet
Samstag, 22.06.2019   14:24 Uhr

An diesem Samstag beginnt für die deutsche Nationalmannschaft die K.o.-Runde der Fußball-WM: Um 17:30 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF) trifft sie im Achtelfinale auf Nigeria. Wie stark ist der Gegner der deutschen Fußballerinnen? Und auf welche Spielerin müssen das DFB-Team und die Zuschauer besonders achten? Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie stark ist Nigeria?

Nigeria ist ein fußballbegeistertes Land, die Frauen sind Rekord-Afrikameister. Die A-Nationalmannschaft konnte sich als einziges afrikanisches Team für alle acht Weltmeisterschaften qualifizieren - dabei gelangen den Spielerinnen jedoch nur vier Siege und drei Remis. Die beste WM-Platzierung war der Viertelfinaleinzug 1999.

Gegen Gastgeber Frankreich hielt das Team in der Vorrunde der aktuellen WM lange mit und verlor erst durch ein spätes Elfmetertor. "Alle WM-Teilnehmer sind Weltklasse", hat Nigerias schwedischer Trainer Thomas Dennerby gesagt: "Allerdings auf unterschiedlichem Niveau. Unser Team ist aber viel besser als sein Ranking." In der Fifa-Weltrangliste liegt Nigeria nur auf Platz 38.

Auf welche Stärken muss Deutschland achten?

Das Markenzeichen der "Super Falcons" ist ein aggressives, kraftvolles Spiel. Das Team lebe von der Härte, sagt auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor der Partie am Samstag. Diese Stärke haben die Nigerianerinnen bei dieser WM vor allem in der Defensive ausgespielt.

Voss-Tecklenburg sieht aber auch in der gegnerischen Angriffsreihe eine Gefahr: "Wenn Nigeria eine besondere Stärke hat, ist es das Umschaltspiel. Wenn sie den Ball gewinnen, passen sie auf ihre drei schnellen Stürmerinnen."

Wie lief das Turnier bislang für Nigeria?

Mit einem Wort: dramatisch! Einer 0:3-Auftaktniederlage gegen Norwegen folgte ein 2:0-Sieg inklusive eines kuriosen Eigentors des Gegners Südkorea. Im letzten Gruppenspiel gab es die knappe Pleite gegen Frankreich - und das nur, weil die nigerianische Torhüterin Opfer der tückischen neuen Regelauslegung beim Elfmeter wurde.

DPA/Vincent Michel

Nigerias Spielerinnen beschweren sich über eine Elfmeterentscheidung bei Schiedsrichterin Melissa Borjas während der Partie gegen Frankreich.

Der erste Strafstoß war eigentlich an den Pfosten gegangen, doch weil sich Chiamaka Nnadozie zu früh von der Linie wegbewegte, musste er wiederholt werden - und der zweite Versuch saß. So musste Nigeria nach dem letzten Gruppenspiel noch um den Einzug in die K.-o-Runde zittern, denn nur die besten Gruppendritten qualifizierten sich - und diese Position drohte am letzten Spieltag verloren zu gehen.

Chile stand kurz davor, den Nigerianerinnen den Achtelfinalplatz abzujagen. Die Südamerikanerinnen hätten in ihrer Gruppe einen Sieg mit drei Toren Differenz benötigt - und erzielten gegen Thailand tatsächlich zwei Tore. Einen dritten Treffer verhinderte dreimal die Latte, einmal davon bei einem Elfmeter. Und so blieb es beim Finaleinzug für die Nigerianerinnen. Wie es dort im Hotel aussah, als die K-.o-.Runde fix war? So:

Ist die späte Entscheidung ein Nachteil für Nigeria?

Das kann man so sehen: Der emotionale Moment, die Freude, das Adrenalin - die Nigerianerinnen sind am Donnerstagabend erst spät ins Bett gekommen. Und sie mussten am Freitagmorgen bereits die Reise per Flugzeug von Rennes nach Grenoble antreten.

Eine vernünftige Trainingseinheit war wegen starken Regens in der südfranzösischen Stadt nicht möglich. Doch Coach Dennerby blieb gelassen: "Wir sind nicht müde. Die Situation ist leicht zu ertragen, wenn man glücklich ist." Es sei allerdings neu, "dass wir nicht soviel Zeit haben, uns taktisch auf das Spiel vorzubereiten".

Wie sieht die deutsche Bilanz gegen Nigeria aus?

Überragend. Von sieben Aufeinandertreffen gewann die DFB-Auswahl jedes. Das letzte Mal spielten beide Teams bei der Heim-WM 2011 gegeneinander. Damals gewann Deutschland 1:0. Das Spiel war deutlich knapper als etwa der 8:0-Sieg im November 2010, bis heute eine der höchsten Niederlagen der Nigerianerinnen.

Übrigens: Nigeria hat eine herausragende Jugendarbeit, bei der U20-WM trafen Deutschland und Nigeria zweimal im Finale aufeinander. 2010 siegte Deutschland 2:0. Vier Jahre später gewann die deutsche U20 das Endspiel 1:0 in der Verlängerung. Aber Voss Tecklenburg warnt: "Die werden alles reinhauen. Ihr Erfolg hat für den ganzen Kontinent Bedeutung." Und: "Wir wissen, was da für ein Brocken auf uns zukommt."

Wer ist der Topstar bei den Nigerianerinnen?

Das ist ohne Frage Asisat Oshoala. Die 24-Jährige wurde bereits dreimal zur besten Spielerin Afrikas gewählt und läuft seit einem Jahr für den FC Barcelona in der ersten spanischen Liga auf. Ihre große Stärke ist die Geschwindigkeit, mit der sie die gegnerischen Verteidigungsreihen regelmäßig vor unlösbare Probleme stellt.

Oshoala war in diesem Jahr die erste Afrikanerin in einem Champions-League-Finale und schoss dort gleich ein Tor, verlor aber mit Barcelona 1:4 gegen Olympique Lyon. Ihre Mutter war eigentlich gegen eine Fußballerkarriere, doch Oshoala verfolgte ihren Traum - und erfüllte ihn sich. Mittlerweile hat sie eine Organisation gegründet, die junge Mädchen beim Weg in den Fußball unterstützen will.

insgesamt 1 Beitrag
conillet 22.06.2019
1. Asisat Oshoala .....
..... spielt nicht sein einem Jahr beim FC Barcelona, sondern erst seit Januar 2019, als sie vom chinesischen Klub Dalian Quanjian F.C. ausgeliehen wurde.
..... spielt nicht sein einem Jahr beim FC Barcelona, sondern erst seit Januar 2019, als sie vom chinesischen Klub Dalian Quanjian F.C. ausgeliehen wurde.

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